Die 10 besten Metafilme für Nerds

© Universal Pictures

Ready Player One jongliert mit Easter Eggs, Deadpool durchbricht die vierte Wand und wir Nerds sind vor Freude aus dem Häuschen. Die folgenden 10 Filme sollte jeder Fan der Popkultur, aka „Nerd“, gesehen haben.

Diese Liste könnte auch heißen „10 Filme für Ready Player One-Fans, die von Popkultur-Verweisen nicht genug bekommen können“. Aber das hätte kaum in die Überschrift gepasst und es macht viel mehr Spaß ein prätentiöses Wort wie „meta“ zu benutzen.

Da wir hier unter uns sind, müsste ich eigentlich niemandes Intelligenz beleidigen, indem ich erkläre, was ich mit „meta“ meine. Ich tue es trotzdem, um klar zu machen, wie ich den Begriff in Bezug auf Filme und Nerds verstehe.

Auf der einen Seite möchte ich hier Filme vorstellen, die sich in gewisser Weise über die eigenen, oft nostalgischen, Nerdinhalte definieren und diese offensiv ausstellen. Jüngstes Beispiel dafür ist Ready Player One (2018) mit seinen Wagenladungen voll popkultureller Referenzen. Ein früher Exponent einer solchen warmherzigen Verneigung vor Popkultur ist Joe Dantes Explorers (1985). Darin lässt sich ein junger Ethan Hawke von alten Science-Fiction-Filmen dazu inspirieren, aus der Gondel eines Kirmes-Karussells ein Raumschiff zu bauen. Unvergesslich die Szene, in der die Kinder mit ihrem klapprigen Raumschiff vor der Leinwand eines Autokinos herumfliegen, in dem gerade der an die 50er Jahre gemahnende Scifi-Flick Starkiller läuft.

Ich möchte aber auch Filme dazu zählen, die andere Filme ihres eigenen Genres auf die Schippe nehmen und sich nicht selten dadurch auch selbst parodieren. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist The Cabin in the Woods (2012) von Drew Goddard, der definitiv in dieser Liste zu finden wäre, wenn ich ihn nicht bereits kürzlich hier unter den 10 spaßigsten Horrorfilmen zu Halloween vorgestellt hätte. Solche Filme dekonstruieren ihr Genre und analysieren, zelebrieren und parodieren dann die einzelnen Elemente. Ein älteres Beispiel aus dem Fantasy-Bereich ist Rob Steiners wundervolle Romanverfilmung The Princess’ Bride (1987), welche viele Tropen von Fantasy und Märchen aufs Korn nimmt.

Universal Monsters

Eine dritte Kategorie für Metafilme bilden für mich die Crossover-Movies, in denen verschiedene Stoffe oder Filmuniversen zusammengeführt werden.  Zwar rutschen Filme wie Freddy vs. Jason (2003) oder Alien vs. Predator (2004) häufig in den trashigen Bereich ab, finden jedoch unter Hardcore-Nerds immer ihr Nischenpublikum. Ein früher Vertreter der Crossover, die Horrorkomödie The Monster Squad (1987), wurde von Kritikern ebenfalls nicht mit Lob überschüttet, gilt aber unter Fans des kitschigen 80er-Kinos als Kultfilm. Einen verspäteten Blick ist dieses Explorers für Freunde der Universal Monsters auf jeden Fall wert.

Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass popkulturelle Referenzen in Filmen Spaß machen (schon weil sie angenehm das Ego streicheln, wenn man sie erkennt). Das fängt bei all den kleinen Easter Eggs in Superheldenfilmen an und reicht bis zur ausgewachsenen Hommage, die beinahe den eigentlichen Film sprengt. Siehe dazu z.B. die Verbeugung vor dem Computerspiel Street Fighter in City Hunter (1993):

 

Trailer: City Hunter (1993)

Ja, Jackie Chan im beinfreien Chun-Li-Kleidchen bleibt lange im Kopf. Ich entschuldige mich, übernehme aber keine Kosten für Therapiestunden, falls es jemand noch nicht kannte. Und nun Vorhang auf für 10 Filme, die Popkultur-Fans gesehen haben sollten, von den 80ern bis jetzt.

Die Einsteiger (1985) von Sigi Rothemund

Neben Wetten Dass? und Vier gegen Willi brachten die 80er auch die Supernasen-Filme hervor, in denen sich Thomas Gottschalk und Mike Krüger durch deutsche Komödien blödeln durften. Doch unter den vielen leicht zu vergessenen Streifen ist eine Perle der Popkultur-Huldigung übrig geblieben: Die Einsteiger. Mit einer Art magischen Fernbedienung zappen sich die naiven Protagonisten durch den Tanz der Vampire, Indiana Jones und andere Blockbuster, die sie jedes Mal fast das Leben kosten. Ein alberner Spaß, den der Nerd von Welt mindestens einmal gesehen haben sollte. Leider konnte ich für diesen Schinken aus dem Asbach-Uralt-Keller keinen aussagekräftigen Trailer finden. Dafür gibt’s wenigstens die legendäre Würfelszene mit den unterbelichteten Nazis, die ganz gut den Humor des Films widerspiegelt:

