BONDify your life – Besser leben als Geheimagent

© Twentieth Century Fox

KOLUMNE

Länder, Jedi, Abenteuer (19): Besser leben als Geheimagent


Mein Name ist Koslowski, Jupp Koslowski … Fans des berühmtesten Geheimagenten Ihrer Majestät sind fast so häufig anzutreffen wie der Sand an Jamaikas Stränden und das Gold in Goldfingers Keller. Seit über fünfzig Jahren träumen weltweit schon Leser und Kinogänger gleichermaßen von einem Leben als 007 – oder wenigstens einem an dessen Seite. Die Bond-Fans sind auch im phantastischen Fandom ganz buchstäblich eine Klasse für sich!

Der Fanotyp

Bond-Fans mögen es stilvoll und gediegen. Warum Campingplatz, wenn es auch Cote d’Azur sein kann, warum Knäckebrot statt Kaviar? Das Edle und Schöne ist ihre Sache, und selbst zum Raustragen des Hausmülls wird sich ein Anhänger der berühmtesten Doppelnull der Welt erst noch sorgfältig den Windsorknoten richten und die Lackschuhe polieren. Stil verpflichtet.

Wer sich allerdings primär dem literarischen James aus Ian Flemings Buchvorlagen zugehörig fühlt, kann deutlich entspannter (und auch ein wenig legerer gekleidet) durchs Leben schreiten. Dieser Ur-Bond unterscheidet sich nämlich in einigen Zügen und Manierismen von der klar bekannteren Leinwandversion. Flemings 007 war – trotz aller geheimagentösen Abenteuer – weit eher Büroangestellter als globaler Oberplayer, mehr Superhirn als Superheld. Und, mit Verlaub, ganz schön eigen …

Dinner for Fan

Das typische Bond-Dinner ist gar keins. Im Film mag sich ein Roger Moore die Lachshäppchen nur so in den gut ausgeleuchteten Rachen und ein Pierce Brosnan die Austern zwischen die zahnpastaweißen Beißer (Ha!) stopfen, der „echte“ 007 legt aber weit größeren Wert aufs Frühstück als auf jede andere Mahlzeit.

Ian Flemings Romane beschreiben überraschend detailliert, wie wichtig Bond, James Bond dieses morgendliche Ritual nimmt. Ein MI6-Gedächtnisfrühstück besteht demnach aus

 

  • Kaffee (bitte ausschließlich den teuren jamaikanischen Blue-Mountain-Kaffee verwenden!)

  • Toastbrot, das gar nicht in genügend großen Mengen auf dem Tisch stehen kann

  • einem exakt (!) dreieinhalb Minuten gekochten Ei vom Marans-Huhn und

  • aus Jersey-Butter nebst Fruchtaufstrich (einzig akzeptierte Sorten: Erdbeermarmelade der Sorte „Little Scarlet“ aus dem Hause Triptree und Cooper’s Vintage Oxford-Konfitüre)

Wir sagten ja bereits: Er ist eigen. Selbst die Art, wie und womit der Kaffee gebrüht werden muss, ist bei Fleming genauestens beschrieben. (Wer es noch genauer wissen möchte, dem sei übrigens der etwas andere Lebensratgeber „BONDify your life“ empfohlen. Eine wahrhaft weltherrschaftliche Lektüre!)

Dass wir uns aber nicht falsch verstehen: Ein echter Bond ist und trinkt natürlich auch alles andere. Aber nur, wenn er muss!

Sag, was du willst, aber …

„Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um Liebe zu machen. Ich werde jetzt frühstücken.“

Sagen Sie selbst: Ist das nicht der romantischste Satz, mit dem sich ein Tag beginnen lässt? James Bond wirft ihn der klar auf Kuschelkurs eingestellten Honey Rider an den Kopf, als sie in Ian Flemings Roman „Dr. No“ gemeinsam in den Morgen starten. Ja, dieser Bond weiß eben, was Frauen wünschen …

Aber genug der Ironie. Auch jenseits von spöttelnden Spitzen bietet 007 eine große Angriffsfläche für jeden, der sich an popkulturellen Zitaten versuchen will. So eine kleine Prise James kann nämlich durchaus die Würze sein, die Ihrem Alltag immer gefehlt hat. Sie stehen an der Haltestelle, und ein obernerviger Vollpfosten fragt, ob auch Sie auf den Bus warten? Antworten Sie ihm doch einfach „Nein, Mr Bond. Ich erwarte, dass Sie sterben.“ Das dumme Gesicht ist es definitiv wert.

Bloß nicht nachmachen!

Bond mag eine hohe Schmerztoleranz besitzen, aber auch er – und das wird Ihnen Felix Leiter sicher gern bestätigen – hat seine Grenzen. Und dann … schlägt er zurück. Wenn Sie einen Fan der Doppelnull auf die Südseepalme bringen möchten, handeln Sie aber auf eigene Gefahr, verstanden? Denn bedenken Sie: Er hat die Lizenz zum Töten!

  1. Bezeichnen Sie die Bond-Filme als kindisch, unlogisch und sexistisch. Alle Bond-Filme.

  2. Finden Sie die Romane von John Gardner besser als die von Ian Fleming. Weil sie „näher an den Filmen dran“ und somit „originalgetreuer“ seien. Erklären Sie standhaft, selbstverständlich könne ein 007 Rollkragenpullis tragen und einen Saab fahren! (Und Bonuspunkte bekommen Sie für die Behauptung, von Aston Martin hätten Sie noch nie gehört. Fragen Sie, ob das ein Schlagersänger sei.)

  3. Geben Sie sich als ausgesprochener James-Bond-Fachmann zu erkennen und zitieren dann lautstark seine coolsten Filmsprüche. Merken Sie erst an den entsetzten Blicken Ihrer Gesprächspartner, dass sie James Bond die ganze Zeit mit Jimmy Bondi (aus den unsäglichen „Dudu“-Filmen) verwechseln.

  4. Begnügen Sie sich mit der Welt.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

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