Creepy Christmas: Fünf Horrorfilme gegen öde Weihnachtsabende

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Creepy Christmas: Fünf Horrorfilme gegen öde Weihnachtsabende


Stille Nacht und Frieden auf Erden? Von wegen: Denn gerade an Weihnachten bietet sich jede Menge freie Zeit, um sich den Dingen zu widmen, die den Rest des Jahres zu kurz kamen – Horrorfilme! Bei all der ganzen Besinnlichkeit braucht es eben auch das Gegenstück. Während die Menschen heimelig unterm Christbaum sitzen, darf auf den Bildschirmen das Chaos ausbrechen. Horrorfilme erzählen nur zu oft davon, was passiert, wenn die Menschen sich nicht an Regeln halten. Und sei es nur ein vorgegebener Weg wie bei Rotkäppchen. Denn das Märchenhafte teilen sich Weihnachten und der Horror, das Erzählerische, das die Wirklichkeit in eine ganz eigene Poesie verwandelt. Oder einfach: Im vollgefressenen Zustand nach der Bescherung lässt sich die Zeit eben nur vor dem Fernsehen verbringen. Wer keine Lust auf die fünfte Wiederholung von »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel« hat, sollte jetzt aufpassen. Denn hier gibt es fünf schaurige Filme für die langen Weihnachtsabende. Und selbst für Weihnachtshasser finden sich zwei eiskalte Schocker in diesem Beitrag.

 

Krampus

Weihnachten, das Fest der Liebe. So sollte es zumindest sein. Auch in »Krampus«, der Horrorkomödie von Michael Dougherty aus dem Jahr 2015. Die typische amerikanische Familie will die Festtage zusammen verbringen. Wie so oft braucht es dafür jedoch reichlich Geduld mit den Verwandten. Denn besonders in der Stille dieser Tage fallen ihre lauten Unhöflichkeiten und ihr schlechtes Benehmen umso deutlicher auf. Nur der kleine Junge Max glaubt noch daran, dass diese Tage wunderschön werden könnten. Bis Familienkrach und Hass auf ihn übergreifen. Dabei wünscht er sich nur, dass Weihnachten wie früher sei. Ein gutgemeinter Wunsch. Der jedoch den Krampus auf den Plan ruft, jenes Gegenstück zum Weihnachtsmann, das der Mythenwelt des deutschsprachigen Alpenraums entspringt. Und zumindest das steht sehr schnell fest: Der Krampus bringt keine Rute mit – in seinem Sack wartet der pure Horror. Großgewachsen, entstellt und mit gigantischen Hörnern auf der Stirn verbreitet der Krampus Angst und Schrecken. Kein Helfer vom Nordpol, sondern eher Mitarbeiter des Monats Dezember in der Hölle. Ein Schneesturm fegt über die kleine US-Stadt. Der Strom fällt aus. Und der Krampus macht sich an seine Aufgabe. Die Familie von Max kämpft nicht mehr mit sich selbst, sondern ums Überleben. Gefräßige Lebkuchenmännchen, Teddybären und Spielzeuge rücken an. Die Familie wächst in diesen Duellen über sich hinaus und wieder zusammen. Alles mit dem üblichen Pathos, den es für einen Weihnachtsfilm braucht. Allerdings hat »Krampus« als Film weit mehr zu bieten. Zugegeben, die Moral der letzten Minuten verstopft mit ihrem Kitsch zunächst die Synapsen, besitzt aber immerhin einen wichtigen doppelten Boden, der diesen Film über den Durchschnitt hebt. Denn »Krampus« erzählt daneben vom Verlust der Kindheit, vom verzweifelten Wunsch des Festhaltens. Erinnerungen bleiben eben Erinnerungen. Egal, wie sehr wir es uns anders wünschen. Die vergangene Weihnacht kommt nicht wieder. Und das kann beim Fest der Liebe eine sehr schmerzhafte Erkenntnis sein. 