Die Einsteiger - Würfelszene

UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung (1989) von Jay Levey

Die Story des wenig erfolgreichen George Newman, der indirekt durch eine Runde Poker in den Besitz eines maroden Fernsehsenders gelangt, ist für den Film eigentlich eher nebensächlich. Vielmehr dreht sich alles um die wahnwitzigen Tagträume des Hauptdarstellers, der von niemand geringerem gespielt wird als "Weird Al" Yankovic. Fans der bekloppten Satire wird der unverwundbare Rambo mit Plastikoberkörper genauso für immer in Erinnerung bleiben, wie Conan der Bibliothekar. Das amerikanische Genre-Kino der 80er Jahre wurde nie alberner, aber auch nie schöner, durch den Kakao gezogen.

Trailer: UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung (1989)

The Last Action Hero (1993) von John McTiernan

Während Thomas Gottschalk und Mike Krüger in Filme einstiegen, versuchen bei Last Action Hero Bösewichte aus ihren Filmen in die richtige Welt zu entkommen. Die damals eher gefloppte Action-Komödie mit Arnold Schwarzenegger als LAPD-Detektive, Jack Slater, nimmt das eigene Genre herrlich auf die Schaufel. Ein Junge, der in einen Jack-Slater-Film einsteigt (woher diese Inspiration wohl kam?), macht Arni ständig darauf aufmerksam, dass seine Welt nicht echt ist: Weil in der richtigen Welt nicht alle Frauen Supermodels sind, nicht alle Autos bei Unfällen IMMER explodieren und Silvester Stallone nicht der Terminator ist. Doch Jack scheint das alles nicht sonderlich seltsam vorzukommen, und das, obwohl ein Zeichentrickkater in seinem Büro arbeitet. 

Trailer: Last Action Hero

Galaxy Quest (1999) von Dean Parisot

Bei Grabthars Hammer! Was für ein Film! Galaxy Quest darf wohl als der beste Star-Trek-Spoof schlechthin gelten. Wenn Tim Allen, eine blondierte Sigourney Weaver und der unvergessene Alan Rickman (we miss you!) von Außerirdischen rekrutiert werden, obwohl sie nur die Darsteller einer Science-Fiction-Serie sind, bleibt kein Auge trocken. Jede Menge Scifi-Konventionen werden gnadenlos bloßgestellt – gerade etwas mutwilligere Kunstgriffe, die manchmal in Filmen verwenden werden, wie die vollkommen sinnlosen „Stampfer“. Doch welcher ernstzunehmende Regisseur würde so einen Grund zum Augenrollen schon freiwillig in sein Werk einbauen? Moment. Gab es bei Star Wars Episode 1 nicht diese seltsamen Laser-Schranken, die Darth Maul von Obi-Wan trennten? Aber das ist Stoff für einen ganz eigenen Artikel. Wer unterdes von Star-Trek-Parodien nicht genug bekommen kann, dem seien auch unbedingt die folgenden zwei Serien-Schmankerl ans Herz gelegt: Seth MacFarlanes The Orville verbindet Humor und Philosophie. Und wer es etwas düsterer und existentialistischer mag, sollte sich die Black-Mirror-Folge USS Callister auf keinen Fall entgehen lassen. 

Trailer: Galaxy Quest

Scott Pilgrim vs. the World (2010) von Edgar Wright

Wenn ich mich selbst zu beinahe albernem Schwärmen bringen möchte, muss ich nur über diese geniale Comicverfilmung vom Shaun of the Dead- und Hot Fuzz-Regisseur Edgar Wright schreiben. Die Irrwitzige Geschichte von Scott, der gegen Ramona Flowers‘ sieben teuflische Exfreunde antreten muss, ist eine herzbluttriefende Hommage an Rockmusik, Spielhallen, die 8-Bit-Ära der Videospiele und die erste Liebe. Der Regisseur hat die Sprache der Comics mit Super-Mario-Sounds, schwebenden Powerups und Comic-Optik auf eine Weise zum Leben erweckt, dass in meinem Belohnungszentrum der Highscore aufleuchtet. Für mich immer noch der beste Film über Videospiel-Popkultur. Ein wesentlich schwächeres Beispiel wäre der gefloppte Film Pixels (2015) mit Adam Sandler, indem Außerirdische die Erde mit Figuren aus 80er-Arcade-Spielen angreifen. 

Trailer: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Paul (2011) von Greg Mottola

Paul ist auch so ein herzerwärmender, aber oft übersehener Film. Nach Shaun of the Dead und Hot Fuzz bekommt es das sympathische Drehbuch- und Star-Duo Simon Pegg und Nick Frost diesmal mit einem von Seth Rogen gesprochenen Außerirdischen zu tun. Und als wäre der Road Trip zweier Nerds zur Comic Con in San Diego nicht Grund genug in dieser Liste aufzutauchen, bekommen wir noch eine große Ladung Ufo-Kult, Area-51-Mystik und ET-Referenzen mit der Popkultur-Kanone vor den Bug geballert. Dass dann am Ende so eines „Alien“-Films sogar noch Sigourney Weaver einen Gastauftritt hat, versteht sich dabei natürlich fast von selbst. Für mich übertrumpft Paul um Längen Fanboys, der auch an dieser Stelle der Liste hätte stehen können. Doch der Road Trip der Fanboys hat außer dicht gedrängten Querverweisen für Hardcore-Star-Wars-Fans nicht viel zu bieten. 

