Die sieben besten Geisterfilme des 21. Jahrhunderts (bis jetzt)

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Die sieben besten Geisterfilme des 21. Jahrhunderts (bis jetzt)


Spukhäuser, huschende Schatten, flackernde Lampen: Eine besondere Spielart des Horrors sind die Geistergeschichten. Da reicht das Spektrum von fies-raffiniert bis herzkasper-grob. Unser Autor Björn Bischoff über die sieben besten Geisterfilme unserer Zeit.

 

Ein Herz für Slimer und Freunde: Geister begleiten die Menschheit bereits durch die gesamte Kulturgeschichte. Es spukt und scheppert, graust und gruselt – seit Ewigkeiten. Besonders in der romantischen Literatur hatten Gespenster ihren großen Auftritt. Und kaum gab es den Film, folgten die ersten Horrorfilme. Natürlich mit Geistern. Es beschleicht die Leute eben ein Unbehagen, Geister sind die manifestierte Vergangenheit, die uns sagen: Etwas war vor uns hier. Was als Erklärung für die Faszination in ihrer Gesamtheit sicherlich viel zu kurz greift. Dass Geister uns aber bis heute verfolgen, lässt sich sehr gut an der jüngeren Filmgeschichte zeigen. Daher gibt es an dieser Stelle die sieben besten Geisterfilme des 21. Jahrhunderts. Bis jetzt. Es liegt keine komplett wissenschaftliche Definition für diese Geister zugrunde, verschwimmen sowieso Gespenst und Dämon an der einen oder anderen Stelle. Allerdings haben wir geschaut, dass unsere Erscheinungen deutlich eher in der Vergangenheit als in der Hölle ihren Ursprung haben. Die perfekte (und subjektive) Liste für einsame Nächte vor dem Fernseher. Und hat da in der dunklen Ecke des Zimmers nichts gerade jemand geatmet?

7. Conjuring – Die Heimsuchung (2013 | James Wan)

Eins vorweg: »Conjuring – Die Heimsuchung« nervt. Denn der Film des australischen Regisseurs James Wan kommt wie das Klischee eines Horrorfilms daher. Übertriebene Jump-Scares, dazu der Hinweis, dass die Begebenheiten des Films natürlich auf Tatsachen beruhen würden, und dümmlichster Moralismus können aber über die wirklich nervigste Sache nicht hinwegtäuschen: All das bringt Wan leider zu einem sehr guten Film zusammen, der durch eine unglaublich dichte Atmosphäre besticht. Die beiden paranormalen Ermittler Lorraine und Ed Warren möchten im Auftakt des Franchise der Familie Perron mit ihren fünf Töchtern helfen, die es in ein Spukhaus verschlagen hat. Blöd gelaufen, denn den Drehbuchautoren fallen genug hanebüchene Gründe ein, dass die Perrons nicht aus ihrem Eigenheim mit Geister-Befall mal soeben verschwinden können. Dazu spielt die Handlung in den Siebzigerjahren, der Hochphase des Horrors, weswegen es noch munter Zitate aus Klassikern des Genres gibt. Vielleicht nicht der beste Film in der Sammlung, um die Freunde des Arthouse vom Horror zu überzeugen – aber sicherlich der beste Film, um sich mal wieder in der Nacht vor dem eigenen Kleiderschrank zu fürchten.

Trailer: Conjuring

6. I Am The Pretty Thing That Lives In The House (2016 | Osgood Perkins)

Verwirrung von der ersten Minute an: Osgood Perkins’ »I Am The Pretty Thing That Lives In The House« erschien vor zwei Jahren als Geheimtipp auf Netflix. Und wie das mit Geheimtipps ist: Sie werden größer. Was für Unverständnis sorgte. Denn dieser Film ist mitnichten leicht und liegt auf der komplett anderen Seite des Genres verortet. In langsamen Bildern und mit abstrusen Sprüngen erzählt der US-Regisseur hier die Geschichte von Iris Blum, einer gealterten Horrorautorin, die nun an Demenz leidet. Eine Betreuerin soll auf sie aufpassen, zieht in das Haus ein. Dann verschachtelt sich die Erzählung, springt und zerläuft. »I Am The Pretty Thing That Lives In The House« funktioniert viel eher nach dem Ansatz, dass es sich hier um eine filmische Poesie handelt, um ein szenisches Gemälde. Es geht nicht um die Auflösung eines Rätsels oder einen Plot, das liegt alles vielmehr unter der Oberfläche, als es das Publikum aus dem heutigen Kino gewöhnt ist. Genau das macht diesen Film so außergewöhnlich und verleiht ihm einen so unglaublich düsteren Sog.

