Zwischen Bangen und Hoffen: Brauchen wir eine neue Buffy?

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FILM

Zwischen Bangen und Hoffen: Brauchen wir eine neue Buffy?


Sieben Jahre lang war sie die erste, die wir im Fall einer Apokalypse gerufen hätten: Buffy Summers, gespielt von Sarah Michelle Gellar. Bald soll eine neue Schauspielerin in ihre Fußstapfen treten. Horror-Serie oder Horror-Vorstellung?

In jeder Generation wird eine Jägerin geboren.

So begann im März 1997 Buffy the Vampire Slayer ihren Siegeszug durch die Popkultur. Joss Whedon – damals 33 Jahre alt und kaum bekannt – schrieb mit seiner TV-Serie um eine schlagfertige kalifornische Highschool-Schönheit, die im Schutz der Nacht Vampire und andere Monster zur Strecke brachte, TV-Geschichte. Buffy war die sechzehnjährige Blondine in einer Horror-Geschichte, die nicht gleich in den ersten dreißig Minuten schreiend zu Boden ging. Mit Witz, Verstand und Kraft rettete sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen um sich herum. Und hatte trotzdem mit ihren Teeanger-Ängsten zu kämpfen: Wie bekomme ich das mit der Schule auf die Reihe? Werde ich geliebt? Wann – und mit wem – hab ich das erste Mal Sex? Wo will ich mit meinem Leben hin?

Die Serie entwickelte sich über sieben Staffeln vom Geheimtipp zu einem weltweiten Phänomen. Obwohl sie nicht die erste Serie mit einer starken Heldin war, glauben viele US-amerikanische Fernsehgrößen, dass Buffy vielen nachfolgenden Serien – von Alias über Veronica Mars bis Supergirl – den Weg ebnete. Shonda Rhimes, Produzentin einiger der derzeit erfolgreichsten US-amerikanischen TV-Serien (Grey’s Anatomy, How to get away with murder), hat neulich verraten, dass sie durch das Bingen von Buffy das Fernsehen neu für sich entdeckte.

Manche Menschen beeindruckte die Serie so nachhaltig, dass Buffy, ihre Freunde und deren Welt auch heute noch, vierzehn Jahre nach dem Ende der Serie, in ihrem Alltag eine Rolle spielen. Einer dieser Menschen bin ich.

Ein von einem Buffyfan animiertes Intro für eine fiktive, nicht existente Buffy-Serienfortsetzung.

Und deshalb löste die vor Kurzem veröffentlichte Nachricht, Buffy the Vampire Slayer würde ein Reboot bekommen, sowohl Begeisterung als auch Entsetzen bei mir aus. Und damit bin ich nicht allein.

Reboot, Sequel oder Spin Off?

Buffy steht schon seit Jahren ganz oben auf der Liste der Serien, denen US-amerikanische Produzenten gern neues Leben einhauchen würden. Bisher nahm Whedon aufkeimenden Gerüchten immer schnell den Wind aus den Segeln. Am 20. Juli gab Rechteinhaber 20th Century Fox jedoch bekannt, dass man die Drehbuchautorin Monica Owusu-Breen (Alias, Fringe, Agents of S.H.I.E.L.D.) engagiert habe, das Drehbuch für ein potentielles »Reboot« zu schreiben und auch als Showrunner zu agieren. Whedon selbst sei ausführender Produzent und arbeite mit Owusu-Breen zusammen. Wie viel Einfluss er hat, ist jedoch unklar. Feststehen dürfte, dass er aufgrund von The Nevers, seiner eigenen anstehenden HBO-Serie, nur begrenzt Zeit hat.

Der Ankündigung zufolge soll die Neuauflage in der Gegenwart angesiedelt sein und sich mit den gesellschaftlichen Themen und Problemen unserer Zeit befassen. Wie das Original sollen die Monster, denen die Jägerin begegnet, metaphorisch gesehen werden. Zudem soll die Serie stark auf Diversity setzen. Für die Hauptrolle hält man nach einer schwarzen Schauspielerin Ausschau.

Nach dieser Ankündigung wurden im Internet Stimmen laut, die sich vehement gegen diese geplante Serie aussprachen; Gott sei Dank nicht wegen des letzten Punktes. Wenn überhaupt, wurde das erfreulicherweise positiv aufgenommen. Die Gegner der Idee stellten eher in Frage, inwiefern ein Reboot überhaupt sinnvoll und notwendig sei.

Es gibt nur eine Buffy Summers

Daraufhin setzte Monica Owusu-Breen einen Tweet ab, der bedeuten könnte, dass es sich bei der neuen Produktion gar nicht um ein Remake handelt, sondern um eine völlig neue Serie im gleichen Universum.

»Es gibt nur eine Buffy«, twittert sie. »Nur einen Xander, eine Willow (…). Sie können nicht ersetzt werden. Joss Whedons brillante, wunderschöne Serie kann nicht reproduziert werden. Ich werde das gar nicht versuchen. Aber hier sind wir, zwanzig Jahre später. Und die Welt scheint mir viel beängstigender geworden sein. Vielleicht ist die Zeit reif für eine neue Jägerin.«

Mehr darf sie noch nicht verraten. Nimmt man es genau, bestätigt Owusu-Breen nicht, dass es sich bei dem neuen Serienkonzept nicht um ein Remake handelt. Aber die Autorin weckt die Hoffnung.

Warum nicht einfach eine achte Staffel?

Warum aber eine neue Serie? Warum nicht – wie z. B. von Akte X oder Gilmore Girls vorgemacht – eine neue Staffel mit der alten Cast & Crew produzieren? Klar, die Vampirdarsteller sind in die Jahre gekommen und hätten vermutlich nicht mehr mit von der Party sein können. Aber eine Buffy in den 30ern, die versucht Beruf, Familie und Vampirjagd unter einen Hut zu bringen, unterstützt von ihrer lesbischen besten Hexenfreundin – das hätte doch Potential, oder?