Trailer: Krampus

Nightmare Before Christmas

Der Klassiker darf nicht fehlen: »Nightmare Before Christmas« von 1993. Jack Skellington plagt die Langeweile. Brimborium kehrt in Halloween Town vor allem am gleichnamigen Fest ein. Doch Jack will etwas anderes. Nachdem er einen Blick auf Christmas Town warf, will er Weihnachten feiern! Mit allen Bewohnern von Halloween Town. Jack lässt den Weihnachtsmann entführen und wirft sich selbst in den Mantel, um Geschenke zu verteilen. Es wird chaotisch und trotzdem wunderschön, selbst wenn die Kinder hier unterm Baum Schrumpfköpfe finden. Der Film spielt immer wieder mit dem Genre des Musicals, ohne dabei jedoch die Emotionen hier künstlich aufzublasen. Dazu sorgt die Stop-Motion-Ästhetik für Erinnerungen an unschuldige Kinderfilme über Weihnachten. Und die Optik erinnert nicht zufällig an Tim Burton, er schrieb schließlich die Erzählung zum Film und produzierte mit. Horror und Heimeligkeit wechseln sich hier munter ab. Und damit schafft es »Nightmare before Christmas« vor allem den Geist der Weihnacht und den Geist von Halloween einzufangen. Denn die Geschichte um Jack und seine Freundin Sally schafft es gleichermaßen, Weihnachtsliebhaber und Weihnachtshasser vor dem Fernseher zu vereinen und ihnen einen wohligen Schauer der Freude über den Rücken laufen zu lassen. Damit am Ende alle singen: »Making christmas, making christmas is so fine, it’s ours this time.« 

Trailer: The Nightmare Before Christmas (1993)

Gremlins

Der Weihnachtsfilm für alle Menschen, die Weihnachten nichts abgewinnen können. »Du sagst, dass Du den Tag des Präsidenten oder Thanksgiving hasst und es interessiert niemanden, sagst Du aber, dass Du Weihnachten hasst, behandeln die Menschen Dich wie einen Aussätzigen.« Willkommen bei den Aussätzigen. Denn »Gremlins« von 1984 machte bereits damals als Groteske allerlei Punkte gegen die Verlogenheit und den Konsumterror an Weihnachten. Sein Vater schenkt Billy einen Mogwai, ein kleines flauschiges Wesen mit großen Kulleraugen, das herzzerreißend singen kann. Allerdings hat sein Vater das Geschenk aus einem dubiosen Laden in Chinatown erworben – und dabei drei Regeln für die Haltung des Mogwai mit auf den Weg bekommen: Der Mogwai darf nie dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sein, nicht nach Mitternacht fressen und nicht nass werden. Was passiert? Er wird nass. Und pflanzt sich so fort. Doch der flauschige Nachwuchs zeigt sich wesentlich weniger freundlich als der Mogwai namens Gizmo. Zuerst fesseln sie den Familienhund mit einer Lichterkette an die Veranda, dann verschaffen sie sich Futter. Nach Mitternacht. So verpuppen sich die niedlichen Kerlchen und verwandeln sich in kahle und groteske Monster. Das Chaos bricht los. Denn Gremlins stiften nur zu gerne Unruhe. Alles explodiert, was explodieren kann. Mach kaputt, was Du kaputt machen kannst. Warum ausgerechnet der Mogwai nun Gremlins hervorbringt, verrät der Film nicht. Zumindest wird aber schnell klar, dass die Gremlins alles andere als den Geist der Weihnacht verbreiten. Vielmehr stehen sie mit ihrem anarchischen Wesen für die Umkehr der Traditionen. Sie tun, was sie wollen. Egal, ob es gut ist oder nicht. Sie besuchen Bars und schauen »Schneewittchen und die sieben Zwerge« im Kino. Singen sie Weihnachtslieder, höhlen sie deren Bedeutung aus, indem sie weder Melodie noch Text dafür brauchen. Der Mythos der Gremlins geht auf Kobolde zurück, auf kleine Wesen, die in den beiden Weltkriegen die Flugzeuge sabotiert haben sollen. Flugzeuge gibt es in diesem Film nicht. Dafür genug andere elektronische Dinge, die sich manipulieren lassen. Treppenlifte zum Beispiel, die mit Hochgeschwindigkeit und alter Dame auf dem Sitz zum Katapult werden. Die beste Sabotage gegen kleberig gefühlsduselige Weihnachten. 

