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Gremlins, Pinhead & Co.: Die 10 besten Monsterfilme der 80er


Frankenstein, Hellraiser, Chucky – oder soll es doch ein guter alter Zombiefilm sein? Die Wahl des richtigen Halloween-Filmprogramms ist keine einfache: die 10 besten Monsterfilme der 80er Jahre.

Halloween naht, und ihr verzehrt euch nach Krallen, Blut und Schleim wie ein Zombie nach Hirn? Dann habe ich eine gute Nachricht für euch: Ich haue gerade in die Tasten, um euch die besten und schaurigsten Monster der 80er in Erinnerung zu rufen.

Steigt also ein in meine 4D-Geisterbahn und reist mit mir in die Zeit der Gummimasken, des Kunstbluts und der verspielten Animatronik. Als Kind der 80er und größter lebender Fan historischer Geisterbahnen, möchte ich mich in dieser Liste auf „Creature Features“ konzentrieren; sprich auf Horrorfilme, die uns durch ihre schaurig-schönen Monster in Erinnerung geblieben sind.

Die 80er bieten dabei einen reichen Fundus an Werwolf-, Alien-, Mutanten- und Dämonenfilmen, bei dem sich Maskenbildner, Kostümbildner und andere Meister des Handwerks austoben konnten wie nie zuvor. Glaubwürdige computergenerierte Effekte ließen noch auf sich warten und die 60er und 70er hatten Horror noch hauptsächlich durch Dracula, Dämonen und ein paar Zombies bedient.

Und obwohl man die Dekade durch Gestalten wie Jason, Freddy oder Leatherface auch als die Ära der Slasher-Movies abstempeln könnte, wurden doch stilistisch sehr viele Grundlagen gelegt für das, was wir heute Horrorfilm nennen. Erstmals wurde der Horror sehr viel „konkreter“ und körperlicher und man wuchs (größtenteils) über allzu billige Effekte und Sensation wie nackte Frivolitäten hinaus.

Da ich mich jedoch auf optisch und handwerklich interessante Monster fokussieren möchte, werden „menschliche Monster“ in dieser Liste außen vor bleiben. Sonst müsste selbstredend ein Film wie Kubricks The Shining (1980) die geisteskranke Spitze dieser Liste schmücken wie ein erfrorener Jack Nicholson das Heckenlabyrinth.

Auch Vampire, die die düsteren Ecken der 80er zahlreich bevölkerten, betrachte ich mit ihren spitzen Zähnen, aber ansonsten doch durchaus menschlichen Zügen nicht unbedingt als die scheußlichen Monster par excellence. Aber vielleicht möchte ich mir Perlen des Subgenres wie Near Dark (1987), Fright Night (1985) oder The Lost Boys (1987) auch für eine eigene Liste aufsparen.

Wer also die 10 spaßigsten Horrorfilme zu Halloween schon zu oft rauf und runter geguckt hat, kann sich ja dieses Jahr mal ein wenig kultigen 80er-Jahre-Horror gönnen. Schon allein die Tatsache, dass viele der Streifen lange Zeit indiziert waren, ist ein Grund jede Wissenslücke, falls vorhanden, zu schließen. Fröhliches gruseln!

Platz 10: Child's Play (1988) von Tom Holland

Erst kürzlich kündigte MGM ein Remake von Chucky – Die Mörderpuppe an. Bisher durfte sich Chucky, der bei Horror-Fans Kultstatus besitzt, schon durch sechs Fortsetzungen morden; manchmal sogar mit Unterstützung seiner entzückenden Braut. Der düstere Charme der Chucky-Filme liegt in ihren liebevollen Effekten. Es ist kaum zu glauben wieviel unheimliche Atmosphäre sich allein mit einer in Bodennähe geführten Kamera und einer geschickt durchs Bild huschenden Spielzeugpuppe erzeugen lässt. Hilfreich dabei ist sicherlich, dass Puppen inhärent irgendwie „creepy“ sind. Besonders diese lebensechten, die mir mit ihren starren Augen immer schon kalte Schauer über den Rücken gejagt haben. In Tom Hollands verstörendem Slasher ist der Geist eines Massenmörders in eine debil lächelnde Puppe gefahren. Doch ich frage: Ist das nicht bei allen Puppen so?

Trailer: Child's Play (1988)

Platz 9: Hellraiser (1987) von Clive Barker

Mit Hellraiser hat Clive Barker einen derart morbiden und einflussreichen Eintrag im Horror-Genre getätigt, dass andere Regisseure bis heute nicht aufhören konnten, schlechte Fortsetzungen zu drehen. Mir war bisher nicht bewusst, dass Barker mit Hellraiser seinen Roman The Hellbound Heart verfilmt hat. Bei näherer Beobachtung der Erzählstruktur, gerade im Vergleich zur bloßen Ausbeutung der Splatter-Effekte in den Fortsetzungen, leuchtet die Tatsache jedoch ein. Im Zusammenhang mit dieser Liste vermag ich gar nicht zu sagen, ob Pinhead oder der aus der Hölle zurückgekehrte, bluttropfende Frank das wahre Monster des Films ist. Sicher ist nur: Die Hellraiser-Filme sind nichts für schwache Nerven. Dass der erste Teil zunächst Sadomasochists from beyond the Grave heißen sollte, spricht dabei wohl Bände.

