Das letzte Gefecht der Menschheit – Stephen Kings „The Stand“

© Warner Home Video

REWATCH

Das letzte Gefecht der Menschheit – Stephen Kings „The Stand“


Stephen King ist wieder in aller Munde. Kino und TV scheinen den Vielschreiber aus Maine gerade wiederzuentdecken, denn überall sind neue Produktionen zu seinen Büchern in Arbeit, für die große Leinwand und das Pantoffelkino. Grund genug, eine frühe Verfilmung zu feiern, die seinerzeit als Mehrteiler fürs Fernsehen entstand und sich eines Stoffes annahm, den viele für unverfilmbar hielten.

Die Welt von The Stand

Als nach einem Sicherheitsunfall auf einem militärischen Sperrgebiet ein biologischer Kampfstoff freigesetzt wird, sind die Tage Amerikas gezählt. Keine zwei Wochen später ist nahezu die gesamte Bevölkerung an den Folgen der der Monstergrippe „Captain Trips“ qualvoll gestorben. Nur eine Handvoll Menschen ist aus unerfindlichen Gründen immun und durchstreift nun orientierungs- und perspektivlos die amerikanische Ödnis.

Plötzlich setzen Träume ein. Viele Überlebenden haben denselben Traum, in dem eine alte Frau namens Mother Abigail sie zu sich ruft. Es gelte, Gottes Werk zu vollbringen. Andere träumen von einem dunklen Mann – Randall Flagg – irgendwo in der Wüste Nevadas, und machen sich auf den Weg zu ihm. Das Gute und das Böse rekrutieren ihre Krieger, um das Schicksal der Erde ein für alle Mal zu entscheiden. The Stand – Das letzte Gefecht, wie Serie und Kings Roman auf Deutsch betitelt wurden – folgt den Erlebnissen einiger der Überlebenden und schildert den Untergang und den Neubeginn der Menschheit.

Trailer: The Stand

Die nackten Fakten

Irgendwann in den frühen Achtzigern kam Stephen King auf die Idee einer epischen Saga über den Untergang der menschlichen Zivilisation und den finalen Kampf der guten gegen die bösen Mächte. The Stand wurde die Idee tituliert, und der gute Steve begann, seine Schreibmaschine zu traktieren. Als Monate später sein Lektor über das fertige Manuskript las, gefiel ihm sehr, was er da sah. (Kein Wunder, denn schon damals hätte man selbst Kings Impfpass erfolgreich verlegen können. Hauptsache, Kings Name stand drauf!) Dennoch hätte der Umfang des Buches das Fassungsvermögen eines herkömmlichen Taschenbuches um ein Vielfaches überschritten. Der Rotstift musste her, und King selbst zog sich murrend an seinen Schreibtisch zurück, um sein vermeintliches opus magnum passgerecht zu schneiden. Gut gekürzt ging das Ganze schließlich in den Druck, wurde erfolgreich unters Volk gebracht und alle waren glücklich. Ende der Geschichte.

Ende der Geschichte? Nicht im Geringsten. Wo noch Geld zu holen ist, da schaut man früher oder später sicher mal wieder vorbei. Und so holte auch King einige Jahre später – nachdem er erfolgreich in die Riege der Hardcover-Autoren aufgestiegen war – das ungekürzte Manuskript nochmals hervor. Immerhin gab es noch mehrere hundert Seiten, die kaum jemand je gelesen hatte. Berni Wrightson lieferte ein paar wirklich wunderschöne Zeichnungen dazu und fertig war der literarische Extended Cut, der abermals ordentlich Geld machte. Ende der Geschichte?

Von wegen! Verfilmungsabsichten kamen über die Jahre immer mal wieder auf, doch hielt sich Stephen King erstaunlich verschlossen, wenn es um die Rechte zu The Stand ging. Verständlich, denn kein Film wäre diesem Mammutwerk von weit über 1000 Seiten inhaltlich auch nur annähernd gerecht geworden. Doch schon bald entdeckte ein anderes Medium, nämlich das Fernsehen, den King of Horror für sich, mit beachtlichem Erfolg.

Nicht zuletzt mit Es war kurz zuvor der Beweis erbracht worden, dass die XXL-Romane aus Maine ideales Futter für halbwegs teuer produzierte Miniserien abgaben. Als dann ein Fernsehsender bei King anfragte, auch The Stand auf diese Weise adaptieren zu dürfen und ihm zusätzlich das Recht einräumte, das Drehbuch selbst zu schreiben, stand dem Projekt nichts mehr im Wege.

Das Erbe

Narrativ gesehen ist The Stand – Das letzte Gefecht sehr eindimensional. Wir haben hier die Guten und da die Bösen. Damit sind die Figuren erstmal genügend charakterisiert. Spätestens nachdem der letzte Überlebende in seinem Team angelangt ist und alles auf die finale Konfrontation hinarbeitet, verliert die Serie einiges an Charme, da irgendjemand vergessen hat, die Klischeekiste zu schließen. Spätestens wenn die Hand Gottes ins Geschehen eingreift (und das meine ich wortwörtlich), hält es auch den loyalsten King-Fan vor Lachen nicht mehr im Sessel. Auch die Frage, ob der Rest der Erde von der Grippe heimgesucht wurde, bleibt unbeantwortet.

Die vorliegende TV-Miniserie ist daher auch eher eine Produktion für Hardcore-Fans des Kings. Zu peinlich sind manche Dialoge, zu unlogisch mancher Handlungsstrang, als dass Otto-Normalverbraucher diese Serie ernst nehmen könnte. Wer sich aber auf die Geschichte einlassen will und auch auf gelegentliche Trash-Ausflüge nicht allergisch reagiert, der wird mit knappen sechs Stunden Vergnügen belohnt. Kein Wunder, dass eine Neuverfilmung für die große Leinwand bereits seit Jahren im Gespräch ist!

 

--


Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

Share:   Facebook