Der Zweite Blick (Folge 26): Der (un)glaubliche Hulk

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Der Zweite Blick (Folge 27): Der unglaubliche Hulk


Thor, Iron Man, Wonder Woman und Doctor Strange – bunt kostümierte Superhelden sind aktuell der heiße Scheiß an den Kinokassen und auf dem Markt der Lizenzprodukte gefragter als ein Eiswürfel in der Wüste Gobi. Comics, die noch vor einer Generation als albern und kindlich betrachtet wurden, regieren heute endlich den Mainstream. Man kann es nicht anders sagen: Wir Geeks haben gewonnen!

Doch es gab auch früher schon interessante Adaptionen der Superheldencomics. Die vermutlich beliebteste (und vielleicht sogar gelungenste) dieser „MCU-Vorstufen“ handelte von der langen Reise des einsamen Dr. David Banner … und vom unglaublichen Hulk!

Die Welt von "Der unglaubliche Hulk"

Dr. David Banner weiß es besser. Sollen die anderen doch zweifeln: Er ist fest davon überzeugt, dass im Menschen ungeahnte Kraftreserven schlummern! Um seine These endgültig zu beweisen, wagt Banner den Selbstversuch und setzt sich einer Dosis Gammastrahlung aus. Das Ergebnis ist allerdings katastrophal, sieht er sich fortan doch bizarren, unkontrollierbaren Mutationen ausgesetzt! Für tot gehalten und fälschlich des Mordes bezichtigt, muss Banner untertauchen. Seitdem zieht er von Ort zu Ort, namenlos, heimatlos. Er sucht nach einem Weg, den Schaden rückgängig zu machen. Doch wann immer er wütend wird, verwandelt er sich in das grüne Monstrum, den Hulk, und wird zur rasenden Bestie.

Oder etwa nicht?

Trailer: The Incredible Hulk (1977)

Die nackten Fakten

Comics waren Kinderkram, zumindest nach Ansicht so mancher Medienschaffender der 1970er Jahre. Der multimediale Sieg der Nerds, den wir heutzutage an jeder Kinokasse feiern, stand noch aus.

Auch Drehbuchautor Kenneth Johnson hegte so seine Zweifel, als er 1977 den Marvel-Comic-Helden „Hulk“ auf Sendung schickte. Johnson gefiel das Jekyll-und-Hyde-Motiv der Geschichte, die Pein des ruhelosen Wanderers Banner und die Frage nach der Menschlichkeit im Angesicht der Gewalt. Weniger gefielen ihm die comicesken, bunten Aspekte von Stan Lees und Jack Kirbys Schöpfung, weswegen Johnsons Banner auch nicht Bruce heißt, wie in der Vorlage, sondern deutlich weniger alliterativ auf den Namen „David“ hört.

Das Wagnis ging erstaunlich gut auf. Stolze fünf Staffeln lang wanderte David Banner quer durch die USA, inkognito und immer bereit, Schwächeren zu helfen. Bill Bixby verkörperte ihn gekonnt, und für die Hulk-Szenen konnte die Produktion auf den (grün gefärbten und mit Perücke versehenen) Bodybuilder Lou Ferrigno zurückgreifen. Das war günstiger als jeder Spezialeffekt … und durchaus liebevoll gemacht.

Das Erbe

Es ist vielleicht ein Generationending: Heutige Zuschauer mögen die episodischen, standardisierten Geschichten dieser Serie simpel und austauschbar finden (was durchaus zutrifft), aber für uns Nerds der 1970er und 1980er waren Produktionen wie Kenneth Johnsons „Hulk“ der höchst willkommene Beweis, dass es ja doch ging! Dass sich unsere Helden kongenial auf Leinwand und Mattscheibe umsetzen ließen, wenn … ja, wenn man sie nur ernst genug nahm. Und das tat Johnson ganz ohne Frage.

Seine Serie um Bixby und Ferrigno hielt sich fünf Staffeln lang – was zu der Zeit und vor allem bei der nerdigen Prämisse eine beeindruckende Leistung war. Mehr noch: Zwischen 1988 und 1990 kehrten die beiden Hauptdarsteller sogar noch für drei (leider nur unterschiedlich gute) TV-Filme zurück, die Banners und Hulks Geschichten fortsetzten und sogar final beendeten. Außerdem begründeten diese Filme die bis heute anhaltende Tradition der Stan-Lee-Cameoauftritte. In den TV-Filmen durften mit Thor und Daredevil endlich auch weitere Marvel-Helden an Hulks Seite auftauchen, der Comic-Aspekt wurde also deutlicher betont.

Doch das eigentliche Erbe dieser Produktion ist die Nostalgie, die uns Altfans beim Gedanken an die fünf tollen Staffeln überkommt. An das traurige Klavierthema des „lonely man“ und an die einsame Landstraße, auf der Dr. Banner stets aufs Neue weiterziehen muss, suchend nach seiner Rettung und nach einem Zuhause.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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