10 Science-Fiction-Filme, die es nie auf die Leinwand schafften – Teil 2

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FILM

10 Science-Fiction-Filme, die es nie auf die Leinwand schafften – Teil 2


Peter Osteried
04.09.2018

Und weiter geht es mit Teil 2 unserer Liste aus Science-Fiction-Filmen, die leider (oder aus gutem Grund) nie verfilmt wurden. Hier sind Platz 5 bis 1. (Und wer Teil 1 verpasst hat, hier entlang!)

5. Starfleet Academy

Eine der interessantesten Ideen zu Star Trek entstand 1984, als Harve Bennett und sein Kollege Ralph Winter Probleme damit hatten, William Shatner für den vierten Teil der Filmreihe zu verpflichten. Das liebe Geld war natürlich mal wieder daran schuld, weswegen Winter mit einem Geistesblitz aufkam: Was wäre, wenn man die frühe Geschichte von Kirk und seinen Kameraden erzählen und zeigen würde, wie alles auf der Akademie der Sternenflotte begann? Die Idee war gut, doch Shatner und das Studio einigten sich, und so ging es mit einem „normalen“ Star Trek-Film weiter. Der Erfolg des vierten Teils machte einen fünften Film unumgänglich, wobei man angesichts des hohen Einspiels des Vorgängers nur zu gern bereit war, tief in die Tasche zu greifen. Gelohnt hat es sich jedoch nicht, da William Shatners Regiedebüt von einem großen Teil des Publikums einfach ignoriert wurde.

Danach war fraglich, ob man noch einen weiteren Film mit der alten Crew machen sollte, da allein die Kosten, das Ensemble vor der Kamera zu versammeln, schon horrend waren. Von Seiten Paramounts wollte man jedoch einen Film, der 1991 das 25-jährige Jubiläum von Star Trek feiern sollte. Harve Bennett hatte die perfekte Lösung: Der neueste Film sollte das Jugendabenteuer der Crew zeigen, wobei man lediglich ein oder zwei der alten Stars brauchte, um diese in einer kleinen Rahmenhandlung die eigentliche Geschichte einleiten zu lassen. Auf diese Art schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Film war einerseits auf Grund des neuen Casts günstig, andererseits erzählte man eine wichtige Geschichte der Star Trek-Historie. Eigentlich hätte jeder zufrieden sein müssen – mit Ausnahme der alten Recken natürlich, denn die sahen ihre Felle wegschwimmen. Walter Koenig und George Takei nutzten ihre Convention-Auftritte, um gegen den Film Stimmung zu machen, indem sie den falschen Eindruck erweckten, hier würde eine Star Trek-Variante der Police Academy entstehen. Der Aufschrei der Fans, noch angestachelt von Gene Roddenberry, der dem Projekt ablehnend gegenüberstand (zumindest solange, wie er nicht die neuen Schauspieler auswählen konnte), war gigantisch.

Walter Koenig versuchte darüber hinaus, weitere Initiative zu ergreifen. Er legte Paramount ein Treatment für die Geschichte des sechsten Kinofilms vor: Seine Geschichte In Flanders Fields war im Grunde die Synthese der Academy-Idee und eines würdevollen Abtritts der alten Helden. Koenig erzählte von einem gigantischen Krieg mit den Klingonen, dessentwegen Starfleet ihr Personal einem Tauglichkeitscheck unterzieht, den die alte Crew mit Ausnahme von Spock nicht besteht. Die Enterprise wird mit einer neuen Crew – darunter auch Spock – versehen und an die Front geschickt, wo sie verschwindet. Starfleet hat nun keine andere Wahl mehr, als Kirk und seine Brückenoffiziere ein letztes Mal zu versammeln und für die gute Sache kämpfen zu lassen. Sie finden heraus, dass die Crew der Enterprise von einer Spezies entführt wurde, die sich von Lebensenergie ernährt (und die, so Koenig, nicht aus Männern in Kostümen, sondern aus wahrlich bedrohlichen Kreaturen bestehen sollte). Die alte Crew eilt natürlich zur Rettung, in deren Verlauf Kirk, Scotty, Sulu, Chekov und Uhura den Tod finden – nur Spock und McCoy überleben. Alles endet mit den beiden, die mitgenommen, aber aufrecht das Schlachtfeld verlassen, während Flashbacks uns zeigen, dass sie ihrer Freunde gedenken.