Trailer: Hellraiser (1987)

Platz 8: A Nightmare on Elm Street (1984) von Wes Craven

In einer Liste der besten MONSTERfilme kann nur ein Slasher das Rennen machen: Freddy Kruger. Mit knusprig gebackenem Körper und makabrer Krallenhand ist er optisch wie faktisch deutlich einschneidender als seine Arbeitskollegen Jason Voorhees (Freitag der 13.) und Michael Myers (Halloween). Außerdem ist für mich, als leidenschaftlicher Powernapper, die Vorstellung nicht mehr pennen zu können, weil im Traumland ein wahnsinniger Slasher auf mich wartet, unglaublich gruselig. In Träumen sind die Möglichkeiten der übernatürlichen Killer so viel imposanter. Blutfontänen im Doppelbett, blutige Teenager unter der Zimmerdecke – Diese Bilder aus Wes Cravens Meisterwerk bleiben in Erinnerung.

Platz 7: Evil Dead 2: Dead by Dawn (1987) von Sam Raimi

Natürlich müsste hier auch der erste Teil, The Evil Dead (1981), genannt werden. Doch Ashs zweiter Ausflug in die Kuschelhütte ist noch ekliger, lustiger und einfach wahnsinniger als sein Vorgänger. Besonders, weil er diesmal seine berühmte Kettensägen-Hand bekommt, die ihn auch in Armee der Finsternis wieder schmücken wird. Oder wie der komplett umbenannte deutsche Titel schon zu suggerieren scheint: Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt. Außerdem wurde auch erst im zweiten Teil das Buch des Bösen zu Ehren H.P. Lovecrafts von „Naturon Demonto“ in „Necronomicon Ex-Mortis“ umbenannt. Ein Schmankerl, das Raimis Film für Nerds zu einer Offenbarung macht. Einen Listenplatz verdient sich Evil Dead 2 durch seine unvergesslich eklig-matschigen Teufelszombies, die den Anteil an Slapstick-Gore in geschmacklose und damit kultige Höhen katapultieren.

Trailer: Evil Dead 2: Dead by Dawn (1987)

Platz 6: Gremlins (1984) von Joe Dante und Ryan Bellgardt

Viele Eltern machten damals den Fehler, ihre Sprösslinge ohne sonderliche Bedenken Gremlins schauen zu lassen. Sie hatten sich vom niedlichen Gizmo auf dem Plakat täuschen lassen und den Film gedanklich in die liebenswerte Horrorkomödien-Schublade gesteckt. Wer konnte denn ahnen, dass sich die niedlichen Mogwais in blutrünstige Gremlins verwandeln, wenn man sie nach Mitternacht füttert? Oder dass sie sich unkontrolliert vermehren, wenn sie in Kontakt mit Wasser kommen? Die dem Vampir nicht ganz unähnliche Mythologie der Gremlins (sie sterben auch in der Sonne) gehört definitiv zum Kultigsten, was die 80er im Bereich Monster zu bieten hatten. Für mich persönlich gehört der schrullige zweite Teil, Gremlins 2: The New Batch (1990), inklusive Spinnen- und Neunmalklug-Gremlin, ebenfalls zum Vermächtnis.

Platz 5: An American Werewolf in London (1981) von John Landis

Horrorfilme sind ja letztlich auch der Ausdruck und die Verarbeitung menschlicher Grundängste vor dem Unbekannten, der Dunkelheit und der eigenen Vergänglichkeit. Dabei sind auch Hässlichkeit, Krankheit und jede Form von körperlicher Veränderung (Body Horror) ganz vorne mit dabei. Sich unter großen Schmerzen bei Vollmond in einen Hybriden aus Mensch und Wolf zu verwandeln dürfte somit zur Königsklasse des Genres gehören und wurde in den 80ern nur selten so gut in Szene gesetzt wie in John Landis‘ American Werwolf. Zwar müsste unter den unzähligen Heulern der 80er zumindest auch The Howling (1981) von Joe Dante genannt werden, doch Davids Werwolf-Verwandlung zu fröhlicher Musik, auf dem Boden, krampfend, ist einfach legendär und passt perfekt zum schwarzen Humor des Films.

Platz 4: The Fly (1986) von David Cronenberg

Ihr habt nachts Alpträume von Jeff Goldblums Brusthaaren in Jurassic Park? Dann habt ihr ihn wohl in den 80ern als „Brundlefly“ verpasst! Ursprünglich auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von George Langelaan basierend, die 1957 im Playboy veröffentlicht wurde, hat David Cronenbergs Version des Stoffs glücklicherweise nicht mehr viel mit Kurt Neumanns eher ulkigem Film von 1958 gemein. Das tragische Teleportationsunglück, das menschliche und Fliegen-DNA verschmelzen lässt, bietet Cronenberg (seit Scanners und Videodrome Experte für “Body Horror“) die Steilvorlage für eine unfassbar eklige – weil maskenbildnerisch perfekt inszenierte – Verwandlung. Wenn Seth Brundle sich vor dem Spiegel die Fingernägel ausrupft, bekommt selbst Gregor Samsa Mitlied.

