Shuri forever! Die Frauenfiguren in Black Panther

© 2017 - Walt Disney Pictures / Marvel Studios

FILM

Okoye forever! Warum wir die Frauenfiguren in Black Panther lieben


T’Challa, der König von Wakanda, rockt zurzeit die Kinokassen und legte das fünfterfolgreichste Startwochenende aller Zeiten in den USA hin. Dabei ist das doch einfach nur wieder ein Film aus dem Marvel Cinematic Universe – ein neuer Superheld, der bislang nur eine Nebenrolle in Captain America – Civil War hatte, kriegt seine eigene Story, warum legt dieser Film einen Start à la Star Wars hin?

 

Die kurze Antwort: Weil es an der Zeit ist. Letztes Jahr im Sommer war es Zeit für Wonder Woman, die älteste weibliche Comic-Superheldin, den Sprung auf die große Leinwand zu schaffen und Mädchen, Frauen, Jungen und Männer auf der ganzen Welt zu begeistern. Und jetzt ist es Zeit für T’Challa, Nakia, Shuri und Okoye, aus den Comicseiten ins Rampenlicht zu treten. Nicht nur, weil es Zeit ist für einen „Superhelden of color“. Es ist Zeit für eine optimistische afrikanische Utopie.

Wenn man Geschichten über Afrika erzählen will, kommt man nicht um den Kolonialismus herum, um Ausbeutung und Sklaverei, um Hunger und Dürren, um Katastrophen und Epidemien. Realistische, zeitgenössische Geschichten über Afrika zeigen häufig Elend und Leid und Völker, die immer noch darum kämpfen müssen, wahrgenommen zu werden und sich durchzusetzen gegen das, was der Kolonialismus ihnen eingebrockt hat. Ein utopisches, technisch hochstehendes, gleichberechtigtes Afrika kann nur die Science-Fiction und Fantasy zeigen – eine Vorstellung von „Was wäre gewesen, wenn nicht …“ und eine Idee für „Was könnte sein, wenn wir …“ Und genau das macht Black Panther – der Film erzählt mit kraftvollen und sichtlich begeisterten Darstellern von einer feministischen, technisierten Zivilisation, die Science-Fiction und Afrika auf wunderschön anzusehende Weise kombiniert. Natürlich nicht ganz ohne Schattenseiten – dass Wakanda immer noch eine Monarchie ist, in der der im Zweikampf Stärkste den Machtanspruch hat, sollte vielleicht noch mal durch einen Volksentscheid. Aber Wakanda als perfekte Nation böte ja auch wenig Stoff für einen Film, und gerade das teils so archaisch Anmutende verleiht der Geschichte das Besondere.

Trailer: BLACK PANTHER

Die Frauen von Wakanda

Das außerirdische Supermetall Vibranium macht Wakanda zu dem, was es ist – aber das Land hat noch eine weitere, machtvolle Ressource: seine Frauen, die als Kriegerinnen, als Spioninnen, als Wissenschaftlerinnen T’Challas Hintern retten.

Dabei geht es nicht darum zu zeigen, dass Frauen die besseren Menschen sind – sondern, wie Lupita Nyong’o gegenüber Entertainment Weekly sagte, um zu zeigen, dass „Gender“ nicht der Stoff ist, aus dem eine Gesellschaft notwendigerweise geformt ist – und um zu zeigen, dass Sexismus gelernt wurde und nicht angeboren ist.

Die Frauencharaktere stehen dabei nicht im Wettstreit darum, wer das Love Interest sein darf, wer die Schönste oder Klügste ist. Sie verfolgen gemeinsame Ziele mit unterschiedlichen Agenden, und es steigt nicht eine einzelne zu Größe auf, indem sie die anderen kleinmacht.

