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"Ready Player One"-Trailer: Diese Referenzen auf die Popkultur der 80er und 90er stecken im neuen Steven-Spielberg-Film


Endlich gibt es einen neuen Trailer zu Steven Spielbergs "Ready Player One". Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ernest Cline und kommt im April 2018 in die Kinos. Unser Redakteur Markus Mäurer hat sich den Trailer genauer angesehen und einige der popkulturellen Referenzen analysiert.

Die Buchvorlage von Ernest Cline

Bei Ready Player One handelt es sich um Steven Spielbergs Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ernest Cline, der im Original 2010 erschien, in deutscher Übersetzung von Hannes Riffel erstmals 2012, aktuell in Neuauflage bei Fischer Tor.

Der Roman ist eine Hommage an die Popkultur der 1980er-Jahre. Um im Jahr 2045 das von einem verstorbenen Internetmilliardär versteckte Easter Egg in der virtuellen Welt von OASIS zu finden, das dem Finder absolute Macht über die Welt verleiht, muss der jugendliche Held des Buches, Wade Watts, Filme wie War Games fehlerfrei nachspielen und Arcadeklassiker wie Pac-Man und Joust mit perfekter Score absolvieren. Teilweise feuert der Autor nur so mit Popreferenzen um sich, dass einem schon schwindelig wird. Und genau dieses Konzept hat nicht gerade wenige Leser auf eine wunderbare Zeitreise zurück in ihre Kindheit geschickt.

Ready Player One: Der Trailer in der Analyse

Ob Wade im fertigen Film von Spielberg auch Filme nachspielen wird, ist aus den bisherigen Trailern nicht ersichtlich. Allerdings liefern sie schon tiefe Einblicke in die künstliche Welt von OASIS, in der es nur so vor Referenzen wimmelt. Darunter befinden sich auch Figuren und Objekte aus den 90ern und aus der Zeit nach 2010, die also erst nach der Veröffentlichung des Romans erschienen sind. Im Folgenden werde ich den Trailer mal etwas genauer auseinandernehmen und die einzelnen Anspielungen herausstellen.

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© Warner Bros. Pictures

Eine aktuelle Referenz ist sicher Tracer aus dem Mehrspieler-Ego-Shooter Overwatch von Blizzard, der erst 2016 erschienen ist. Auf dem Bildausschnitt hier sieht man sie neben anderen Computerspielfiguren wie Chun-Li aus Street Fighter und Lara Croft aus Tomb Raider. Anders als Ernest Cline, möchte Steven Spielberg also nicht nur ein Publikum ansprechen, das in den 80ern aufgewachsen oder mit der Kultur dieser Zeit vertraut ist, sondern auch jüngere Zuschauer. Da die Handlung im Jahr 2044 spielt, ist gegen diese Aktualisierung gar nichts einzuwenden.

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© Warner Bros. Pictures

Gleich zu Beginn des Trailers, beim Einstieg in die OASIS, gibt es zwar keine direkte Referenz, aber das Standbild verschiebt sich ähnlich, wie man es aus Filmen wie Inception oder Doctor Strange kennt, wenn auch nicht in die Vertikale. Ähnlich werden Gebäude auch in Städtbausimulationen wie Civilization verschoben. Hier zeigt sich, welche Macht jemand mit dem Easter Egg über die virtuelle Welt hätte.

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© Warner Bros. Pictures

Um in der Welt von OASIS voranzukommen, benötigt man Fahrzeuge, und da müssen natürlich auch ein paar berühmte Vehikel aus der Filmgeschichte herhalten. Das prominenteste Beispiel ist der Delorian aus Zurück in die Zukunft, in den Wade hier mit seinem Avatar steigt. Auf dem Nummerschild steht Wades Onlinename Parzival. Parzival ist einer der wichtigsten Ritter von König Arthus' Tafelrunde und begibt sich, wie Wade im Buch, auf die Suche nach dem Heiligen Gral.

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© Warner Bros. Pictures

Aber auch Kanedas Motorrad aus dem Anime Akira (1988) ist dabei, auf dem er sich mit den Clowns (einer Motorradgang) eine Schlacht liefert und einer monströsen Regierungsverschwörung auf die Schliche kommt.

