Sinnsuche in Schlaghosen: Life on Mars

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REWATCH

Der Zweite Blick (Folge 24): Sinnsuche in Schlaghosen - Life on Mars


It’s a godawful small affair to the girl with the mousy hair, aber eben nicht für den jungen und erfolgreichen Ermittler Sam Tyler, der aus seinem geregelten Leben bei der Polizei von Manchester herausgerissen und in ein alles andere als normales Leben bei selbiger Dienststelle geschleudert wird – dreißig Jahre in die Vergangenheit!

Die Welt von Life on Mars

Während David Bowie sein eingangs zitiertes „Life on Mars“ aus sden Boxen schmettert, wird Sam Tyler Opfer eines Autounfalls und erwacht in den Siebzigern. Und somit in einer Zeit und einer Gesellschaft, die dem ehrgeizigen Polizisten von heute bald schon vorkommt wie vom andern Stern – on Mars eben. Mehr wider- als willig wird der völlig verwirrte Sam ein Teil der Polizeikräfte von 1973 und lernt deren „steinzeitliche“ Ermittlungsmethoden aus erster Hand kennen. Nicht selten eckt er bei Kollegen und Vorgesetzten mit seinen vermeintlich revolutionären Ansichten zur gewaltlosen Zeugenvernehmung oder dem festen Beharren auf die juristische Unschuld von Verdächtigen übel an. Und durch alle Alltäglichkeiten hindurch sucht er nach Hinweisen über sein Schicksal, nach Erklärungen für sein Hiersein und nach einem Weg nach Hause, in unsere Gegenwart. Ist er verrückt und bildet sich alles nur ein? Liegt er im Koma, wie manche Geräuschkulisse nahelegt? Was will ihm das Testbild seines kleinen Fernsehers sagen, das nachts zu ihm spricht. Und woher hat diese Serie eigentlich ihren genialen Soundtrack? Aus dem Vinyl Heaven?

Trailer: Life on Mars

Die nackten Fakten

Life on Mars ist neben dem gerelaunchten Doctor Who aktuell wohl der nennenswerteste Beweis dafür, dass es dem britischen Fernsehen möglich ist, ansprechende und visuell überzeugende Genreunterhaltung zu produzieren. Wer sich an frühere SF-Serien der BBC erinnert, wird sich beim im Vergleich schon anspruchsvollen Stil dieser Serie genüsslich im Sessel zurücklehnen und den rätselhaften Trip Sam Tylers genießen, der passenderweise übrigens nach einer Figur aus eben diesem neuen Doctor Who benannt wurde.

Aber ist LoM überhaupt eine Genreserie? Die Fans – und davon gibt es auch hierzulande einige – spekulierten zu Zeiten der UK-Erstausstrahlung dank Internet begeistert mit und reihten nach jeder einzelnen Episode neue inhaltsbezogene Verschwörungs- und Interpretationstheorien aneinander. Selbst im Soundtrack der Serie wurden Hinweise auf Sams Schicksal vermutet – es darf angenommen werden, dass sich sogar David Bowie selbst nie derart viele Gedanken über seine Lyrics gemacht hat. Die Fans taten es. Bis hinein in die zweite und letzte Staffel, die das Rätsel dann auch tatsächlich auflöste.

Doch Genreserie? Ist es schon Phantastik, wenn der Held sich selbst nicht sicher ist, ob er wirklich ein Zeitreisender oder doch eher ein Fall für die Psychatrie ist? Aufwändige Spezialeffekte, Raumschiffe oder ähnliche Versatzstücke aus der Klischeekiste sucht man bei LoM zumindest vergebens. Dafür findet man lange Koteletten und eine Herrenoberbekleidung, die heutzutage gegen die Menschenwürde verstieße.

Das Erbe

Nun wird es besonders interessant, denn der unerwartete Erfolg von Life on Mars führte zu unerwarteten Folgen. Nicht nur, dass die Serie in vielen Ländern adaptiert wurde – das deutsche Der letzte Bulle weist zumindest rudimentäre Parallelen auf –, auch im Heimatland hatte es Konsequenzen. Die Produzenten legten mit Ashes to Ashes ein Spinoff vor, das die Geschichte – mit neuer Hauptfigur und Achtziger-Setting – quasi weiterführte und ebenfalls gelang.

Stichwort Adaption: Ganz klar misslungen ist übrigens die US-Adaption von Life on Mars. Von deren Sichtung wird dringlich abgeraten!

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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