An den Erfolg einer Kultserie anzuknüpfen ist beinahe unmöglich. Das jedenfalls erklärte Whedon vor gar nicht allzu langer Zeit dem Hollywood Reporter. Selbst wenn eine Neuauflage genau so gut sei wie das Original, fühle sich das nicht so an. Weil man diese Geschichte bereits durchlebt habe. »Und ein Teil dessen, was daran so großartig ist, ist die Tatsache, dass man sie eben zum ersten Mal erlebt. Man muss den Erwartungen gerecht werden und sich doch dem neuen Klima anpassen, was nicht leicht ist.«

Buffy the Vampire Slayer & Angel - A Tribute Trailer

Das Sehverhalten hat sich geändert

Denn auch die Serienlandschaft hat sich verändert. Für Monster-of-the-Week-Folgen haben die wesentlich kürzeren Staffeln, die inzwischen üblich sind, keinen Platz mehr. Trotzdem hoffe ich persönlich, dass die Produzenten nicht vergessen, dass die Stärken von Buffy immer die Entwicklung sämtlicher Charaktere und die geschliffenenen Dialoge waren. In Zeiten, in denen ein Großteil des Budgets vor allem in visuell atemberaubende Special Effects gepumpt wird, scheint das leider oft vergessen zu werden.

Owusu-Breen steht also vor mehreren Herausforderungen. Fachleute erwarten, dass sich Streamingplattformen, das Kabelfernsehen und traditionelle Sender gegenseitig überbieten werden, sobald die neue Serie zum Kauf angeboten wird. Dass die neue Buffy ein Goldesel sein könnte, steht außer Frage. Ebenfalls die Tatsache, dass das Buffyverse – das ja nicht nur sieben Staffeln Buffy und weitere fünf Staffeln Angel umspannt, sondern auch noch eine offizielle Comicfortsetzung – genug Potenzial für eine weitere Serie bietet. Die Schwierigkeit wird daher sein, aus den vielen Möglichkeiten, die sich bieten, die Richtige herauszusuchen.

Wieviel Vorwissen ist nötig? Wie viel ist sinnvoll? (Achtung: Spoiler!)

Schreibt sie eine Fortsetzung der ursprünglichen Serie? Und wenn ja, an welchem Punkt setzt sie an?

In der allerletzten Episode von Buffy gelang es der Titelheldin mit Hilfe der Hexe Willow, die Prämisse der Serie auf den Kopf zu stellen: Buffy teilte ihre übernatürlichen Kräfte mit allen potenziellen Jägerinnen weltweit. Sie war nicht mehr die einzige Jägerin. Sie war nicht mehr allein. Ist also die neue Jägerin eine von vielen? Erfahren wir in der neuen Serie, was aus Buffy & Co. wurde? Auffällig ist, dass sich die ehemaligen Schauspieler – anders etwa als die Darstellerinnen von Charmed – bisher zum Projekt nicht öffentlich geäußert haben.

Whedon hat seine Serie darüber hinaus noch offiziell als Comicserie fortgesetzt. Mehrere Staffeln sind erschienen – sowohl mit wenig überzeugenden, als auch mit großartigen Storyarcs. Sehr glaubhaft wurden dort eine Zeit lang die rebellische Jägerin Faith und Buffys ehemaliger Wächter Giles ein Team, das sich darauf spezialisierte, kriminell gewordene Jägerinnen zur Strecke zu bringen. Weniger überzeugend hingegen war etwa Spikes neues Zuhause: ein von riesigen Käfern gesteuertes Raumschiff aus einer anderen Dimension.

Die Zukunft der Jägerin

Ebenfalls in Comicform erzählte Whedon erstmals sehr überzeugend die Geschichte einer anderen Jägerin: FRAY, die Jägerin aus der Zukunft. Die achtteilige Miniserie ist so gut, dass ich immer noch hoffe, dass Hollywood diese Geschichte eines Tages als SciFi-Blockbuster verfilmt. In ihr hat Whedon zum ersten Mal überhaupt die Entstehungsgeschichte der Jägerin beleuchtet, ehe er seine Ideen in die TV-Serie mit integrierte.

Auch das wäre für Owusu-Breen denkbar: nur die Mythologie hinter Buffy aufgreifen und eine neue Serie entwickeln, die in keiner Weise etwas mit den Figuren und Handlungssträngen von Buffy the Vampire Slayer zu tun hätte.

Wenn ihr mich fragt, was ich mir wünsche, dann wäre es das: eine Serie, die dem Geist des Originals treu bleibt, aber eigene Wege beschreitet. Die die Mythologie der Jägerin weiter auslotet. Die zu ergründen versucht, was es heute, in der Post-Staffel 7-Welt bedeutet, eine Jägerin zu sein. Eine Jägerin unter vielen zu sein, könnte manche Dinge einfacher machen, andere aber erschweren. Eine Serie, die ihre Wurzeln nicht vergisst, sich aber nicht in ihnen verheddert. Und in der Sarah Michelle Gellar, Alyson Hannigan & Co. Gastauftritte oder Nebenrollen einnehmen, ohne dass der Fokus primär auf ihnen liegt.

Denn nicht nur in jeder, sondern auch für jede Generation gibt es eine Jägerin. Meine wird für immer Buffy Summers bleiben.

Fantrailer zu Buffy the Vampire Slayer (Achtung, Spoiler).

Aber ich bin sehr gespannt darauf, was ihre Nachfolgerin so alles drauf hat.  

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