Die besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten: Deep Impact & Armageddon – Das jüngste Gericht (1998)

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Die besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten: Deep Impact & Armageddon (1998)


Im Jahre 1998 schien die größte Gefahr für die Menschheit ein herannahender Brocken aus dem All zu sein. Während »Deep Impact« sich an einer realistischen Beschreibung der Gefahr und ihrer Begegnung versuchte, war Michael Bays Actionblockbuster »Armageddon« krawalliges Popcornkino. Phillip P. Peterson über den Sommer der Asteroiden und Kometen.

Trailer: Armageddon

1998 war das Hollywood-Jahr der Asteroidenkatastrophenfilme. Während »Armageddon« ein weitestgehend hirnfreies Actionspektakel ist, hat sich Regisseurin Mimi Leder ihrem Film »Deep Impact« mit einem deutlich realistischeren Ansatz genähert. Die Prämisse beider Filme ist sich dabei sehr ähnlich: Ein auf die Erde zurasender Asteroid wird entdeckt, und in Panik versucht man, eine Weltraummission auf die Beine zu stellen, um den kosmischen Brocken mit Atombomben von seiner Bahn abzubringen.

Deep Impact: glaubwürdig und spannend

Befassen wir uns zunächst mit »Deep Impact«. Wir erleben verschiedene Charaktere, darunter den Schüler Leo (Elijah Wood), der den Asteroiden mit seinem Teleskop entdeckt hat. Dem steht dank eines Auswahlverfahrens der Regierung einer der wenigen Plätze in den unterirdischen Bunkern zu, aber der Familie seiner Freundin nicht. Einen großen Raum nimmt auch die Crew des Raumschiffes Messiah rund um Haudegen Tanner (Robert Duvall) ein, und wir beobachten die TV-Reporterin Jenny (Tea Leonie) dabei, wie sie für ihren Sender über alle Aspekte des drohenden Einschlages berichtet. Damit folgt der Film dem Grundkonzept der großen Katastrophenfilme aus den Siebzigern (»Erdbeben«, »Flammendes Inferno« usw.), bei der die Handlung aus der Sichtweise unterschiedlicher Personen gezeigt wird. Im Großen und Ganzen geht das Schema auf und der Film ist über weite Strecken glaubwürdig und spannend, auch wenn der Mittelteil einige Längen aufweist. Die Mission der Messiah und die Atmosphäre des drohenden Einschlags hat die Regisseurin sehr gut hingekriegt.

Deep Impact

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Eugene Shoemaker als Berater

Die Spezialeffekte sind für das Ende der Neunziger beachtlich und auch die emotionale Musik von James Horner trägt zu der dramatischen Atmosphäre bei. Die Schauspielerleistungen sind durchweg gut, besonders Robert Duvall überzeugt als alternder Mondspaziergänger, der mit seiner jungen Crew anfangs nicht sonderlich zurechtkommt. Als Astronauten sehen wir auch Jon Favreau, der sich vor seinem Regieerfolg mit »Iron Man« als Schauspieler versuchte.

Zu Beginn der Produktion stand noch der legendäre Kometenforscher Eugene Shoemaker als Berater zur Verfügung, bevor er – ganz wie sein Astronomenkollege im Film - bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Es war übrigens auch der letzte Film des deutschen Kameramanns Dietrich Lohmann, der noch vor Erscheinen seinem Krebsleiden erlag.

Alles in allem ist »Deep Impact« ein solide gemachter Katastrophen- und Weltraumthriller, der trotz seiner Längen sehenswert ist.

Armageddon - Das jüngste Gericht

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Armageddon: Flach und überzogen

Nur zwei Monate später startete dann auch »Armageddon« in den Kinos. Im Gegensatz zum ersten Film hat nun Logik und Wissenschaft im Drehbuch keine Bedeutung. Die Asteroidenkulisse wird lediglich als Vehikel für ein markiges, actiongeladenes Spezialeffektgewitter genutzt.

Ein ziemlich eindrucksvolles Staraufgebot hat Michael Bay in seinen Film gelockt, was einerseits natürlich die Schauwerte erhöht, was man sich aber andererseits bei den flachen und überzogenen Figuren auch hätte sparen können. Einzig Billy Bob Thornton als NASA-Chef schafft es, eine gewisse Größe zu transportieren. Ansonsten wird von den kernigen Ölarbeitern, die ein Loch in den herannahenden Asteroiden bohren sollen, gekalauert und geflucht, dass man am liebsten den Ton abschalten und zur Untermalung stattdessen eine Heavy-Metal-CD einlegen würde. Die Dialoge haben eh keine Relevanz, sodass man nichts verpasst. Auf Logikfehler brauche ich hier nicht einzugehen, denn die interessieren bei dem absurden Geschehen sowieso nicht.

Trotz meiner harschen Kritik muss ich zugeben, dass mich der Film unterhalten hat. Michael Bay gelingt es wie keinem anderen, Militär- und Raumfahrtgerät romantisch zu inszenieren und dem Zuschauer Actionszenen im Dauerfeuer um die Ohren zu hauen, ganz gleich, ob sie Sinn ergeben oder nicht. Die zweieinhalb Stunden vergehen wie im Flug und man hat sich irgendwie dann doch prächtig amüsiert. Denkt man über den Film anschließend noch nach? Nein, natürlich nicht.

Als Fazit kann man sagen, dass »Deep Impact« der realistischere und »Armageddon« der Unterhaltsamere der beiden Filme ist.

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