5 Dinge, die Obi-Wan Kenobi Luke Skywalker besser erzählt hätte (anstatt zu lügen)

© Lucasfilm / Twentieth Century Fox

FILM

5 Dinge, die Obi-Wan Kenobi Luke Skywalker besser erzählt hätte (anstatt zu lügen)


Emily Asher-Perrin
14.12.2017

Seit heute läuft "Star Wars: Die letzten Jedi" im Kino. Wieder mit an Bordi: die große Verantwortung, ein Jedi zu sein. Dabei hätte alles so viel einfacher sein können, wenn Obi-Wan Kenobi von Anfang an mit offenen Karten gespielt und den jungen Luke nicht nach Strich und Faden belogen hätte.

Sich „alter Ben“ zu nennen, geht schon in Ordnung. Jemandes Onkel zu beleidigen, ist zwar unhöflich, aber manchmal unvermeidlich. So zu tun, als würde man den alten Kopiloten/Droiden eines Freundes nicht wiedererkennen, ist zwar mies, spart jedoch Zeit. Aber entschuldigt das all die faustdicken Lügen, die Obi-Wan Kenobi Luke Skywalker auftischt? Sie wären verzeihlich gewesen, wenn sie entscheidend dazu beigetragen hätten, dass der Junge das Imperium stürzt – doch dem war nicht so, daher sind die meisten dieser Lügen (oder Halbwahrheiten) echt unverschämt.

Folgendes hätte Obi-Wan sagen können, um sich die lächerlichsten Lügen zu sparen. Denn mal ganz im Ernst: Der Großteil von dem, was Ben da erzählt, ist doch wirklich … jämmerlich.

Dein „Onkel“ und dein Vater sind sich exakt einmal begegnet

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1. Darth Vader und dein Vater sind ein- und derselbe Mann; sorry, aber dein Dad ist hier der Böse

Wenn ich anderen zu erklären versuche, wie ich Mist gebaut habe, denke ich mir immer eine gute Geschichte aus. Ich konnte nicht verhindern, dass ein Freund der bösen Seite verfallen ist? Dann tue ich natürlich so, als würde es sich um zwei verschiedene Personen handeln: den Mann, der mir nahegestanden hat, und den Typen, den ich ausgebildet habe und der Ersteren später umgebracht hat. Da klingt die Geschichte doch gleich viel schöner, oder?

Zugegeben, es gibt einige sehr gute Gründe dafür, Luke nicht sofort zu erzählen, dass Vader sein Vater ist. Indem man behauptet, Vader hätte den Vater ermordet, den Luke nie kennenlernen durfte, motiviert man ihn gleich noch mehr, das Imperium stürzen zu wollen. Allerdings hätte dieser Plan auch ordentlich nach hinten losgehen können. Schlimmstenfalls hätte sich Luke nur noch auf seine Rache konzentriert. Oder er hätte beschlossen, dass ihm die Sache zu heikel ist, und sich lieber nicht eingemischt. Vielleicht hätte er auch mehr wissen wollen und Obi-Wan noch lange, nachdem Alderaan in Weltraumstaub verwandelt worden war, Löcher in den Bauch gefragt. Diese ganze merkwürdige Geschichte über Vader, der Lukes Vater getötet hat, wirkt eher wie Obi-Wans verzweifelter Versuch, die peinliche Tatsache zu verschleiern, dass er zum Teil für Anakins Wechsel auf die Dunkle Seite verantwortlich war. Er kann von Glück reden, dass Luke seinen Machtgeist nicht zum Teufel gejagt hat, nachdem ihm in der Wolkenstadt die Wahrheit enthüllt worden war.

