Krieg Der Eispiraten

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REWATCH

Krieg der Eispiraten (1984)


Piraten, Raumschiffe, Einhörner, Roboter, Degenkämpfe á la Errol Flynn, Killeraliens und ein paar kräftige Schippen Mel-Brooks-Humor, und fertig ist der 80er-Jahre-Trash-Glanzstück Krieg der Eispiraten. Michael Hoh beschleichen beim Rewatch gemischte Gefühle.

 

Auf was habe ich mich da bloß eingelassen. Einen Rewatch zu Krieg der Eispiraten sollte es diesmal sein. Glorreicher 80er-Jahre-Trash wurde versprochen. Ja, habe ich gesagt, aber kennen tue ich den nicht. Kein Problem. Also dann. Erst einmal die Fakten sortiert, man will ja nicht schon mit dem ersten Halbsatz Film-Buffs aus Unwissenheit vergrämen.

Es ist 1984. Ein Jahr, in dem Arnie Schwarzenegger zum ersten Mal mit reichlich Schmäh „I'll be back“ verspricht; Kirk und Co. suchen nach Mr. Spock; die Ghostbusters gehen erstmals auf Jagd; David Lynchs Dune floppt an den Kinokassen; George Lucas hält sein Franchise mit putzigen Ewok-TV-Filmen am Laufen; und irgendwo dazwischen versuchen die Macher von Krieg der Eispiraten ihr Glück. Sie wollen in die gleiche Kerbe schlagen, mit ähnlich veritablem Sci-Fi-Bombast die Kinokassen füllen. Neun Millionen Dollar stehen zur Verfügung, zwei Millionen weniger als 1979 noch für George Lucas. Aber der musste ja auch Abstriche machen und lieferte trotzdem ganz passabel ab. Was könnte also schiefgehen?

Trailer: The Ice Pirates (1984)

Trash ist keine Untertreibung

Nun ja, das Drehbuch für den Film stammte aus der Feder von Regisseur Stewart Raffill und Stanford Sherman. Wenn man weiß, dass Ersterer für das schamlose E.T.-Plagiat Mick, mein Freund vom anderen Stern verantwortlich ist und Krull auf die Kappe von Stanford Sherman geht, lässt sich erahnen, was da (zum Glück) schiefgehen könnte: die Bezeichnung „Trash“ ist jedenfalls keine Untertreibung. Für ihre als Weltraumsatire angelegte Odyssee bedienen sich die beiden Autoren wirklich aller Register und liefern einen Genreclash erster Güte.

In Mittelalterschrift vor Weltraumhintergrund – da geht's schon los – erfährt der Zuschauer von der grassierenden Misere: Das Wasser ist knapp, ergo Gold wert. Die herrschenden Templer – eine auf Camp getrimmte, galaktische Tafelrunde in güldenen Kettenhemden – horten das kostbare Gut, und Piraten versuchen, es wiederum an sich zu reißen. So viel zur Ausgangssituation. Bei einem dieser Überfälle auf einen Raumfrachter findet Piratenanführer Jason (Robert Urich, weil Kevin Costner angeblich keine Lust hatte) zufällig die gefriergetrocknete Prinzessin Karina (Mary Crosby) in einem Glaskasten verstaut. Nach reichlich Gezeter und grenzwertigen Avancen wird diese einfach mitgeschleppt – wie das Piraten halt so machen. Doch zu früh gefreut. Widersacher Zorn – ja, der heißt auch im Original so – durchkreuzt den Beutezug. Ein Teil der Crew kann fliehen, doch Jason und sein Kollege Roscoe (Michael D. Roberts) landen im Knast. Von Mithäftlingen erfahren sie, dass nun die „Umgestaltung“ (sprich: Kastration) auf sie warten würde. Doch, dem Himmel sei Dank, die Prinzessin eilt zur Rettung. Diese hat mit den Templern nämlich rein gar nichts am Hut und verfolgt ihre eigene Agenda: ihren verloren gegangenen Vater aufzustöbern, der zur Siebten Welt vorgedrungen sein soll. Ein Planet, auf dem es angeblich ganz doll regnet. Da der Gedanke an Regen in einem so staubtrockenen Universum für Urlaubsfeeling sorgt, heißt es nun für Prinzessin und Piraten: Auf ins Abenteuer!

