10 Science-Fiction-Filme, die es nie auf die Leinwand schafften – Teil 1

© CchrisS, fraungun, Clker-Free-Vector-Images - pixybay

FILM

10 Science-Fiction-Filme, die es nie auf die Leinwand schafften – Teil 1


Peter Osteried
27.08.2018

Science-Fiction-Filme kommen und gehen – und manche schaffen es nie über das Stadium einer guten Idee hinaus. Bei einigen ist es direkt schade, dass sie niemals Wirklichkeit wurden. Wir präsentieren: Zehn Science-Fiction-Filme, die nie produziert wurden (Platz 10 bis 6). 

10. The Adventures of Fartman

Weit skurriler, als die meisten Comic-Helden es je sein könnten, gestaltet sich der Superheld Fartman, der – um es mit den Worten von William Wallace zu sagen – die Schurken mit Feuer aus seinem Arsch straft. Erfinder des kultigen Fartman ist niemand Geringeres als Howard Stern, der in den USA durch seine provokanten Radiosendungen berühmt-berüchtigt wurde. The Adventures of Fartman hätte sein Filmdebüt werden sollen, nachdem der Charakter, der eine Klobrille anstelle eines Capes um den Hals trägt, bereits im Fernsehen seinen Einstand gegeben hatte. Als produzierendes Studio war New Line Cinema ausersehen, doch über das Drehbuchstadium, übrigens von Pretty Woman-Autor Jonathan Lawton geschrieben, kam dieses epochale Abenteuer nie hinaus.

Warum dem so ist, ist schnell erklärt: Nichts zählt in Hollywood mehr als das liebe Geld. New Line Cinema witterte in dem Fartman-Stoff einen Hit, wollte jedoch über die Auswertungsrechte für Merchandising zu dieser Figur verfügen und bot Stern lediglich fünf Prozent Beteiligung an. Stern lehnte dieses „großzügige“ Angebot ab, und der Film, den er noch dazu auf ein R-Rating trimmen wollte, während das Studio lieber ein kinderfreundliches PG-13 gesehen hätte, starb einen schnellen Tod.

Die Abenteuer des Fartman, der in der bezeichnenden Eröffnungssequenz eine Nutte rettet, die ihm dafür eine Gratisnummer anbietet, sich jedoch als Transvestit herausstellt, hätte großes Trash-Kino par excellence werden können. 

10 Science-Fiction-Filme, die es nie auf die Leinwand schafften – Teil 1

© Howard Stern

9. James Camerons Spider-Man

Carolco erwarb 1991 die Lizenzrechte für Spider-Man. Man hielt sie bis 1996. Das ließ genug Zeit, um mit der Produktion von Spider-Man zu beginnen. James Cameron, der Zeit seines Lebens ein Comic-Fan war und schon immer davon geträumt hatte, Spider-Man auf die Leinwand zu bringen, traf sich 1991 mit Stan Lee und tauschte erste Ideen aus. Lee, Schöpfer von Spider-Man und zahlreichen anderen Helden, war von Cameron schlichtweg begeistert. Der Regisseur verfasste ein 57 Seiten umfassendes Treatment, das auch schon komplett entwickelte Szenen enthielt. Im August des Jahres 1993 war es fertig – und abermals gab es Lob von Stan Lee.

In Camerons Version wird der 17-jährige Peter Parker von einer Spinne gebissen und bemerkt nicht gleich, dass er ihre Kräfte erhalten hat. Als er eines Nachts träumt, eine Spinne zu sein, findet er sich, als er erwacht, auf der Spitze eines Hochhauses wieder. Cameron entwickelte auch die Idee von organischen Web-Shootern, die später Sam Raimi aufgriff und beibehielt. Nachdem Peter von der Spinne gebissen wurde, beginnt er als Spider-Man nicht mit seinen Abenteuern, sondern mit kleinen Kunststücken, um Geld zu verdienen. Erst als sein Onkel getötet wird, wird er zum maskierten Vigilanten. Als Schurke hatte Cameron Carlton Strand auserkoren – Electro –, der mit seinen Elektrizität kontrollierenden Kräften zum millionenschweren Tycoon aufgestiegen ist. Strand will Spider-Man rekrutieren, erhält jedoch eine Abfuhr, weswegen er es aussehen lässt, als wäre der Wandkrabbler für einen Mord verantwortlich. Erst am Ende, als Spider-Man sich Electro auf dem World Trade Center stellt, kann er seine Unschuld beweisen.

Cameron wollte in seine Geschichte auch gleich zwei Superschurken einbringen, da er mit dem Sandman noch einen Handlanger für Strand parat hatte.