Ich erzähle dir mal ein bisschen was über den Jedi-Orden und das Imperium

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2. Dein „Onkel“ und dein Vater sind sich exakt einmal begegnet

Wäre es nicht leichter gewesen, Luke dazu zu überreden, seine Familie auf Tatooine zu verlassen und mit Obi-Wan loszufliegen, wenn man ihm einfach gesagt hätte, dass diese Leute eigentlich gar nicht mit ihm verwandt sind? Okay, es mag mitfühlender sein, diese Tatsache zu verheimlichen, aber so sah sich Obi-Wan gezwungen, Luke weiszumachen, dass sein Onkel Owen „nichts von den Idealen deines Vaters gehalten hat“ und meinte, „er hätte sich da raushalten sollen“. Was natürlich nie passiert ist, da Owen Lars Anakins Stiefbruder ist und ihm Jahre vor Lukes Geburt ein einziges Mal begegnete: als der verlorene Jedi-Sohn nach Tatooine zurückkehrte, um seine Mutter zu befreien, stattdessen jedoch nur ihre Leiche heimbringen konnte.

Owen und Beru Lars haben sich die ganze Zeit gut um Luke gekümmert, aber sie sind nicht mit ihm verwandt. Obi-Wan hätte sich sehr viel Zeit sparen und dem Jungen einfach sagen können, dass man ihn versteckt hat, um ihn vor dem Imperium zu schützen, es jetzt jedoch Zeit sei, sich zu zeigen. Das wäre vermutlich ein Schock gewesen, aber so hätte er den Jungen immerhin nicht stundenlang davon überzeugen müssen, dass er nicht das tun muss, was sein Onkel von ihm erwartet. Eigentlich hätte es doch nicht schwer sein dürfen, einen Teenager von der Feuchtfarm wegzulocken, aber Luke ist seltsam vernünftig für einen Heranwachsenden (mal abgesehen von den Abstechern zur Tosche-Station).

Deine Gefühle zu ignorieren ist kein guter Weg, um den Imperator zu besiegen

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3. Ich erzähle dir mal ein bisschen was über den Jedi-Orden und das Imperium

Bei diesem Punkt geht es nicht direkt um eine Lüge, allerdings wurden hier sehr viele wichtige Informationen verschwiegen. So etwas passiert, wenn man kurzsichtig und in Zeitnot ist. Obi-Wan (und übrigens auch Yoda) geben Luke so gut wie keine Hintergrundinformationen über den Krieg, in den er hineinstolpert. Der Grund dafür ist offensichtlich: Sie wollen, dass Luke etwas ganz Bestimmtes tut; er soll den Imperator und dessen rechte Hand vernichten. Daher konzentrieren sie sich darauf, ihm das Kämpfen beizubringen. Das führt dazu, dass Luke rein gar nichts über den Jedi-Orden, dessen Untergang oder den Aufstieg des Imperiums weiß. Er erfährt nur einen Bruchteil der Geschichte: Das Imperium ist der Grund dafür, dass dein Vater böse ist. Mehr muss dich nicht interessieren.

Aber was ist mit dem ganzen Rest? Diese Informationen sind wichtig für die Zukunft, die eintreten wird, falls Luke Erfolg hat. Da er nicht viel über die Jedi weiß, muss er sich weiterhin alles selbst zusammenreimen. Das kann dieselben Probleme heraufbeschwören, die schon einmal die Zerstörung des Ordens und den Aufstieg des bösen Imperiums herbeigeführt haben. Paradebeispiel: Nach allem, was wir aus Lukes Zeit nach »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« wissen, ist ihm seine neue Jedi-Schule förmlich um die Ohren geflogen und er konnte nicht verhindern, dass sein Neffe der Dunklen Seite verfällt. Hatten wir das nicht schon mal? Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das hätte verhindert werden können, indem man ihm ein paar Jedi-Bücher aus der Jedi-Bibliothek gibt. (Schon klar, sie wurde zerstört, aber einigen ist es gelungen, Holocrons voller Wissen zu retten, und Yoda war schließlich alt genug, um mehr als genug Informationen in seinem grünen Gehirn gespeichert zu haben.)