Anders als Star Trek VI: Das unentdeckte Land, der mit einer sehr positiven Note endete, wäre ein Ende, wie Koenig es beabsichtigte, natürlich weitaus dramatischer, wenngleich auch trauriger gewesen. Letzten Endes ist und bleibt sie eine hervorragende Idee – ebenso wie die Geschichte der Starfleet Academy, die so ausgesehen hätte, dass Kirk, der in Iowa lebt, endlich erfährt, dass er an der Akademie angenommen wurde. Dort trifft er auf Spock, den ersten Vulkanier, der dort ausgebildet wird. In diesen frühen Jahren der Föderation, in denen hauptsächlich Menschen bei der Sternenflotte waren, hätte Spock natürlich mit Ressentiments zu kämpfen gehabt, in Kirk jedoch einen Verbündeten gefunden – und das, obwohl beide im Grunde Rivalen waren.

Harve Bennett, der selbst das Drehbuch schreiben wollte, wollte in dieser Geschichte, in der Kirk und seine späteren Enterprise-Kameraden gemeinsam die Welt retten müssen, auch zeigen, warum Kirk sich nie wirklich verlieben konnte. Denn genau das hätte man hier auch zu sehen bekommen: Kirks erste große Liebe. Die Handlung wäre so eingerahmt gewesen, dass der alte Kirk am Grab der Liebe seines Lebens steht und Spock zu ihm kommt. „Ich empfinde sehr tiefe Gefühle. Sie würden das nicht verstehen,“ meint Kirk, während Spock kontert: „Ich mag keine Gefühle haben, doch ich habe Erinnerungen. Beamen Sie uns hoch, Scotty!“.

Bennett wollte das vielleicht größte Abenteuer erzählen, das Star Trek jemals hätte bieten können. Ein Abenteuer, das mehr als nur große Action ist. Ein Abenteuer, das uns zeigt, wer die Personen Kirk, Spock und McCoy sind und warum sie sind, wer sie sind. Eine Tragödie, dass diese Geschichte nie verfilmt wurde.

10 Science-Fiction-Filme, die es nie auf die Leinwand schafften – Teil 1

© Interplay

4. John Carpenters Der Schrecken vom Amazonas

Eines der beliebtesten Sci-Fi-B-Pictures der 50er Jahre ist Jack Arnolds Der Schrecken vom Amazonas. Seinerzeit erlebte die tragische Gestalt des Gillman, des Kiemenmanns, noch zwei Fortsetzungen, doch seitdem war es ruhig um ihn geworden. Zu Beginn der 80er Jahre, als gerade die 3-D-Welle herrschte, versuchten John Landis als Produzent und Jack Arnold als Regisseur, ein Remake in die Wege zu leiten, das auch wieder in 3-D erstrahlen sollte. Das Projekt, für das bereits ein Drehbuch von Nigel Kneale existierte, trug jedoch keine Früchte.

Fast zehn Jahre später machte Universal John Carpenter das Angebot, eines ihrer alten Themen zu nehmen und ihm neuen Glanz zu verleihen. Seine Wahl fiel auf den Kiemenmann. Carpenter hatte damals große Ideen. Er wollte in seiner Geschichte viele unterschiedliche Elemente aufnehmen wie auch das Thema, dass der Kiemenmann das fehlende Glied zwischen Fisch und Mensch ist, wodurch er auch biblischen Glauben in Frage hätte stellen können. Zudem spielte er mit dem Gedanken, zu zeigen, dass der Kiemenmann nur Teil eines ganzen Volkes ist, das verborgen in den Tiefen des Amazonas lebt.

Für das Neudesign der Kreatur hatte er Rick Baker angeheuert, der jedoch die Auflage hatte, dass das kleine Biest, wie Arnold es immer liebevoll nannte, noch deutliche Ähnlichkeiten mit dem Original haben sollte, auch wenn man mit state of the art-Effekten hantierte. Für eine der interessanteren Nebenrollen hatte Carpenter John Agar ins Auge gefasst, der schon bei Die Rache des Ungeheuers, der ersten Fortsetzung 1955, mit dabei war. Wie so oft bei den Projekten von John Carpenter – und auch fast schon symptomatisch in Bezug auf den Schrecken vom Amazonas – zerschlug sich auch dieses Projekt wieder. 

