Terry Pratchett’s Hogfather – Weihnachten in Absurdistan

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Terry Pratchett’s Hogfather – Weihnachten in Absurdistan


Die Scheibenwelt-Romane des britischen Schriftstellers Terry Pratchett sind ein Phänomen. In 41 Büchern beschreibt Pratchett die etwas andere Fantasy und verbindet ganz alltäglichen Wahnsinn mit hintersinnigem Humor und parodistischen Einfällen. Lange galten diese Werke als unverfilmbar … Dann kam Hogfather!

 

Die Welt von Hogfather

Der menschliche Glaube ist ein seltsames Ding. Das finden auch die Mächtigen des Multiversums und beschließen, den Schneevater (im Englischen „Hogfather“, die Scheibenwelt-Variante vom Nikolaus) abzuschaffen. Ein Assassine wird beauftragt, den dicken Mann im roten Mantel zu beseitigen. Doch hält der Glaube an ihn weitaus mehr als nur alte Traditionen aufrecht: Wenn der weihnachtliche Geschenkebringer erst nicht mehr ist, wird der Zweifel unter den Bewohnern der Scheibenwelt um sich greifen – und nicht allein den Schneevater mit ins Verderben reißen.

Als er das Verschwinden des Schneevaters bemerkt, schlüpft Gevatter Tod daher in dessen Kostüm und hält die Fassade mühsam aufrecht. Denn nur wenn man an den Weihnachtsmann glaubt, kann er auch existieren. Zur gleichen Zeit bemüht sich Tods Enkeltochter Susan darum, die Übeltäter aufzuspüren. Ihre Spur führt zur Zahnfee, einer weiteren „Glaubensfrage“.

Terry Pratchett's Hogfather Clip

Die nackten Fakten

Terry Pratchetts Romane sind Parabeln, sind Fantasyparodien, sind Märchen, sind albern. Und sie sind unverfilmbar. Dachte man zumindest. Klar hatte es schon Versuche gegeben: Aus einigen Johnny-Maxwell-Büchern waren schöne TV-Mehrteiler geworden, die Bromeliad-Trilogie wurde vor Jahren als Mischung aus Real- und Animationsfilm angegangen und die Scheibenwelt, Pratchetts Opus Magnum und Gipfel der Kreativität, hatte schon für Zeichentrickprojekte Pate gestanden. Aber eine Realverfilmung der Scheibenwelt? Mit echten Schauspielern vor der Kamera, mit Kulissen und Effekten – und ohne dem Geist der Vorlage untreu zu werden? Nein, das galt als unmöglich. Zumindest für die zahlreichen Leser auf der ganzen Welt.

Und für den Autor: Im Prinzip war Pratchett stets für eine solche Realverfilmung, er bezweifelte jedoch, dass sich seine Visionen mit denen der Filmemacher kombinieren ließen. „Das wahrscheinlich größte Problem bei der Verfilmung der Scheibenwelt bin ich“, gestand der Autor der Presse. „Die Scheibenwelt hat mir ziemlich viel Geld eingebracht, und ich muss nichts mehr beweisen. Ich laufe nicht verzweifelt einem Filmdeal hinterher. Ich hätte sicherlich gerne eine Verfilmung, bin aber nicht bereit, dafür viel zu opfern.“

Erst wenige Jahre vor der ersten machte er Schlagzeilen, indem er bereits verkaufte Filmrechte wieder zurückkaufte, da die Projekte keine Fortschritte machten. Pratchett achtete auf seine geistigen Kinder!

Und dann kam Vadim Jean. Der englische Filmemacher präsentierte dem überraschten Terry ein Drehbuch für einen TV-Mehrteiler – eben für die Realverfilmung des Romans „Schweinsgallop“, dem 20. Scheibenwelt-Band. SkyOne als ausstrahlender Sender stand bereit, das Abenteuer zu unterstützen, man brauchte nur noch den Segen des Meisters. Pratchett gab ihn gerne, wenn auch ungläubig: „Während des gesamten Prozesses wartete ich darauf, das etwas schiefging. Dass sich das Projekt die Maske vom Kopf zieht und sagt ‚ Ha ha ha haaaaaa. Du hast doch nicht wirklich daran geglaubt, dass das hier wahr wird!’“ Doch es wurde.

Das Erbe

Der Beweis war erbracht: Es ging! Kein Wunder, dass schon kurz nach der Ausstrahlung des Mehrteilers Pläne für weitere TV-Adaptionen der Scheibenwelt laut wurden. Neben Die Farben der Magie und Das Licht der Phantasie wurde auch noch der Roman Ab die Post vom britischen Fernsehen auf die Mattscheiben gezaubert, danach wurde es wieder ruhiger um Pratchetts Werk. Seit 2012 ist eine TV-Serie zu den Abenteuern der Nachtwächter von Ankh-Morpork in Planung, doch auf die wartet die Welt nun auch schon ziemlich lange.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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