Platz 3: The Thing (1982) von John Carpenter

Wir nähern uns der Spitze der Liste und damit den Außerirdischen. Da darf natürlich das Remake eines Klassikers von 1951, Das Ding aus einer anderen Welt, nicht fehlen. Ich persönlich bin ja auch ein großer Fan der 2011 von Matthijs van Heijningen Jr. entworfenen Vorgeschichte zu The Thing. Doch nach wie vor ist natürlich John Carpenters Alien-Parasit „the real deal“. Was hier alles an handwerklichen Tricks und Workarounds benutzt wurde, um den sich ständig verändernden Gestaltwandler zum Leben zu erwecken, ist wirklich haarsträubend. Und manchmal auch witzig, wenn ich lese, dass dazu auch Materialien wie Mayonnaise oder Kaugummi aus der Mikrowelle Verwendung fanden. Wer auf diese Art von wirklich grotesken Monstern steht, dem sei Neill Blomkamps „Zygote“ aus den Oats Studios dringend empfohlen. Alpträume nicht ausgeschlossen.

Trailer: The Thing (1982)

Platz 2: Predator (1987) von John McTiernan

Wenn ihr wüsstet, wie der Predator ursprünglich aussehen sollte, würdet ihr euch schimmelig lachen.  Doch glücklicherweise gestaltete der legendäre Puppenbauer Stan Winston die Albernheit in den glorreichen Rasta-Jäger um, den wir heute kennen. Leider war Jean-Claude Van Damme, der ursprünglich das Monster spielen sollte, für den neuen Anzug zu klein und musste nach Hause fliegen. Oder „dem Allmächtigen sei Dank“, sollte ich wohl besser sagen. Kürzlich erfuhr der „abgrundtief hässliche“ Jäger mit dem fluoreszierenden Blut von Regisseur Shane Black ein Upgrade. Sollte er sich nicht mittels Armcomputer in die Luft jagen, wird er wohl auch in Zukunft noch häufig getarnt in Vorgärten abhängen und auf Opfer für seine Schulterkanone warten. Ich wär dabei.

Platz 1: Aliens (1986) von James Cameron

Es wird niemanden sonderlich überraschen den vom begnadeten Künstler HR Giger designten Xenomorph auf der Pole Position zu finden. Kaum ein Monster ist so wunderbar eklig wie das sabbernde und Säure-spuckende Alien aus dem Weltall, das aus deinem Bauch bricht, nachdem dich ein widerliches Spinnending gesichtsbesamt hat. Und was Ridley Scott 1979 an Bord der Nostromo begann, war James Cameron so nett, mit einer glorreichen Alien Queen zu erweitern. Seitdem ist das makabre Kabinett an Alien-Monstrositäten ständig erweitert worden und weiß uns auch nach all den Jahren immer noch mit vergnüglichem Terror zu unterhalten. Ein verdienter erster Platz.

Trailer: Aliens (1986)

Honorable Mentions:

Godzilla – Die Rückkehr des Monsters (1984) von Koji Hashimoto

Nach einigen Filmen, in denen die Echse ihre nette Seite zeigen durfte, war Godzilla hier wieder die U-Bahn-werfende und Häuser-einreißende Gefahr, die ihrer Urversion von 1954 am nächsten kam. Trotzdem schafft es der große Gummianzug inmitten von Papphäusern für mich nur in die HMs.

Critters (1986) von Stephen Herek

Sie wären ja fast niedlich, wenn sie nicht so blutrünstige Alles- und Jeden-Fresser wären. Früher wollte ich sogar ein Critter-Kuscheltier für mein Bett. Letztlich sind jedoch die Effekte, welche die Killer-Tribbles ermöglichten, den anderen in dieser Liste unterzuordnen.

Poltergeist (1982) von Tobe Hooper

Wie lange habe ich als Kind unter meinem Bett nach einem kichernden Kasper gesucht? Vielen Dank, Poltergeist. Doch weil sich die Monsterpower nicht auf ein einziges Wesen münzen lässt und über große Strecken des Films nur aus fliegenden Tassen und Stühlen besteht, rutscht Tobe Hoopers Beitrag zum Haunted House-Subgenre knapp an einem Listenplatz vorbei.

Was sind eure liebsten Retro-Monsterfilme aus dem VHS-Archiv? Hättet ihr gerne Lovecraft-Verfilmungen in der Liste gehabt? Zumindest die erfolgreicheren Versuche wie From Beyond (1986) von Stuart Gordon oder dessen schrägen Re-Animator von 1985? Seid ihr beleidigt, dass die Liste nicht aus zehn Godzilla-Filmen besteht? Kotzt euch bitte in den Kommentaren aus wie Brundlefly über das unglückliche Fußgelenk. Ouch.

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