Die Prinzessin ist deine Schwester, also behalte deine Hormone im Griff

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4. Deine Gefühle zu ignorieren ist kein guter Weg, um den Imperator zu besiegen

In dieser Hinsicht hat Obi-Wan so gut gelogen – und zwar gleich mehrfach –, dass er sogar selbst daran glaubte. Auf gewisse Weise ergibt es sogar Sinn, wenn man bedenkt, dass sein bester Freund im ganzen Universum durchgedreht ist und so gut wie jeden, den sie kannten, umgebracht hat, Kinder eingeschlossen. Doch Obi-Wan hat sich der Jedi-Doktrin derart verschrieben, dass er ihre offensichtlichen Fehler schlichtweg nicht mehr sieht. Indem er darauf bestand, dass Anakin seine Gefühle ignoriert, hat er zum Teil zu dessen Wechsel auf die Dunkle Seite beigetragen. Sein Ratschlag klingt zwar vernünftig – der Imperator kann sich deine Gefühle zunutze machen, daher musst du sie verdrängen –, aber er widerspricht auch allen vorherigen Lektionen. Überdies lehrt Obi-Wan Luke später mit als Erstes, dass er „sich von seinen Gefühlen leiten“ lassen und „seinen Instinkten folgen“ muss, um die Macht zu nutzen. Damit widerspricht er sich doch selbst!

Vor allem erreicht Luke sein Ziel letzten Endes nur dadurch, dass er seinen Gefühlen traut, wie man es ihm beigebracht hat. Nachdem er seine Gefühle unterdrückt hat, bis er vor Zorn beinahe explodiert ist, nimmt er sich mitten im Kampf gegen seinen Vater endlich die Zeit zu erkennen, dass er zu weit gegangen ist. Er holt tief Luft, konzentriert sich und sagt dem Imperator, dass er immer ein Jedi sein wird – genau wie sein Vater. Diese Worte bewirken zusammen mit allem, was zuvor passiert ist, dass Anakin Skywalker wieder zum Vorschein kommt und den Imperator tötet. Hätte Luke seine Gefühle weiter ignoriert, wäre er wahrscheinlich gestorben und nichts hätte sich geändert. Nur dank der Emotionen konnte er das Blatt wenden.

Die wohl wichtigste Lüge bzw. Unterlassung hat allerdings weitaus weniger mit der Macht zu tun …

5 Dinge, die Obi-Wan Kenobi Luke Skywalker besser erzählt hätte (anstatt zu lügen)

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5. Die Prinzessin ist deine Schwester, also behalte deine Hormone im Griff

Wir sind hier nicht bei »Dune«, hier schläft man nicht mit seiner Schwester, um die Blutlinie reinzuhalten. Aber Ben sieht tatenlos zu, wie sich Luke in die Prinzessin aus dem Holovideo verguckt, und begleitet ihn sogar an einen der gefährlichsten Orte der Galaxis, um sie zu retten. Dabei weißt du doch genau, wie eine verbotene Liebe enden kann, Ben! Du hast es selbst mit angesehen, und das war nicht witzig, daher solltest du eingreifen und dem Jungen sagen, dass die Prinzessin seine Schwester ist. Das ist ja fast so, als hättest du Order 66 völlig vergessen oder dass dein ehemaliger Padawan und bester Freund durchgedreht ist, als er glaubte, seine heimlich Angetraute wäre dem Tode geweiht.

Du kennst die Skywalkers gut genug, um zu wissen, dass sie ihre Gefühle nicht immer im Griff haben, und doch lässt du diesen Jungen in die Irre laufen – denn es ist allein deine Schuld, dass sich die beiden küssen! DAS HÄTTEST DU VERHINDERN KÖNNEN, VERRÜCKTER ALTER BEN! Du hättest Luke ja nicht erzählen müssen, dass Leia seine Schwester ist, Cousine hätte es auch getan! Auf jeden Fall jemand, den er nicht so verliebt anschmachten darf. Dadurch hätten das ganze Chaos und die nachfolgende Therapie der beiden von vorneherein verhindert werden können. Doch das hast du nicht getan, Obi-Wan, und dafür solltest du dich schämen!

 

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Übersetzt von Kerstin Fricke. Dieser Artikel erschien zuerst auf Tor.com. 

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