1995 war Cameron sicher, dass Spider-Man sein nächstes Projekt sein würde. Nach einigen Flops hatte Carolco der Konkurs ereilt, weswegen sie ihre Rechte an verschiedenen Filmen, darunter Spider-Man, an MGM verkauften. Im selben Jahr, 1996, klagten die ebenfalls vom Konkurs bedrohten Marvel Comics, um die Rechte an Spider-Man zurückzubekommen, da sie nun ein Vielfaches von dem wert waren, was die Firma Mitte der 80er Jahre bekommen hatte. Was folgte, war ein sich drei Jahre hinziehender Rechtsstreit, den Marvel gewann. Wenig später handelte man mit Columbia TriStar einen neuen Deal aus. Zu jener Zeit hatte Cameron jedoch das Interesse an dem Projekt verloren.

8. Superman Lives

Als Time Warner den Verlag DC Comics schluckte, musste man feststellen, dass die Filmrechte an dem Mann aus Stahl nicht länger beim Verlag lagen. Darum machte man 1993 den Salkinds, den Rechteinhabern und Produzenten der ersten Superman-Filme, ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnten. Wenig später kündigte Warner Superman: The New Movie an, mit dem das Franchise auf die Leinwand zurückkehren sollte. Bei Warner, wo man mit den Batman-Filmen große Erfolge gefeiert hatte, hätte es aber wohl niemand für möglich gehalten, dass man über fünf Jahre hinweg mehrere Autoren verschleißen und mehr als 30 Millionen Dollar verjubeln würde, ohne einem fertigen Film auch nur nahezukommen.

Nachdem die Comic-Geschichte um den Tod und die Wiederauferstehung von Superman weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, wollte man bei Warner eben dieses Ereignis nehmen, um es zur Basis eines neuen Films zu machen. Batman-Produzent Jon Peters wurde angeheuert, um Superman das Fliegen beizubringen. Jonathan Lemkin war der erste Autor, der sich am Stählernen versuchen sollte – mit wenig Erfolg. Die Geschichte um Supermans Lebenskraft, die nach seinem Tod auf Lois Lane überspringt, die daraufhin unbefleckt schwanger wird und einen Sohn zur Welt bringt, der innerhalb weniger Wochen zum neuen Mann aus Stahl wird, war – gelinde gesagt – hanebüchen. Darum brachte man Gregory Proirier ins Spiel, der seine eigene Geschichte um Supermans Tod ersann und den Schurken Brainiac in die Gleichung aufnahm. Mit dem fertigen Skript ging man schließlich zu Kevin Smith, seines Zeichens Autor und Regisseur, vor allem jedoch Comic-Liebhaber. Er hasste das Drehbuch, was die Verantwortlichen bei Warner zum Nachdenken brachte. Wenn ein Comic-Fan nichts damit anfangen konnte, konnte es nichts taugen. Darum heuerte man Smith an, um ein neues Drehbuch zu schreiben, wobei er einige Vorgaben erhielt, was in der Geschichte zu finden sein sollte, darunter Supermans Tod und Brainiac. Smiths Geschichte lebt von In-Jokes, ist für Comic-Fans ein Quell der Freude und brachte noch dazu einen Gastauftritt von Batman mit sich. Lex Luthor und Brainiac fanden sich in der Schurkenrolle, abgerundet wurde das Ganze durch den Brainiac-Sidekick L-Ron und den aus den Comics bekannten Eradicator.

Auftritt Tim Burton. Burton hatte mit Mars Attacks einen Flop gelandet und brauchte wieder einen Hit, Superman schien der ideale Stoff für ihn zu sein. Burton mochte Smiths Drehbuch nicht, weigerte sich gar, mit dem Autor überhaupt darüber zu sprechen, und brachte seinen eigenen Schreiberling – Wesley Strick – zu dem Projekt. Smith war raus, und es begann alles von vorn. Zusammen mit Burton kam auch Nicolas Cage, der die Hauptrolle übernehmen wollte. Crux des ganzen Projekts war, dass Burton und Cage Pay-or-Play-Deals hatten, d. h. sie erhielten ihre Gage von 5 bzw. 20 Millionen, auch wenn der Film nicht zustande kam.

Strick begann wieder von vorne, brachte mit K, dem Geist von Krypton, eine Art Tinkerbell ein und sorgte dafür, dass Brainiac von Supermans Vater Jor-El erschaffen wurde. Zahlreiche Produktionszeichnungen und Skizzen wurden angefertigt, Leute angeheuert, doch das Projekt ging nicht voran. Und dann kam Batman und Robin, der für Warners Verhältnisse ein gewaltiger Flop war. Plötzlich dachte man noch einmal darüber nach, ob man in einen Superman-Film 120 bis 150 Millionen Dollar pumpen sollte. Die Arbeiten am Drehbuch – mittlerweile hatte sich der Titel von Superman Lives zu Superman Reborn geändert – gingen weiter, als man sich entschied, ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen. Das Projekt wurde auf Eis gelegt, Burton und Cage ausbezahlt. 