Trailer: I Am The Pretty Thing That Lives In The House

5. The Ring (2002 | Gore Verbinski)

Effektiver als jedes Fernsehverbot: Vor mehr als fünfzehn Jahren dürften die Stromrechnungen einiger Haushalte durchaus niedriger ausgefallen sein. Denn wer sich »The Ring« von Gore Verbinski anschaute, ließ erst einmal für eine Woche vom Fernseher ab. Mindestens. Die US-Neuverfilmung des japanischen Horrorfilms macht ein paar Dinge anders, die Essenz des Werks blieb aber: Ein Videoband mit einem mysteriösen Film macht die Runde. Wer es sich ansieht, bekommt einen Anruf. Und den Hinweis, dass er oder sie nur noch sieben Tage zu leben hat. Außer er verbreitet das Video. Bis es bei der Journalistin Rachel Keller landet. Sie recherchiert die Hintergründe und Personen auf diesem Videoband – und stößt so auf Samara Morgan. Ein Großteil des Films stürzt sich auf eben diese Entschlüsselung des Mysteriums und des Geists, dazwischen gibt es jede Menge dunkle Bilder und immer wieder surreale Ausschnitte aus eben jenem Video, das da kursiert. Natürlich bricht der Film am Ende mit der vierten Wand und zieht den Zuschauer hinein. Wer die passenden Freunde hatte, erhielt noch direkt nach Filmende einen mysteriösen Anruf. Leider verlor dieser Film seine Kraft mit den Jahren – wer hat heutzutage noch einen Videorekorder? Und auf BluRay sah Samara gleich schon viel weniger gruselig aus. 

Trailer: The Ring

4. Paranormal Activity (2007 | Oren Peli)

Was war zuerst da? Das Marketing oder der Hype? Vermutlich lässt sich das nicht mehr entschlüsseln, feststeht aber: Oren Pelis Film »Paranormal Activity« lebte von einem Trailer, der so gut wie nichts aus dem Film verriet. Stattdessen zeigte er die Gesichter im Publikum. Dazu erzählten sich die Leute von diesem neuen Horrorfilm, den Pelis in dem damals noch halbwegs innovativen Found-Footage-Stil gehalten hatte. Der Plot ist einfach wie effektiv: Ein Paar zieht in ein Haus und wird Opfer von paranormalen Phänomenen. Dabei sieht das Publikum das Geschehen aus der Perspektive des Paares, das die unheimlichen Begebenheiten mit einer Handkamera festhält. Die berühmteste Einstellung dürfte der Blick aus der Ecke des Schlafzimmers auf das Bett sein, wo sich urplötzlich Decken verschieben. Da passiert etwas, wenn wir es nicht merken können und verletzlich wie verwundbar sind – beklemmender lässt sich das filmisch kaum einfangen. »Paranormal Activity« funktioniert als klassischer Horrorfilm, der einfach nur erschrecken möchte. Und ganz ehrlich: Es braucht nur den ersten Teil, denn es folgte natürlich wie so oft im Genre eine Reihe von Fortsetzungen, die aber denselben Trick wieder und wieder bedienen. Allerdings setzt der erste Teil noch an den richtigen Punkten an, um dem Publikum einen wahnsinnigen Schrecken einzujagen. Wie sich im Trailer sehr gut sehen lässt. Und nach knapp eineinhalb Stunden auch wunderbar am eigenen Körper spüren lässt.  

Trailer: Paranormal Activity (2009)

3. Under The Shadow (2016 | Babak Anvari)

Der Schrecken der Realität trifft auf den fiktionalen Horror: Der britisch-iranische Regisseur Babak Anvari legte mit »Under The Shadow« einen Film vor, der ein großes Kunststück schafft. Denn er lässt im Teheran des Ersten Golfkriegs eine Geistergeschichte spielen. Und weder die eine Sache noch die andere Sache verliert ihr Grauen. Vielmehr gehen beiden Ebenen ineinander über. Shideh lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter Dorsa in einer Mietwohnung. Als Arzt muss ihr Mann an die Front, Shideh darf hingegen ihr Medizinstudium nicht fortsetzen. Aus politischen Gründen. Ihr Mann rät ihr, die Wohnung zu verlassen – doch Shideh und ihre Tochter bleiben. Bis eines Tages eine Rakete einschlägt. Dorsa leidet da längst unter Albträumen, und ein Dschinn treibt offenbar sein Unwesen. All dies verwebt »Under The Shadow« zu einer Geschichte, die auf so vielen Ebenen funktioniert und so viel mehr als eine bloße Geisterbahnfahrt ist. Denn allein dafür ist das Setting bereits viel zu düster, zu realistisch, zu sehr außerhalb des üblichen Stoffs des Genres. Dieser Film will vom Krieg erzählen, vom Schicksal der Menschen, von mutigen Menschen, von feigen Menschen, von Unentschlossenheit. »Under The Shadow« bleibt dabei aber ein Horrorfilm, ein Geisterfilm, der sich der Stilmittel bedient, der sie nur eben stellenweise anders einsetzt, anders wertet und verwertet. Nach der letzten Szene lässt dieser Film seine Zuschauer sprachlos zurück, denn dieser Schrecken, dieser Krieg rückt so nah an uns heran, wie eben alle Kriege, dass sich die Angst sehr deutlich nachvollziehen lässt. In jeder Szene schwingt dieser unerträgliche Subtext mit. Anvari wollte mit diesem Film mehr als nur blanken Horror. Er hat es hinbekommen. 

