Frau im Mond (1929)

© Universum Film (UFA)

REWATCH

Die besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten: Frau im Mond (1929)


Von der ersten »Rakete zu den Planetenräumen« bis zum »Marsianer« - für unsere neue Rewatch-Kolumne hat sich Bestsellerautor Philip P. Peterson noch einmal die zehn besten Science-Fiction-Filme über die Raumfahrt angesehen. Wir starten mit »Frau im Mond« von 1929.

Wernher von Braun war begeistert, und Albert Einstein hat die Premiere besucht. Fritz Langs "Frau im Mond" von 1929 war filmhistorisch zwar nicht die erste "Rakete zu den Planetenräumen", dafür aber die einflussreichste und realistischste. Phillip P. Peterson über einen frühen Klassiker des Science-Fiction-Films.

Schon 1902 verfilmte Georges Méliès in einem der bekanntesten frühen Stummfilme seine »Reise zum Mond«, und spätere Werke wie der russische Film »Aelita« von 1924 brachten ihre Protagonisten sogar bis zum Mars. Aber noch nie hatte man sich im frühen Film Gedanken gemacht, wie eine solche Weltraumreise realistisch dargestellt werden könnte. Das schaffte erstmals Fritz Lang mit seinem Werk »Frau im Mond« 1929.

Der reiche Fabrikbesitzer Helius baut ein Raumschiff, um zum Mond zu fliegen, nachdem sein Freund Professor Manfeldt auf der Rückseite des Erdtrabanten Gold, Wasser und Luft vermutet (was damals übrigens eine gängige Theorie war). Mit dabei sind Ingenieur Windegger und seine Verlobte Friede, in die sich auch Helius verliebt hat. Außerdem hat sich der Ganove Turner in die Besatzung erpresst, der im Auftrag krimineller Geschäftsleute auf dem Mond nach dem Gold suchen soll.

Die Geschichte ist mit über zweieinhalb Stunden sehr lang und bis sie einmal richtig in die Gänge kommt, ist der Film schon halb vorbei. Das Drehbuch schrieb Langs Frau Thea von Harbou, die die Reise zum Mond mit einer Spionage- und einer Liebesgeschichte vermischte.

Frau im Mond - the rocket launch

Mit der Rakete zu den Planetenräumen

Das Besondere an dem Film ist der Realismus, mit dem eine hypothetische Reise zum Mond beschrieben wurde und der vieles vorwegnahm, was vierzig Jahre später beim Apollo-Programm Realität wurde. Verantwortlich dafür war der für seinen pedantischen Perfektionismus bekannte Fritz Lang. Der hatte den legendären Raumfahrtwissenschaftler Hermann Oberth (»Mit der Rakete zu den Planetenräumen«) sowie den Raketenpionier Rudolf Nebel als Berater engagiert. Neben Ziolkowski und Goddard war Oberth einer der Visionäre, die die Raumfahrt mit Raketen überhaupt erst ermöglichten. So finden sich schon in diesem frühen Film korrekte Skizzen von Flugbahnen, die später die Amerikaner zum Mond brachten. Wahrscheinlich ist »Frau im Mond« auch der erste Film, in dem die Schwerelosigkeit dargestellt wurde, auch wenn man irrtümlich annahm, dass diese nur auf einem kurzen Stück des Fluges eintritt, nämlich wenn das Raumschiff vom Schwerefeld der Erde in das des Mondes wechselt. Ansonsten finden sich etliche Bilder, die man live im amerikanischen Raumfahrtprogramm erst viel später erleben konnte, wie die Großrakete, die von ihrer Montagehalle auf einer rollenden Plattform zur Startrampe gebracht wird oder den Erduntergang beim Flug über die Mondoberfläche. Die Effekte wirken dabei realistischer als die von vielen Filmen aus den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern. 

Der fehlende Erfolg an der Kinokasse

Auch viele Handlungselemente tauchen in späteren amerikanischen Streifen auf, wie zum Beispiel, dass wegen akuten Ressourcenmangels nicht alle Besatzungsmitglieder zurück auf die Erde mitgenommen werden können. Der wegweisende Film »Rakete zum Mond« von 1950 wirkt wie ein Plagiat dieses deutschen Werks, das einige Kritiker fälschlicherweise als den ersten ernsthaften Weltraumfilm ansehen. Die Legende sagt, dass Fritz Lang für seinen Streifen den »Countdown« erfunden hat, um die Spannung beim Start der Mondrakete zu erhöhen. Lang selbst wurde später oft zu Veranstaltungen des amerikanischen Raumfahrtprogramms eingeladen.

Bei der Premiere in Berlin war sogar Albert Einstein anwesend. Bekannt ist leider nicht, wie er die Vorführung fand. Die Raketengruppe um Wernher von Braun, die zu diesem Zeitpunkt noch in Berlin an kleinen Raketentriebwerken vor sich hinbastelte, war jedenfalls begeistert.

An den Kinokassen war »Frau im Mond« nicht sonderlich erfolgreich. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde der Film sogar verboten. Die technischen Darstellungen hatten nämlich zu große Ähnlichkeiten mit den Raketen des V-2-Programms. Aber da war der Österreicher Fritz Lang sowieso schon in die USA ausgewandert, weil er sich von seinem selbsterklärten Fan Goebbels nicht für das Regime instrumentalisieren lassen wollte.

Vor allem Leute, die sich für die Frühgeschichte der Raumfahrt interessieren, sollten ihn sich unbedingt einmal ansehen - auch wenn man sonst nicht gerade ein Freund von Stummfilmen ist.

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