Rewatch: Krieg der Eispiraten

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Einhörner im Nebel

Und so stolpern die Protagonisten über holprig platzierte Spannungsbögen von Szene zu Szene, die den Drehbuchschreibern jedes Mal aufs Neue die Möglichkeit geben, ein neues Genrefass aufzumachen, um es durch den Kakao zu ziehen (oder es zumindest zu versuchen). Sie liefern sich waschechte Schwert- und Degenkämpfe à la Errol Flynn (wer braucht schon Laserpistolen) und Mad-Max'sche Verfolgungsjagden unter Beobachtung sandiger Erdmännchen. Einhörner (!) im Nebel und einen schäbigen Mittelaltermarkt mit dem Flair einer neongetränkten Bahnhofstoilette à la Blade Runner hat es auch. Und natürlich den Chestbuster aus Alien. Nur hört das Geschöpf in diesem Film auf den ulkigen Namen „Weltraumherpes“. Obendrein sind die Anlehnungen an Star Wars natürlich nicht zu übersehen: vom kurzen Auftritt des Imperators, der sein Reich aus einer Art Wintergarten heraus regiert, über einen griesgrämigen Obi-Wan-Verschnitt bis hin zu C3POs klobigen Cousins.

„Oh, ist der hart – deinen Gürtel mein ich“

Dabei schwankt das komödiantische Dauerfeuer – visuell wie verbal – zwischen pythonesken Glanzstücken und haarsträubenden Altherrenwitzen, als lieferten sich die beiden Schreiberlinge einen Wettstreit um die besten Pointen, ganz nach dem Motto: ein paar werden schon zünden. Jeder noch so banalen Aktion wird versucht, etwas Lustiges abzugewinnen. Aber spätestens der Satz „Oh, ist der hart – deinen Gürtel mein ich“ im letzten Drittel des Films – die obligatorische Sexparodie darf nämlich auch nicht fehlen – verursacht genervtes Augenrollen. Zum Glück hat es an anderer Stelle mit Prinzessin Karina und Maida (Anjelica Houston) zwei adäquate weibliche Protagonistinnen, die es mit dem testosterongesteuerten Piratengebaren verbal wie physisch aufnehmen können. Bei Witzen von und über afroamerikanische Charaktere knirscht es dann teilweise aber doch. Besonders die deutsche Version hakt, wenn plötzlich von „Farbigen“ die Rede ist. Und auch im Original wirken diese Dialoge allzu altbacken, weniger wie gut platzierte Pointen als plump platzierte Versuche eines gesellschaftskritischen Kommentars.

Doch der simulierte Space-Invaders-Kampf, das verwaiste Roboterkind, dessen Eltern bei einer der Verfolgungsjagden geschrottet werden („Biep, biep, Mami?“) und das grandios absurde Finale im Superzeitraffer entschädigen für die klobigen Entgleisungen. Das hätten Monty Python, ich erwähnte sie eben schon, auch nicht besser hinbekommen. Puh, noch einmal kurz vor knapp die Kurve gekriegt. Denn Spaß macht der Film ohne Zweifel. Aber mal ehrlich: Gibt es genialere Parodien? Klar. Bessere Pointen? Allemal. Weniger unsinnige Plotlines? Auf jeden Fall. Bessere Spezialeffekte? Aber hallo. Doch genau deshalb hat der Film seinen ehrenwerten Platz in den Ruhmeshallen des Sci-Fi-Trash mehr als verdient.

Über den Autor


Michael Hoh studierte Anglistik, Germanistik und Philosophie in Mannheim und San Francisco. Heute lebt er als freier Übersetzer und Journalist in Berlin, füllt u.a. die Musikseiten des englischsprachigen Stadtmagazins Exberliner und schreibt über Computerspiele für Giga Games.

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