Trailer: Under The Shadow

2. Der Babadook (2014 | Jennifer Kent)

Der australische Film »Der Babadook« von Jennifer Kent kam als Überraschungserfolg auf und gehört mit »It Follows« und »The Witch« zu einer neuen Art von Horrorfilmen, die sich durch eine ruhige Atmosphäre auszeichnen. Klar, die üblichen Jump-Scares finden sich im »Babadook« auch, allerdings inszenierte Kent hier keine Geisterbahnfahrt. Zumal der Alltag der alleinerziehenden Altenpflegerin Amelia Vanek bereits beängstigend genug ist. Denn der Tod ihres Mannes belastet nicht nur die Beziehung zu ihrem Sohn Samuel, sondern ihr komplettes Leben, das sie der Vergangenheit untergeordnet hat. Samuel steigert sich währenddessen in eine düstere Phantasiewelt mit Monstern und Geistern. Am Ende kommt es, wie es kommen muss: Der namensgebende »Babadook« taucht auf, zuerst als Figur in einem Kinderbuch, dann als sehr reale Bedrohung, die auch vor Amelia keinen Halt macht. Am Ende lässt sich »Der Babadook« als Parabel über Trauer und Trauma verstehen, als Erzählung über das Verzweifeln eines Menschen, der mit seiner Vergangenheit einfach nicht abschließen kann. Nichts kann den Babadook aufhalten. Es bleibt nur ein konsequenter Ausweg. Eine Geschichte, die in den Kopf kriecht und dort sehr lange für viel Arbeit sorgt. 

Trailer: Der Babadook

1. The Others (2001 | Alejandro Amenábar)

Über den besten Moment von »The Others« lässt sich nicht schreiben. Denn Alejandro Amenábars Film entzieht seinem Publikum mit den letzten Minuten jede Sicherheit, jede Gewissheit. Aber wie sich dem Film nähern? Der österreichische Autor Daniel Kehlmann schrieb einmal: »Gespenster entstehen aus unserer Angst vor der Vergangenheit der Räume, in denen wir leben – nicht so sehr der Angst vor einer konkreten Vergangenheit, sondern der Angst vor dem Umstand, dass sie überhaupt Vergangenheit haben.« Und genau dies stellt »The Others« infrage. Und wieder auch nicht. Denn Amenábar lockt in ein klassisches Spukhaus, dessen Gänge und Winkel im Verlauf des Films stets dunkler und länger scheinen. Eine Mutter und ihre zwei Kinder leben in diesen Räumen. Die Fenster müssen stets abgedunkelt sein, das Mädchen und der Junge leiden unter einen Lichtallergie. Den Vater zog es in den Krieg. Drei neue Angestellte sollen zudem im Haus helfen, schließlich gibt es in dem riesigen Anwesen mehr als genug zu tun. Doch es passiert, was passieren muss: Der Spuk geht los, Türen öffnen sich, die Kinder finden einen imaginären Freund, der mit ihnen spricht. Es tut sich eine zweite Wirklichkeit auf, die sich als Gruselgeschichte abtun lassen würde. Doch Amenábar geht es in »The Others« um mehr, es geht um Trauer, um das Loslassen, um Glauben und Ängste. Wenn Filme vielmehr eine Metapher des Lebens als eine Abfolge von Ereignissen sein sollen, gehört »The Others« unabhängig von seinem Genre zu den Meisterwerken der Filmkunst. Nicole Kidman spielt großartig und verstörend, das Dunkel taucht zudem in so vielen verschiedenen Spektren auf, dass es nur diesen Absturz in den Abgrund geben kann, in dieses Ungewisse, Unheimliche. Glaube hilft dann nicht. Ein außergewöhnlicher Film, dessen Schrecken ein Leben lang nachhallt – und darüber hinaus. 

Trailer: The Others

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