#metoo


#metoo kommt mir da direkt in den Sinn. Welchen besseren Zeitpunkt könnte es für den Film geben? Gerade in der Filmindustrie, aber lange nicht nur da, sind einige wenige Männer auf dem Rücken von Frauen und anderen Männern zu Größe und Reichtum gelangt. Durch das Ausüben von Gewalt, durch erpresserische Methoden, durch die Erniedrigung anderer.

„So ist das halt“, haben einige Schauspieler wie Matt Damon sich vernehmen lassen. Man braucht das große Arschloch mit der Vision, es hat Hollywood geformt, es hat unsere Popkultur geformt. Regisseure wie Taika Waititi (Thor Ragnarok) und Rian Johnson (The Last Jedi) wurden im Herbst und Winter für ihren Teamgeist, ihre Ruhe, ihr Verständnis für Mitarbeiter am Set gelobt und haben Blockbuster hervorgebracht, von denen ich mir herzlich gern mehr ansehen werde. Also, vielleicht ist das Ende der gewalttätigen Kreativ-Monstren gekommen, und Wakanda mit seinem kompetenten Miteinander von Männern und Frauen ist gar nicht mehr so fern, wie es scheint.

Die Zeit war offenbar nicht nur reif für Marvels „Superhelden of color“. Die Zeit war reif für einen Film, bei dem nicht Weiße die Geschichten für people of color erzählen, sondern in dem people of color Drehbücher, Regie und Designs ihrer Utopie selbst in die Hand nehmen und auf die Leinwand bringen. Die Mode spiegelt zahlreiche Kulturen Afrikas wider. Das Set ist an die Kunstrichtung des Afrofuturismus angelehnt. Frisuren, Schmuck, die Sprache Xhosa und die afrikanischen Dialekte des Englischen, die in der Originalfassung zu hören sind, sind bislang sehr selten in Hollywoodproduktionen zu sehen oder zu hören gewesen. Auch das Glätteisen, das in vielen Filmen und Serien Haare in Form bringt und dem Massengeschmack anpasst, musste zu Hause bleiben: Die dem Afro-Punk entlehnten Frisuren der Charaktere wurden alle mit natürlichem Haar geflochten, gebunden, gefilzt.

Aber nun Vorhang auf für die schillernden Frauengestalten in Black Panther!

Okoye (Danai Gurira)

Okoye ist Generalin der Dora Milaje, einer weiblichen Kriegerkaste, die von dem von französischen Kolonialisten „Dahomey-Amazonen“ genannten Kriegerinnen-Regiment auf dem Gebiet des heutigen Benin inspiriert wurde. Okoye ist schlagkräftig, stoisch, aber nicht humorlos, sie liebt ihre tätowierte Nicht-Frisur und verachtet die Perücke, die sie zur Tarnung im südkoreanischen Casino tragen muss. Okoye lenkt Tarnjäger im Lotussitz und gibt ihrem König kluge Tipps, wie er mit seiner Ex-Freundin reden sollte. Okoye ist einfach badass, und das einzige, was mir an ihr nicht gefiel, war ihre vollkommen aufgezwungen wirkende Beziehung zu T’Challas Kumpel vom Grenzstamm (wenn auch plotrelevant, aber gänzlich ohne Chemie). 

Shuri forever! Die Frauenfiguren in Black Panther

© 2017 - Walt Disney Pictures / Marvel Studios

Ramonda (Angela Bassett)

Ramonda ist die Königin-Mutter, Frau des in Captain America – Civil War tragisch verschiedenen Königs T’Chaka. Sie und der von Forest Whitaker gespielte Zuri sind die Mentorfiguren des Films. Ramonda ist Königin gewesen, sie findet sich nun in einer nährenden, mütterlichen Rolle wieder, in der sie die Regentschaft an ihren Sohn überträgt. Ramonda spiegelt auch die Stammeskultur wider, die sich in Wakanda weiterentwickelt hat – sie ist Oberhaupt von einem der fünf Stämme, die Wakanda bilden und deren älteste Sprösslinge sich im Zweikampf das Recht auf den Königsthron erkämpfen können. Nicht gerade demokratisch, aber wir sollten auch nicht vergessen, dass das Superheldengenre der Fantasy und Science-Fiction entspringt und Zweikämpfe in Adelshäusern seit Dune nichts von ihrer archaischen Romantik verloren haben.

