Vom Roman zum Film: Phantastische Buchstoffe auf der großen Leinwand

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FILM

Transfer gelungen: Fantasy- und Science-Fiction-Bücher auf der großen Leinwand


Narnia, Tintenherz, Der Hobbit … Die Liste der Verfilmungen von Fantasy- und Science-Fiction-Literatur ist lang und wird immer länger. Aber ist das Ergebnis auch immer sehenswert? Hier drei gelungene Beispiele für phantastische Buchverfilmungen.

Mit „Mortal Engines“ steht am 12. Dezember eine weitere Verfilmung an, die auf einem phantastischen Roman basiert. Regisseur Peter Jackson, durchaus nicht ganz unerfahren in der Inszenierung epischer Streifen auf Buchvorlage, hat sich des Stoffs des britischen Autors Philip Reeve bedient und bringt dessen Vision einer dystopischen Steampunk-Zukunft am 13. Dezember in die deutschen Kinos. Der Film basiert auf Reeves erstem Band „Krieg der Städte“ seiner „Mortal Engines“-Tetralogie, die in Deutschland erstmals 2008 erschien und deren erste Bände in diesem Herbst erneut bei Fischer Tor veröffentlicht werden.

Verfilmungen phantastischer Stoffe genießen nicht zuletzt seit dem Megaerfolg von „Herr der Ringe“ und der „Harry Potter“-Reihe große Beliebtheit und verliehen vielen Romanen globale Popularität – was allerdings in der konkreten Umsetzung mal mehr, mal weniger gut gelang. „Narnia“, „Eragon“, „Der Goldene Kompass“, „Der Sternwanderer“ oder „Tintenherz“ waren einige davon, die mit wechselndem Erfolg im Fahrwasser der zuvor genannten Erfolgsreihen schwammen. Bevor sich komplexere phantastische Stoffe vor allem in Serienform auf den Streamingportalen etablierten und die Kinos ihrerseits ab 2008 mit Comic-Adaptionen geflutet wurden, stellten sie gewissermaßen das Rückgrat phantastischer (Mainstream-)Unterhaltung dar.

Doch nach den All-Age-Titeln war es nicht vorbei mit den Buchumsetzungen, und regelmäßig finden wir Filme, die wie „Mortal Engines“ auf einem Roman basieren. Wir werfen mal einen exemplarischen Blick auf drei Romanverfilmungen der jüngeren Vergangenheit, die wir als gelungen ansehen. Dabei ist weniger die werkgetreue Umsetzung entscheidend, denn bei jeder Buchverfilmung muss man mehr oder weniger große Abstiche gegenüber der meist viel detaillierteren und differenzierteren Romanhandlung machen und stattdessen entscheiden, ob der Film tatsächlich als Film funktioniert, ohne dabei den Charakter der Vorlage maßgeblich zu verfälschen.

Die Tribute von Panem – Hunger Games

Der Auftakt von Suzanne Collins’ Romantrilogie wurde 2012 als Kinofilm umgesetzt, drei weitere Filme folgten bis 2015. In der dystopischen Zukunft des Staates Panem kämpft die junge Katniss Everdeen in den Hunger Games mit anderen Vertretern der zwölf staatlichen Distrikte ums Überleben. Die Jugendlichen fallen der Wildnis, Mutationen von Tieren, die auf sie gehetzt werden, und ihren Konkurrent/innen zum Opfer. Das Spektakel wird der gesamten Bevölkerung live als großes Unterhaltungsevent übertragen. Der Sieg lohnt sich: Der oder die letzte Überlebende wird lebenslang mit allem Notwendigen versorgt, und der jeweilige Heimatdistrikt ein Jahr lang von der Mangelversorgung an Lebensmitteln befreit.

Die erste Verfilmung von „Panem“ vermag als Mischung von Formaten wie „Dschungelcamp“ und „Running Man“ ebenso wie die Romanvorlage zu überzeugen und hält unserer sensationsgetriebenen und zunehmend staatlich überwachten Gesellschaft einen Spiegel vor, dessen verstörende und brutale Bilder uns mitunter schlucken lassen. Mit Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen verfügt die Filmreihe zudem über eine beeindruckende Hauptdarstellerin, die der Protagonistin mit ihrem einprägsamen Spiel große Tiefe und Glaubwürdigkeit verleiht.

