Die besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten: Mission to Mars & Red Planet (2000)

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Die besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten? Heute im Visier: Mission to Mars & Red Planet (2000)


Bereits 15 Jahre vor dem »Marsianer« lud der Mars im Doppelpack ins Kino. »Mission to Mars« und »Red Planet«. Beide floppten an der Kinokasse. Phillip P. Peterson über die beiden Filme, die dem Thema Mars den Ruf eines Kinokassengifts eintrugen.

Trailer: Mission to Mars

War Hollywood zwei Jahre zuvor mit »Armageddon« und »Deep Impact« noch im Asteroidenfieber gewesen, so erschienen im Jahre 2000 gleich zwei große Produktionen, die sich mit dem Thema einer bemannten Mission zum Mars beschäftigten.

Bei beiden Filmen hat man auf wissenschaftliche Genauigkeit keinen Wert gelegt, aber beschäftigen wir uns doch zunächst einmal mit »Mission to Mars«. Der Kontakt zur ersten bemannten Marsmission bricht überraschend ab, und eilig wird eine Rettungsmission auf die Beine gestellt, die nun auf dem Weg zum Mars und später auf dem Roten Planeten jede Menge Ungemach erleben muss. Obwohl der Film sich durch die Verwendung von NASA-Plänen einen realistischen Anstrich verpasst hat, bleibt davon bei näherer Betrachtung nichts mehr übrig. Ein typisches Beispiel ist die Sequenz, in der die Astronauten das havarierte Raumschiff nach der Ankunft im Marsorbit verlassen müssen und in ihren Raumanzügen ein Versorgungsmodul in der Umlaufbahn erreichen wollen. Das funktioniert nicht. Zum einen bewegen sich von der Erde eintreffende Flugkörper in völlig anderen Umlaufbahnen als in einem Orbit befindliche. Mit Raumanzügen ein solches Manöver zu vollbringen, ist schlichtweg unmöglich. Und es geht munter weiter: Einer der Astronauten rutscht vom Orbitalmodul ab und droht, wenige hundert Meter weiter in die Marsatmosphäre einzutreten. Au weia! Um einen stabilen Parkorbit zu verlassen, braucht es schon etwas mehr als ein paar Meter pro Sekunde Differenzgeschwindigkeit. Dann öffnet der Unglückliche seinen Raumhelm, um den Rest der Crew davon abzuhalten, ihm zu folgen. Schlagartig gefriert sein Kopf zu einem Eisklotz. Das ist genauso ein Unsinn wie die explodierenden Menschen in »Outland – Planet der Verdammten«. Der Körper kann seine Wärme im Vakuum nur über Strahlung abgeben, und das dauert sehr lange. Der Betroffene wird zunächst ohnmächtig und dann erstickt er, ganz schlicht und einfach, auch wenn das wegen des Druckunterschiedes im Vakuum schneller geht als unter Wasser. Dann kommt der Höhepunkt: Die Astronauten schaffen es, mit dem Orbitalmodul auf dem Mars zu landen. Genauso gut könnte man versuchen, die Internationale Raumstation ISS auf der Erde aufzusetzen. Wird wenigstens gezeigt, wie das Kunststück gelingt? Nein, natürlich nicht. Die Astronauten sieht man beim Einstieg in das Orbitalmodul. Die Szene wechselt dann zur Bodenkontrolle.

»Das Orbitalmodul ist auf dem Mars gelandet. Das kann doch nicht sein!«, sagt der eine.

»McConnell! Er ist der einzige, der das fertigbringt!«, antwortet der Chef.

Szenenwechsel: Drei Astronauten stehen auf dem Mars.

Und so geht das durch den ganzen Streifen.

Mission to Mars

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Irrflug ins All

Natürlich sind Science-Fiction-Filme in den seltensten Fällen Lehrvideos, und das sollen sie auch nicht sein. Kino kann - und soll - sich künstlerische Freiheiten nehmen, um etwas besser und spannender erzählen zu können. Bei »Gravity« hat das zum Beispiel gut funktioniert. Aber von einem ernst gemeinten Film, der eine Mission mit heutiger Technik zum Mars erzählt, darf man erwarten, dass die Drehbuchschreiberlinge zumindest die Grundlagen verstanden haben.

Wenn ein Fernsehzuschauer einen »Tatort« sieht, erwartet er schließlich auch, dass der Drehbuchautor den Unterschied zwischen einem Messer und einer Pistole verstanden hat. Dann will man nicht Sätze hören wie z.B. »Das Opfer wurde erschossen. Die Klinge, die das verursacht hat, war dreizehn Zentimeter lang.«

Man könnte aber noch damit leben, wenn der Film wenigstens von den anderen Elementen her spannend und sehenswert wäre. Ich selbst hatte sogar Spaß an »Starflight One - Irrflug ins All«, und der hat die Physik nicht nur niedergeschlagen, sondern sie auch noch mit Füßen getreten, als sie schon am Boden lag. Bei »Mission to Mars« lasse ich es nicht durchgehen, denn der Rest ist genauso schlecht.