Trailer: Gremlins

Treevenge

Genug ist genug: Was für das Weihnachtsessen gilt, gilt ebenso für die Befindlichkeiten der Weihnachtsbäume. Jedes Jahr finden Tausende von Gräueltaten in den Wäldern statt. Gequälte und gepeinigte Tannen finden so ihren Weg in unsere Häuser. Doch in »Treevenge« schlagen die Bäume zurück. Feinster Trash bietet dieser Kurzfilm aus dem Jahr 2008 vom kanadischen Regisseur Jason Eisener, der neben »Death Note« auch an »ABC of Death« und »Hobo with a shotgun« gearbeitet hat. Sowohl beim Sundance Film Festival als beim New York City Horror Film Festival gab es dafür Auszeichnungen. Dabei bietet »Treevenge« nur: Rache. Blutige Rache. Denn die Bäume belassen es bei ihrem gewalttätigen Feldzug nicht nur bei der Hauskatze, sondern meucheln sich munter durch eine nicht näher beschriebene Kleinstadt. Das Blut spritzt literweise, Lametta zieht alte Menschen von Laternenmasten und auch ein Baby gerät unter die Tannen. Allerdings hätte das jedem aufmerksamen Zuschauer bereits innerhalb der ersten Minuten klar sein müssen, wenn die Kamera noch über idyllische Tannenwälder voller Schnee fährt – und dazu das Theme aus »Cannibal Holocaust« läuft. Mit subtiler Charakterzeichnung hat es dieser Film ebenfalls nicht. Aber wer erwartet das schon? Die Effekte wie die Dialoge sind liebenswert schlecht. Alles grenzwertig und bescheuert überzeichnet. Und das Beste: Die gesamten 16 Minuten des Films hat Regisseur Eisener selbst auf Vimeo eingestellt! So ein Kurzfilm lässt sich bestens am Smartphone zwischen Weihnachtsgans und Bescherung einschieben. Nur: Beim Geschenkeauspacken am besten Abstand vom Christbaum halten. 

Trailer: Treevenge

30 Days Of Night

An dieser Stelle könnten natürlich Filme wie »Santa’s Slay« oder »Jack Frost« stehen. Allerdings braucht es für den Genuss solcher Werke schon eine gewisse Vorliebe für B-Movies. Zudem soll es ja Menschen geben, die mit Weihnachten wirklich und absolut gar nichts zu tun haben möchten. Selbst das Programm auf dem Bildschirm soll nach Möglichkeit frei von Christbäumen und Besinnlichkeit bleiben. Aber Schnee, Eis und Dunkelheit dürfen ja sein – daher sei hier »30 Days Of Night« platziert, ein Horrorfilm aus dem Jahr 2007. Denn selbst unter der warmen Decke sorgt das Werk von Regisseur David Slade für eisige Schauer. Basierend auf dem gleichnamigen Comic von Steve Niles und Ben Templesmith erzählt der Film von einer Kleinstadt in Alaska, die während des Winters für 30 Tage in der Dunkelheit liegt. Zahlreiche Einwohner machen sich auf den Weg, um diese Zeit möglichst nicht dort zu verbringen. Das abgeschiedene Örtchen bleibt mit ein paar Menschen zurück. Und eben blutrünstigen Vampiren. Denn die Monster finden die perfekte ökologische Nische in der Kleinstadt vor. Abgeschnitten von der Außenwelt können die Bewohner weder Hilfe verständigen noch fliehen. Vor allem die Bilder von Schnee und Eis in der Dunkelheit sorgen bei »»30 Days Of Night« für eine klaustrophobische Stimmung. Daneben bietet der Film eine Talfahrt für seine Figuren, angeführt von Sheriff Eben Oleson, gespielt von US-Schauspieler Josh Hartnett. Am Ende geht es natürlich auch wieder um die alte Frage nach der Menschlichkeit: Was unterscheidet uns von den Monstern? Was können wir dem Bösen entgegensetzen? Und so gibt es am Ende in diesem Film doch noch ein wenig herzlichen Kitsch, den die anderen Nennungen auf dieser Liste vermissen lassen. 

Trailer: 30 Days of Night

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