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Es

Stephen Kings gleichnamiger Roman wurde im Jahr 2017 zum zweiten Mal als Film umgesetzt und trat in große Fußstapfen, denn die erste Verfilmung von 1990 mit Tim Currys Darstellung des Clowns Pennywise kann man durchaus als ikonisch ansehen. Dennoch gelang Regisseur Andrés Muschietti eine zeitgemäße Umsetzung: Nachdem der kleine Georgie verschwunden ist, macht sich seine großer Bruder Bill mit seinen Freunden auf die Suche nach ihm. Diese Gruppe jugendlicher Außenseiter (der „Club der Verlierer“) erforscht die Hintergründe des verschwundenen Jungen und findet heraus, dass alle 27 Jahre eine mysteriöse Macht in Derry für ungeklärte Todesfälle sorgt. Diese hängen sämtlich mit dem Brunnenhaus zusammen, das mit der Kanalisation der Stadt verbunden ist. Gleichzeitig werden die Freunde jeweils von ihren Ängsten heimgesucht, die sie peinigen und nacheinander zu verschlingen suchen, ernährt sich der diese unheimliche Macht doch von den Ängsten der Kinder. Als schließlich Beverly, einziges Mädchen des „Clubs der Verlierer“, verschwindet, sind sich Bill und seine Freunde sicher, dass sie die geheimnisvolle Macht Es im Brunnenhaus finden und dort besiegen können, indem sie sie sich von ihren Ängsten befreien.

In „Es“ begegnet eine düstere Coming-of-Age-Geschichte mit Protagonisten, die aufgrund ihrer Eigenheiten am Rand der jugendlichen Kleinstadtgesellschaft stehen, Horrorelementen, die mit dem Bezug auf die tief in uns schlummernden Ängste wohl jeden ansprechen dürften.

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Ready Player One

In diesem Frühjahr enterte Steven Spielbergs „Ready Player One“ unsere Kinos und bot eine abenteuerliche Zeitreise in die virtuelle Realität einer vielleicht gar nicht so fernen Zukunft, gepaart mit unzähligen popkulturellen Referenzen vor allem aus den 80er und 90er Jahren. Vor allem die 80er und ihre Vielfalt an Filmen, legendären Computerspielen und Musik liegen dem Roman von Ernest Cline zugrunde, der seine Hauptfigur Wade Watts als nerdigen Außenseiter in das größte Abenteuer schickt, das die virtuelle Realität namens OASIS je gesehen hat: die Suche nach dem heiligen Gral des OASIS-Erfinders James Halliday im Wert von 500 Milliarden Dollar. Auf Basis einer Anleitung von Halliday schafft es Wade, ein Easter Egg nach dem anderen zu finden, das ihn der Lösung näher bringt. Konkurrenten wie Aech oder Art3mis werden dabei zu Freunden, und der mächtige 101-Konzern unter seinem Anführer Nolan Sorrento zu seinem Erzfeind.

Neben der visuellen Repräsentation und der Hommage an das digitale Unterhaltungszeitalter unserer Jugend hat der Regisseur es mit „Ready Player One“ geschafft, mal wieder einen „echten Spielberg“ zu erschaffen, einen Abenteuer-Blockbuster, der visuell beeindruckendes und spannendes Wohlfühlkino bietet. Vorhalten kann man ihm (oder wohl eher Warner), dass die Darstellung von Wade und Art3mis sich deutlich von den nerdigen Vorlagen aus Clines Roman entfernt, um der typischen Hollywood-Glattgebügeltheit nahezukommen (ganz in der schlechten Tradition von Bastian Balthasar Bux, der in der Verfilmung der „Unendlichen Geschichte“ ebenfalls zum Schönling avancierte ...). Dafür hat Spielberg die Rolle von Art3mis gegenüber der Romanvorlage in ihrer Bedeutung für die Gesamthandlung aufgewertet – und damit aus der Roman-Mary-Sue Wade Watts einen wesentlich glaubwürdigeren Protagonisten gemacht.

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Ernest Cline: Ready Player One

Diese drei Titel stellen natürlich nur einen kleinen populären Ausschnitt aus den vielen, vielen Umsetzungen der vergangenen Jahre dar. Jetzt sind wir neugierig: Welche Filmumsetzungen phantastischer Romane seht ihr als besonders gelungen an und würdet sie auch den Lesern und Fans der Buchvorlagen empfehlen?

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