Trailer: PAUL - Ein Alien auf der Flucht

Wreck-It Ralph (2012) von Rich Moore

Wer nach, gefühlt, zehn Millionen Animationsfilmen, um der Videospiel-Popkultur Willen, noch Platz für einen weiteren hat, sollte sich Ralph reichts anschauen. Der Protagonist „Randale-Ralph“ klagt in der Selbsthilfegruppe für „Anonyme Bösewichte“ über seine einseitige Rolle in der 8-Bit-Welt. Bei der anschließenden Quest zur Aufpolierung seines Rufs trifft er Retro-Videospiel-Ikonen wie Bowser aus Super Mario, Dr. Eggman aus Sonic the Hedgehog, Bison und Zangief aus Street Fighter oder Neff aus Altered Beast. Neben diesen Gastauftritten sichern auch jede Menge Filmzitate und eine generelle Liebenswürdigkeit Ralph reichts ein Platz in dieser Liste. Doch das Beste ist vielleicht, dass Ralph Breaks the Internet: Wreck-It Ralph 2 bereits für Ende diesen Jahres im Startloch steht. 

Trailer: Ralph reichts

The Lego Movie (2014) von Chris Miller, Phil Lord

Everything is Awesome! Wer nicht seit 2014 diesen Ohrwurm mit sich rumträgt, hat einen der schönsten und profundesten Einträge in das Buch der Popkultur-Filme versäumt und sollte ihn schleunigst nachholen. Die Geschichte um den beinahe schmerzhaft durchschnittlichen Emmet, den Meisterbauer und „das Stück des Wiederstands“ ist ein derartig bunter Fun Ride, dass ich mich im Kino fast eckig gelacht hätte. Dabei werden wir von Anspielungen und Easter Eggs derart torpediert, dass sich The Lego Movie auch nicht vor Ready Player One verstecken muss. Mit seinen vielen Star Wars, Minecraft und Matrix-Anleihen (um nur wenige zu nennen) und seinen wahnwitzig vielen Gastauftritten von bekannten Persönlichkeiten wie Gandalf, Wonder Woman, Han Solo, Batman und unzähligen mehr, ist er ein wahres Nerd-Fest. Dabei ist das Lego Movie alles andere als ein Kinderfilm. Unter der bunten Oberfläche werden ordentlich Seitenhiebe auf Starbucks, eine Gesellschaft von konform-lebenden TV-Zombies und sogar sich selbst ausgeteilt. Als Metapher für kindlichen Spieltrieb und Liebeserklärung an die Fantasie selbst, ist dieser Film für mich der wichtigste Eintrag in dieser Liste. Und bald dürfen wir erneut Bauklötze staunen, wenn Anfang 2019 The LEGO Movie 2 ins Kino kommt.

Trailer: The Lego Movie

Deadpool (2016) von Tim Miller und Deadpool 2 (2018) von David Leitch

Nun dürften wir uns schon zweimal am „Merc with a mouth“ erfreuen. Klar, dass Deadpool in diese Liste gehört. Denn wenn der wandelnde Tumor zwischen Blutfontänen, schwarzem Humor und unverhohlener Pansexualität immer wieder Zeit findet, die „4. Wand“ zu durchbrechen, dann geht den Nerds dieser Welt das Herz auf, wie ein vom Katana getroffener Wasserballon. Dabei zieht Deadpool gnadenlos über das DC Universum und andere große Namen her. Doch den Vogel vorläufig abgeschossen hat das Ende von Deadpool 2. Ich möchte diesen Meilenstein der Filmgeschichte nicht spoilern, aber so sehr hat sich ein „Film im Film“-Moment noch nie einen Platz in dieser erlauchten Liste gesichert. MUST SEE. Meine Bauchmuskeln krampfen jetzt noch vom Lachen. (Anmerkung von Deadpool: You are welcome. War auch Zeit.)

Trailer: Deadpool 2

Ready Player One (2018) von Steven Spielberg

Beinahe ein Overkill an Easter Eggs wird in Ready Player One geboten, der insbesondere Kindern der 80er mit einer Welle wohlig-warmer Nostalgie überrollt. Ernest Clines Idee, die Suche nach einem milliardenschweren Easter Egg in einer schillernden Virtual-Reality-Welt zur Grundlage seines Romans zu machen, war wohl ein überaus glücklicher Download aus dem Reich der Fantasie. Dennoch muss natürlich gesagt werden, dass wahre Fans mit dem Buch besser aufgehoben sind. Der Film kann als optisches Medium mit begrenzter Laufzeit wirklich nur ein Bruchteil dessen einfangen, was Ernest Cline für Fans der Popkultur in seinen Roman gequetscht hat.

Trailer: Ready Player One

Share:   Facebook