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© Warner Bros. Pictures

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© Warner Bros. Pictures

Neben Film- und Computerspielfiguren gibt es auch Charaktere aus Comics zu entdecken. Wie z. B. die DC-Bösewichte Deathstroke, Joker & Harley Quinn, die zuletzt im umstrittenen Suicide Squad zu sehen waren.

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© Warner Bros. Pictures

Das hier ist das Easter Egg, das es zu finden gibt. Easter Eggs sind in Computerspielen Objekte (Schätze), die von den Programmierern als Bonusmaterial für die Spieler versteckt wurden. Sie tragen nicht wirklich zur Handlung oder dem Spielverlauf bei, sondern bieten meist nette Referenzen auf andere Spiele oder popkulturelle Themen. Der Finder des Easter Eggs in der OASIS erhält eine halbe Billion Dollar und die absolute Macht über die virtuelle Welt.

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© Warner Bros. Pictures

Der Trailerwohnblock, in dem Wade wohnt, ist eine zynische Weiterentwicklung der aktuell in den USA weitverbreiteten Trailerparks, in denen die amerikanische Unterschicht aus Kostengründen in billigen Wohnanhängern lebt. Ist kein Platz mehr da, um in die Breite zu bauen, baut man nach oben, wie bei Hochhäusern in Großstädten, nur eben mit den containerartigen Trailern. Und damit ist der Film hochaktuell, haben doch Obdachlosigkeit und prekäre Wohnverhältnisse (billige Motels, Trailer, viele Personen auf wenigen Quadratmetern) einen neuen Höchststand erreicht.

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© Warner Bros. Pictures

Apropos Hochhaus. Hier sehen wir King Kong auf dem Empire State Building, umkreist von einem Doppeldecker. Der Originalfilm mit dieser ikonischen Szene stammt aus dem Jahr 1933. Hier schimmert sicher Spielbergs Liebe zum klassischen Kino durch.

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© Warner Bros. Pictures

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© Warner Bros. Pictures

Wer wie ich in den 80ern aufgewachsen ist, mit den Filmen von John Hughes und Co., wird bei dieser Szene sofort John Cusack im langen grauen Mantel vor Augen haben, wie er in Teen Lover mit dem Ghettoblaster über dem Kopf vor dem Haus seiner Angebeteten steht.

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© Warner Bros. Pictures

Hier mischt Chucky die Mörderpuppe seine Gegner auf. Der erste Teil, der inzwischen zu einem kleinen Franchise angewachsenen Reihe, erschien 1988.

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© Warner Bros. Pictures

Dieser Roboter oder besser gesagt Mecha - denn im Inneren sitzt ein Mensch, der ihn steuert -, dürfte aus dem Anime Gundam Wing (1995) stammen, der zu den Spielzeugen des japanischen Herstellers Bandai gehört, ähnlich wie die Transformers zu Hasbro.

Fazit

Insgesamt zeigt uns der Trailer eine Zukunft, die in der realen Welt dystopische Züge angenommen zu haben scheint; es herrschen große Armut und Obdachlosigkeit im Kontrast zu großen, seelenlosen Konzernen mit eigenen Polizeitruppen. Dazu kommt aber ein technologischer Fortschritt, der die Menschen in eine Phantasiewelt in der virtuellen Realität flüchten lässt - das neue Opium fürs Volk. Ein Szenario, das seit Veröffentlichung des Romans dank Trump-Wahl und den Fortschritten bei VR-Technologien wie der Oculus Rift oder Playstation VR, deutlich näher gerückt zu sein scheint. In dieser Welt suchen sich die User Avatare aus, die vor allem aus der Popkultur der letzten drei Jahrzehnte stammen, um so vor der tristen Realität zu flüchten und in die Kostüme ihrer Helden zu schlüpfen.

P.S. das Lied, das am Anfang des Trailers läuft ist übrigens World In My Eyes von Depeche Mode, am Ende des Trailers hört man dann Jump von Van Halen, gesungen von David Lee Roth.

P.P.S. bei uns kommt der Film am 5. April 2018 in die Kinos.

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