Shuri forever! Die Frauenfiguren in Black Panther

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Shuri (Letitia Wright)

Shuri ist T’Challas „Q“. Die jüngere Schwester des Königs ist die führende Wissenschaftlerin ihres Landes – und ja, natürlich ist sie sehr jung für so viel Genialität, aber auch hier gilt: Es ist ein Superheldenfilm. Natürlich kann eine junge Frau eine komplette, kinetische Energie speichernde Katzenrüstung in einer Halskette unterbringen und mit Vibranium-Sand Flugzeuge und Autos am anderen Ende der Welt fernsteuern! Meine Tochter hat Shuri von dem Moment an, an dem sie T’Challa grinsend den Mittelfinger zeigte, in ihr Herz geschlossen. Sie ist die Art von Disney-Prinzessin, die seit Moana die Herzen einer neuen Generation Mädchen und Jungen erobern: Sie definiert sich über Mut und Einfallsreichtum und nicht über die Männer um sie herum. Sie hat ihre eigenen Visionen und greift kompetent in drohendes Unheil ein. Black Panther ohne Shuri wäre nur ein Mann, der sich halbnackt an einem Wasserfall duelliert. 

Nakia (Lupita Nyong’o)

Nakia ist T’Challas Vielleicht-Ex-vielleicht-aber-auch-nicht-Ex-Freundin. Sie ist als Spionin auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs, legt Mädchenhändlern und anderen Verbrechern das Handwerk und kehrt nur ungern zu ihren repräsentativen Diensten als ältester Spross des Flussstamms zurück. In der Stammeshierarchie Wakandas hätte sie das Recht, T’Challa herauszufordern und Königin zu werden, doch sie weiß, dass ihre Rolle eine andere ist. Ihr liegt nichts am Herrschen, sie will verändern.

Nicht nur Nakia, auch Lupita Nyong’o ist eine wahre Inspiration. Auf der Pressetour zu Black Panther redet sie in Interviews über Geschlechter-Gleichberechtigung, über afrikanische Inspiration und Vision.

Shuri forever! Die Frauenfiguren in Black Panther

© 2017 - Walt Disney Pictures / Marvel Studios

Das Ayo-Dilemma

Zum Schluss ein kleiner Wermutstropfen: Anders als in den Comics gibt es leider erneut im Cinematic Marvel Universe keine „queer“en Charaktere. Die von Florence Kasumba gespielte Ayo, Kriegerin der Dora Milaje, ist in den Comics lesbisch, und im Rohmaterial des Films existierte offenbar eine Szene, in der sie Gelegenheit erhält, mit ihrer Generalin zu flirten. Nun mag man sagen: Die Szene hatte offenbar keine Relevanz für die Story – aber Repräsentation von LGBTQA+ ist nun einmal etwas, an dem es Popkultur und vor allen Dingen dem Superheldengenre und der klassischen Fantasy mangelt, und es ist an der Zeit, dass auch damit nachgezogen wird und interessante Charaktere, gerne auch zentraler im Rampenlicht als Ayo, als nicht-heteronormativ dargestellt werden.

45 % der amerikanischen Kartenvorverkäufe gingen übrigens an Frauen – ein Anteil, der für einen Superheldenfilm absolut ungewöhnlich ist. Zusammen mit Wonder Woman beweist Black Panther, dass auch das weibliche Kinopublikum sich verändert. Junge Mädchen wachsen mit Superheldinnen, Science-Fiction und Fantasy auf, und mit dem alten Hollywood-Vorurteil, mit Helden, die nicht weiß und männlich sind, ließe sich kein Geld machen, haben Diana von Themyscira und T’Challa gründlich aufgeräumt. 

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