Nicholas Cage as Superman

7. Isaac Asimovs Foundation

Isaac Asimov ist der vielleicht größte Schriftsteller im Science-Fiction-Genre. Er hat in seinem langen Leben Hunderte von Romanen und Geschichten geschrieben, doch kaum eine war bisher die Grundlage eines Films.

Der Autor selbst hatte nie besonderes Interesse, ein Drehbuch zu seinen eigenen Romanen zu schreiben. Er war stets der Meinung, dass sein Metier der Roman war und für das Schreiben eines Drehbuchs andere Stärken gefragt waren.

Für Filmemacher von besonderem Interesse war stets Asimovs Foundation-Trilogie, die sein wichtigstes Werk darstellt. Michael Phillips kaufte in den späten 70er Jahren die Rechte daran.

Phillips erlebte jedoch einige finanzielle Niederlagen, sodass er sich schließlich eingestehen musste, dass ihm die Möglichkeiten fehlten, eine Verfilmung der Foundation-Trilogie in Angriff zu nehmen.

Lange Zeit wurde es um das Projekt still, doch 1994, zwei Jahre nach Asimovs Tod, kaufte TriStar die Rechte an der Trilogie. Zwei Jahre beschäftigte man sich damit, diesen Film zu produzieren, doch das Ergebnis ließ auf sich warten. Die Produktion kam nicht in die Gänge, und die Rechte an dem Stoff wechselten 1996 zu New Line Cinema. Mittlerweile wird für Amazon an einer neuen Verfilmung in Serienform gearbeitet.

6. Roger Rabbit 2

1988 war Falsches Spiel mit Roger Rabbit einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Der Steven-Spielberg-Produktion gelang es darüber hinaus, den Animationsfilm zu neuen Höhen zu führen und ihm letztendlich auch einen wiederbelebenden Stupser zu verpassen.

Der gute alte Roger wurde in den folgenden Jahren noch in ein paar Kurzfilmen eingesetzt, die als Vorfilme für Werke wie Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft genutzt wurden. Darüber hinaus wartete die weltweite Fangemeinde des quirligen Hasen jedoch weiterhin auf ein Sequel, an dessen Drehbuch zwar gearbeitet, dessen Verfilmung jedoch nie in Angriff genommen wurde.

Gab sich das Original wie eine Detektivgeschichte, so sollte die Fortsetzung ganz andere Töne anschlagen: Roger Rabbit zog in den Krieg!

Roger Rabbit 2: The Toon Platoon wäre ein Prequel gewesen. Die Geschichte spielt 1941. Der junge Roger Rabbit, der als Findelkind bei einer menschlichen Familie aufwuchs, hielt sich bis zu seinem 18. Geburtstag selbst für einen Menschen. Nun jedoch weiß er, dass er ein Toon ist. Mit seinem menschlichen Bruder Richie sucht er nach seinem Vater und trifft auf die liebliche Jessica. Diese versucht sich an einer Hollywood-Karriere, wird jedoch von den Nazis entführt und gezwungen, Propaganda für das Dritte Reich zu machen. Roger und Richie entschließen sich, Jessica zu retten, auch wenn sie dafür tief in Feindesland vorstoßen müssen.

Das Ende hätte übrigens noch Roger Rabbits Vater enthüllt, der niemand anderes als Bugs Bunny ist. Ja, das Karnickel, das Elmer Fudd und Daffy Duck des Öfteren zur Verzweiflung getrieben hat, ist kein gar so toller Kerl, hat er doch einfach sein Kind ausgesetzt.

Das Drehbuch stammte von Nat Mauldin, der aus der Idee eine spritzige, aber auch bissige Kriegskomödie gemacht hat. Auch dies mag ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Roger Rabbits zweiter filmischer Einsatz im Sande verlief – nicht ganz verwunderlich, mutet es doch kühn an, eine Komödie mit toonischen Nazi-Schergen zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs anzusiedeln.

Ein anderer, nicht zu unterschätzender Faktor für das Nichtzustandekommen dieses Films waren die verschiedenen Eigentümer von Roger Rabbit. Die Idee für den ersten Film entstand ursprünglich bei Disney, wo man bereits Anfang der 80er mit dem Konzept herumspielte, aber erst als Steven Spielberg involviert wurde, nahm die Produktion Fahrt auf. Da die meisten der in diesem Film vorkommenden Toons im Besitz von Warner Bros. waren, war es nur logisch, dass dieses Studio an dem Film beteiligt wurde und natürlich einen Teil von Roger Rabbit besitzt. In den Jahren nach dem Erfolg des Erstlings lag es wohl vor allem an den unterschiedlichen Auffassungen von Disney und Warner, die beide verschiedene Ansatzpunkte hatten, an den Hasen heranzugehen, sodass man letztendlich zu keiner Einigung gelangte. Der Verlierer ist dabei nicht nur Roger Rabbit, sondern auch das Publikum.

Share:   Facebook