Das Drehbuch ist insgesamt katastrophal. Das zeigt sich schon am Anfang des Films. In Szene eins sind wir auf der Abschiedsfeier der ersten Marsbesatzung. Schnitt. Und dann sind wir mit der Mannschaft auf dem Mars. Bitte? War der Flug zum Mars nicht interessant, vom Start mal ganz abgesehen? War die Abschiedsszene auf der Erde wirklich spannender als die Landung der Besatzung auf dem Mars und die ersten Schritte eines Menschen auf dem Roten Planeten? Man hat den Eindruck, der Film drückt sich um alle Momente, die wirklich aufregend sein könnten, um sich andere, vermeintliche Highlights einfallen zu lassen, die dann gekünstelt wirken. Da muss stattdessen ein schnell zu lösendes Problem mit einem Mikrometeoriten herhalten.

Red Planet

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Grottenschlecht animierte Außerirdische

So ist der Film ein Stückwerk von kleinen und größeren auf dem Reißbrett entstandenen Krisen, die sich wie Rosinen in den Teig der ausgedünnten Rahmenhandlung ausnehmen. Die ist auch nicht viel besser und führt uns am Ende in ein abgeschmacktes und kitschiges Zusammentreffen mit grottig animierten Außerirdischen. Für den ganzen Unsinn nimmt sich der Streifen dann auch viel zu ernst. Humor gibt es nicht, bis auf ein paar Dialogzoten, die mit Fingerspitzengefühl an den falschen Stellen platziert sind.

Die Schauspieler sind allesamt Top-Akteure. Ich mochte Tim Robbins in »Die Verurteilten«. Ich bewunderte Connie Nielsen in »Gladiator« und Don Cheadle überzeugte in »Hotel Ruanda«. Aber sie spielen vergeblich gegen das bescheuerte Drehbuch an und verlieren durch die schwachsinnigen Szenen und lächerlichen Dialoge in Rekordzeit jede Glaubwürdigkeit.

Gibt es überhaupt etwas Positives zu sagen? Ja, die Sets sind recht gelungen. Beim Design der Raumschiffe hat man sich eng an Entwürfe der NASA und an Studien des damaligen »Mars Direct«-Projektes gehalten. Die Spezialeffekte sind teilweise gar nicht so schlecht. Sie bewegen sich auf einem guten Niveau der späten Neunziger.

Vielleicht hätte man aus dem Film etwas machen können, aber dazu hätte es anderer Drehbuchautoren bedurft. Wie Brian de Palma, der immerhin Meisterwerke wie »Scarface« auf die Leinwand gebracht hat, einen solch grottigen Film verzapfen konnte, will mir nicht in den Kopf.

Red Planet

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Der Mars als Kassengift

»Red Planet« startete dann einige Monate später in den Kinos. Die Studiobosse zitterten schon, denn »Mission to Mars« war in der Tat ein Flop gewesen. Sie befürchteten, dass die Zuschauer bereits den Kanal von Marsfilmen voll hatten. Und das sollte sich als wahr erweisen, denn »Red Planet« war im Kino ebenso ein Flop. Bei 80 Mio. Dollar Produktionskosten flossen gerade mal etwas mehr als 30 Mio. Dollar zurück, was dem Thema »Mars« für die nächsten fünfzehn Jahre den Ruf eines Kassengifts einbrachte.

Gegenüber »Mission to Mars« ist bei »Red Planet« die Vorgeschichte etwas anders, da man bereits zum Zweck der Terraformung Sonden mit Algen zum Mars geschickt hat. Damit sollte die Atmosphäre atembar gemacht werden, was aber offenbar nicht gelungen ist. Die Besatzung von Mars One hat nun die Aufgabe, herauszufinden, was schiefgelaufen ist.

Wer ein wissenschaftlich korrektes Drehbuch mit realistischer Handlung erwartet, dürfte ähnlich wie bei »Mission to Mars« enttäuscht werden. Ein Sonnensturm, der an die unsäglichen Ionenstürme bei Star Trek erinnert, verwandelt das Schiff in einen Trümmerhaufen. Kommandantin Bowman versucht allein (!), das Chaos zu reparieren. Die restlichen Crewmitglieder, darunter Val Kilmer als Bordingenieur Gallagher, begeben sich auf die Planetenoberfläche, wo sie sich, ähnlich wie in »Mission to Mars«, erst mal auf die Suche nach ihrem Habitat machen müssen. Einer nach dem anderen wird nach dem Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzip dahingerafft, sei es von Amok laufenden Robotern, Unfällen oder mutierten Killerinsekten.

Es schadet nicht, den Streifen weiterhin mit »Mission to Mars« zu vergleichen. Ich sage frei heraus, dass ich »Red Planet« besser fand. Das liegt daran, dass der Film gar nicht erst versucht, wissenschaftlich korrekt zu sein, und sich selbst auch nicht so ernst nimmt. Man muss sich nicht permanent für das Drehbuch, die Dialoge oder die Schauspieler fremdschämen, denn obwohl »Red Planet« wahrlich kein Meisterwerk ist, kann man sich dennoch an einem verregneten Sonntagnachmittag damit nett amüsieren.

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