Der Zweite Blick: Fast schon Superhelden: Die Spezialisten unterwegs

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Der Zweite Blick (Folge 26): Fast schon Superhelden - Die Spezialisten unterwegs


Superhelden regieren die Welt, zumindest die der multimedialen Unterhaltung. Wann nahm das eigentlich alles seinen Anfang? Christian Humberg über "Die Spezialisten unterwegs".

Ob im Kino, im Fernsehen oder im Kinderzimmer – nirgends kann man sich mehr vor den Capes der heroischen Hünen retten. Was früher als Kinderkram belächelt wurde, ist heute, da die früheren Kinder zur zahlkräftigen Zielgruppe herangewachsen sind, der heißeste Scheiß von allen. Gut so! Nur: Die Anfänge dieser begrüßenswerten popkulturellen Entwicklung liegen schon einige Jahrzehnte zurück. Und sie sind so obskur, dass sich vermutlich nicht mal mehr ihre Macher an sie erinnern.

Die Welt von "Die Spezialisten unterwegs"

Manchmal hat sogar die Evolution Schluckauf. Dann entstehen Menschen mit Fähigkeiten, die sie eigentlich nicht haben dürften. Übermenschliche Fähigkeiten. Diese Kandidaten – die titelgebenden Spezialisten bzw. Freaks der Wissenschaft, um den Originaltitel zu bemühen – könnte man doch zusammenführen und mit ihnen das Böse bekämpfen.

So dachte es sich zumindest Dr. Billy Hayes, als er mit seinem Kollegen Lincoln ein Team aus (unfreiwilligen) Superhelden formte. Ein schrumpfender Mann, eine Telekinetin, ein Rocker mit Blitzenergie im Leib und der obercoole Ice Man standen fortan im Dienste der US-Regierung und des Humanidyne Institutes. Dies sind ihre abgefahrenen Abenteuer.

Trailer: Die Spezialisten unterwegs

Die nackten Fakten

Für den ganz großen Wurf hat es nie gereicht: Der Drehbuchautor James D. Parriott verdingt sich schon seit Jahrzehnten im TV-Geschäft. Er schuf kurzlebige Kultproduktionen wie Die Zeitreisenden (1982), den Vampircop Nick Night (1992 – 1996) und das abschreckend betitelte SF-Rätsel Defying Gravity – Liebe im Weltall (2009). Doch falls die Ihnen allesamt nichts sagten, wird das schon seine Gründe haben. Parriott, ein emsiger Schreiber, wartet wohl noch immer auf den großen Durchbruch.

Auch Die Spezialisten unterwegs war keiner. Inhaltlich an den Humor und das Phantastik-Setting der Ghostbusters-Kinofilme mit Bill Murray angelehnt, sollte die Serie ein spaßiger Actioner für den Freitagabend sein. Wohlfühlfernsehen für den Start ins Wochenende, mit schrägen Figuren und einem etwas anderen, nerdigen Witz.

Auf dem Papier ging dieser Plan sogar auf! Die Geschichten – unter anderem vom späteren Heroes-Macher Tim Kring ersonnen – hatten angenehmes Tempo, und die Dichte an flotten Sprüchen, die sich morgens auf dem Schulhof zitieren ließen, war hoch. Mit dem Sohn des Altmeisters Dean Martin und der (später durch Friends erfolgreichen) jungen Courteney Cox hatte die Produktion auch einiges an Talent an Bord. Doch die Programmverantwortlichen bekamen offenbar kalte Füße, als sie das frische Serienwerk endlich vorliegen hatten. Sie platzierten es auf einen Ausstrahlungstermin, an dem die Konkurrenz immens erfolgreiche Soaps wie Der Denver-Clan präsentierte. Ein absoluter Todesstoß. Kein Wunder, dass die Quoten unserer Spezialisten schneller schrumpften als Dr. Lincoln. Die letzte produzierte Episode wurde in den USA schon nicht mehr ausgestrahlt.

Das Erbe

Und dabei könnte man es auch belassen. Dr. Hayes verschwand ebenso schnell von unseren Mattscheiben wie er gekommen war, und nennenswerte Spuren hinterließ er nicht. Selbst passionierte Couch Potatos dürften sich kaum an ihn erinnern. Das ist allerdings schade, verdienen seine Spezialisten doch gerade im Zeitalter des Marvel Cinematic Universe einen zweiten Blick. Sie sind, und das schreibe ich ganz unironisch, gewissermaßen die Protomaterie der heutigen Avengers. Sie halfen – zumindest ein klitzekleines bisschen – den Caped Crusader salonfähig zu machen. Der heutige Mainstream steht (auch) auf ihren Schultern.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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