3. A Trip to Mars

Eine der für den phantastischen Film fruchtbarsten Perioden aller Zeiten waren die 30er Jahre – ein Jahrzehnt, das von den bahnbrechenden Filmen der Universal Studios geprägt worden war. Die phantastischen Genres wurden auf nicht gerade unbedeutende Weise von James Whale bestimmt, der mit Frankenstein und Der Unsichtbare zwei der wichtigsten Klassiker jener Ära vorlegte.

Durch seine erfolgreichen Arbeiten gehörte er bei Universal zu den renommiertesten Regisseuren. Er schien der ideale Mann für ein Projekt zu sein, das Carl Laemmle Jr., für die Produktionsseite des Studios verantwortlich, 1932 begonnen hatte. Ausgang war eine 27-seitige Story von Harry Hoyt, der einst für die First National Pictures The Lost World inszeniert hatte. Mittlerweile war er bei Universal angekommen und machte sich Hoffnungen darauf, für A Trip to Mars das Drehbuch schreiben und vielleicht auf dem Regiestuhl Platz nehmen zu können.

Die Chance sollte er jedoch nicht erhalten, da ein derartig prestigeträchtiges und aufwändiges Projekt bei Whale in weit besseren Händen war. Immerhin hatte man es hier mit einer gigantischen Geschichte zu tun, in der seltsame halbmechanische Kreaturen gegen halbwegs intelligente Rieseninsekten kämpften – und dazwischen gefangen waren einige Menschen.

Im Verlauf der Vorproduktion wurden verschiedene Treatments entwickelt und ein Drehbuch angefertigt. 1933 erwies sich Whales Der Unsichtbare als gigantischer Triumph, und so kündigte man von Seiten Universals als nächstes Projekt des Regisseurs entweder A Trip to Mars oder eine Fortsetzung zu Frankenstein an.

Man entschied sich schließlich für A Trip to Mars, da dieser Stoff weitaus geeigneter war, dem phänomenalem Unsichtbaren zu folgen. Das Drehbuch war gegen Ende 1933 fast fertig gestellt, wobei Whale einige humorige Szenen einfügte. Eine der Änderungen betraf beispielsweise den Terrier eines der Menschen, der auf dem Mars ungewöhnlich intelligent wird und sprechen lernt. Kurz vor seinem Tod darf er noch einen letzten kernigen Spruch ablassen.

Danach verließ Whale das Land für zwei Monate. Als er wieder zurückkehrte, befand sich A Trip to Mars noch immer in Produktion, aber da die Stop-Motion-Effekte, die man für die Roboter- und Insektenwesen benutzen wollte, eine sehr lange Vorbereitungszeit erforderten, entschied man bei Universal, dass sich Whale noch eines anderen Films annehmen sollte. Whale begann schließlich mit der Arbeit an Frankensteins Braut, seinem besten Film. Danach, so sah es der Plan vor, hätte er an dem großen SF-Projekt weiterarbeiten sollen, doch dazu kam es nicht mehr. Hinter den Kulissen bei Universal gab es Veränderungen, und die Horrorfilme, die einstige Erfolgsgaranten waren, wurden zum Ende des Jahrzehnts hin durchgängig erfolgloser. Whale wandte sich, da das Projekt nicht weiterging, anderen Dingen zu, und bevor man sich versah, hatte die Universal-Ära der Phantastik geendet – und mit ihr war A Trip to Mars eines langsamen Todes gestorben.

2. The Disappearance

Eines Tages verschwinden alle Frauen. Auf der Erde leben nur noch Männer. Sie sind allein, vollkommen auf sich gestellt, doch die Frauen sind nicht wirklich weg. Sie befinden sich in einer Art dimensionalem Riss und leben auf „ihrer“ Erde, die bar jedes Mannes ist.

Von dieser Prämisse geht Philip Wylies Roman The Disappearance aus. Wylie hatte bereits die Romanvorlage für Der Jüngste Tag geschrieben, der von George Pal produziert worden war. Sein neuer Roman ging in eine ähnliche Richtung und war eine sozialkritische Betrachtung unserer Gesellschaft.

Kurz nach seiner Veröffentlichung wurde George Pal auf das Werk aufmerksam. Pal war von jeher an phantastischen Stoffen interessiert und als Regisseur, Produzent, Autor und Kameramann tätig. Sein bis heute wohl bekanntester Film ist Kampf der Welten, der 1953 in die Kinos kam und noch immer äußerst reizvoll ist.

Pal war von The Disappearance beeindruckt. Immerhin wurde hier konsequent fortgedacht, wie die Gesellschaft ohne eines seiner wichtigsten Teile aussehen würde. Männer können nicht ohne Frauen und Frauen nicht ohne Männer leben. Wylie zeigte in seinem Roman auf, dass in der Welt der Männer pure Anarchie ausbrechen würde. Mobs ziehen durch die Straßen und die Russen beginnen den dritten Weltkrieg. In der Welt der Frauen dagegen geht es weit harmonischer zu, doch da keine von ihnen je gelernt hat, wie man mit der Technik umgeht, sind sie dazu verdammt, ein einfaches Leben zu führen. Bemerkenswert ist – neben dem offen zur Schau getragenen Feminismus der Geschichte –, dass eine Vereinigung der Männer- und Frauenwelt durch einen Helden geschieht, der der Gewalt abschwört und sich dem Buddhismus zuwendet.

Damit brachte Wylie in seinen Roman Gedanken ein, die zu Beginn der 50er Jahre – schon bald sollten McCarthys Hexenjäger nach unamerikanischen Trieben suchen – ungewöhnlich waren.

Pal kaufte eine Option auf den Roman. Seinerzeit war er bei Paramount, doch dort wollte man dem Filmprojekt kein grünes Licht geben, da man vor der provozierenden Geschichte zurückschreckte. In den 50er Jahren gab es noch mehrere Versuche, das Projekt auf den Weg zu bringen, aber auch nachdem die Rechte zu MGM gewechselt waren, sah es dafür nicht gut aus. 1965 wurde er von Metro angekündigt, verschwand dann jedoch wieder. Pal brachte das Konzept zu CBS und wollte es in Form eines Fernsehfilms umsetzen, aber auch dieses Vorhaben scheiterte.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1980 plante Pal die Verfilmung von The Disappearance, einem Roman, der ihn nie wieder losgelassen hatte. Dem Regisseur war stets klar, dass dies sein bester Film geworden wäre, dessen Geschichte auch heute noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat und die nach wie vor eine ultimative Wahrheit ausspricht: „Männer und Frauen sind nur die eine Hälfte einer Einheit. Erst ihre gemeinsame Liebe macht sie zu etwas Ganzem.“

10 Science-Fiction-Filme, die es nie auf die Leinwand schafften – Teil 2

© Jododune/Snowfort Pictures

1. Jodorowsky’s Dune

Die meisten werden David Lynchs Version von Frank Herberts Dune – Der Wüstenplanet kennen, aber beinahe hätte es einen anderen, weit kühneren Film gegeben, der sich der Geschichte angenommen hätte: Alejandro Jodorowskys Dune. Wie nahe man daran kam, diesen Film zu sehen, beleuchtet die Dokumentation Jodorowsky’s Dune.

Mitte der 70er Jahre sollte der Film entstehen, man kam fast bis zum Drehstart, aber dann implodierte alles. Jodorowsky war eine ungewöhnliche Wahl für den Regieposten, sind seine Werke wie El Topo oder Holy Mountain doch alles andere als Massenware. Das war bei der Finanzierung auch eines der Probleme, denn angesichts eines Budgets von 9,5 Millionen Dollar benötigte man auch ein amerikanisches Studio, das einsteigen sollte. Man wandte sich – ungewöhnlicher ging es wohl kaum – an Disney, wo man durchaus Interesse hatte, aber an Jodorowsky zweifelte und zumindest einen zweiten Regisseur an Bord haben wollte. Daran scheiterte das Projekt letztlich.

Was hätte sein können, ist faszinierender als das, was ist. Jodorowsky hatte schon Salvador Dali für die Rolle des Kaisers verpflichtet, wollte die Musik von Pink Floyd gestalten lassen und hatte Orson Welles in einem seiner Lieblingsrestaurants aufgespürt, um ihm eine Rolle schmackhaft zu machen. Für die Konzeptzeichnungen holte man H. R. Giger und Moebius, während Dan O’Bannon an den Effekten tüftelte. Sie alle waren später an Alien beteiligt.

Jodorowsky hätte seinen Film weit von der Vorlage entfernt, er wollte ein Werk erschaffen, das den Zuschauer spüren lässt, wie ein Drogenrausch sich anfühlt, ohne dass man Drogen hätte nehmen müssen. Das massive Drehbuch wäre ein Film von mehr als zehnstündiger Laufzeit geworden, mit Sequenzen, die Herbert-Jünger wohl verstört hätten (u.a. einer Massendarmentleerung als Zeichen der Verachtung).

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