Zur Zombie-Apokalypse kommt man nie zu spät – Wieso es sich immer noch lohnt, jetzt bei The Walking Dead einzusteigen

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Zur Zombie-Apokalypse kommt man nie zu spät – Wieso es sich immer noch lohnt, jetzt bei The Walking Dead einzusteigen


Peter Osteried
28.10.2017

In langlaufende Serien einzusteigen, ohne die ersten Staffeln zu kennen, ist wie zu einer Party zu kommen, bei der schon die Hälfte der Leute gegangen ist. Aber wie das halt so ist: Kann auch geil sein. Ein Plädoyer für „The Walking Dead“ von Peter Osteried.

Wer möchte schon gerne nach sieben Staffeln bei einer Serie einsteigen? Alleine die Aussicht, die vorherigen 99 Folgen per Binge-Viewing aufzuholen, mag den einen oder anderen verschrecken. Und wenn man das nicht tut? Wenn man einfach so einsteigt? Quasi ohne jede Vorkenntnis? Dann ist man doch im Personen-Wirrwarr verloren. In gewisser Weise stimmt das, ein wenig sollte man über „The Walking Dead“ schon wissen, alle Staffeln muss man aber nicht kennen. Entsprechend kann man auch wieder einsteigen, falls man im bisherigen Verlauf der Serie ihrer überdrüssig geworden ist, aber ihr noch eine Chance geben will.

Trailer: The Walking Dead - Staffel 8

Denn die Show hat sich durchaus entwickelt. Nicht ohne Tiefen, aber doch auch mit Höhen – und Negans Ankunft in der siebten Staffel kann man als Frischzellenkultur sehen. Der Governor aus der dritten Staffel mag für viele nach wie vor der liebste Schurke sein, Negan hat aber das Zeug, ihm den Rang abzulaufen. Weil er ähnlich wie der Governor tatsächlich glaubt, etwas Gutes zu tun, wenn auch auf seine sehr verdrehte Art und Weise. Aber er denkt, was er erschaffen hat, ist eine Form von Zivilisation.

Das macht die Figur interessant. So sehr, dass sogar die Hauptfiguren wie Rick in der siebten Staffel in den Hintergrund traten. Vielleicht auch deshalb, weil Negan so etwas wie ein dunkles Spiegelbild von Rick ist. Rick, wie er sein könnte, wenn er seinen moralischen Kompass aufgäbe und sich ganz und gar gehen ließe.

The Walking Dead

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Kalter Start in die achte Staffel?

Es hilft entsprechend, wenn man weiß, wer Rick und wer Negan ist. Die Grundsituation ist ohnehin bekannt: In „The Walking Dead“ geht es nicht um den Kampf gegen Zombies, sondern um den Konflikt zwischen Menschen, die im Angesicht der Zombie-Apokalypse teils jedwedes zivilisatorische Korsett fallen lassen. Das ist ein Element der Serie, das fast von Anfang an besonders betont wurde und sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht.

In der siebten Staffel gab es einige Abschiede hinzunehmen. Zwei der Hauptdarsteller wurden von Negan erschlagen, eine andere zog es in Richtung „Star Trek: Discovery“. Das macht es leichter, in die achte Staffel zu finden, da sich die Show auf weniger Figuren konzentrieren kann und muss. Ohnehin war und ist das Ensemble etwas groß, aber ein weiteres Ausdünnen steht zweifellos bevor. Denn die siebte Staffel war nur so etwas wie die lange, gewalttätige Vorbereitung für die neue Season. Sie zeigte, wie Negan mit seinen Saviors die Menschen von Alexandra, dem Hilltop und dem Königreich ausbluten ließ – metaphorisch, aber auch real. Unterdrückte erheben sich irgendwann immer. Entsprechend wird eine Allianz aus diesen drei Gemeinden geschmiedet, mit der Negan Paroli geboten werden soll.

Das ist das Ende der siebten und der Ausgangspunkt der achten Staffel. Was nun folgt, hatte in den Comics den plakativen Titel „All-out War“. Das erzählte Comic-Schöpfer Robert Kirkman im Verlauf von zwölf Heften. Man kann entsprechend davon ausgehen, dass dieser Storybogen auch in der achten Staffel länger ausgespielt wird.

Das wird auch so etwas wie der Höhepunkt der Serie, denn danach wird etwas folgen, das es nach der zweiten Staffel schon einmal gegeben hat – einen Zeitsprung.

The Walking Dead

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Ein älterer Rick erwacht

Der Trailer zur achten Staffel zeigt am Ende einen älteren Rick mit einem längeren, grauen Bart, der in seinem Bett erwacht. Dies erinnert an die erste Szene überhaupt, in der man Rick gesehen hat, als er in der ersten Folge der Serie aus dem Koma erwacht ist. Hier ist es anders, hier wird einige Zeit vergangen sein.

Wie viel, darüber kann man nur spekulieren, ebenso darüber, an welchem Punkt der Staffel dies passieren wird – vielleicht ja sogar erst in der Finalfolge. In den Comics war es so, dass nach „All-out War“ ein zweijähriger Zeitsprung stattfand. In der Zeit hat sich einiges verändert. Zwischen Alexandria, dem Hilltop und dem Königreich wird rege Handel getrieben, eine Form von Zivilisation hat sich wieder etabliert. Und Negan? Der hat den Krieg überlebt, wird nun aber als Gefangener gehalten.

Genauso könnte es auch in der achten Staffel laufen. Allerdings hat Showrunner Scott M. Gimple, der ein bekennender Fan der Comics ist, auch immer wieder gezeigt, dass er die dort dargebotenen Geschichten nicht einfach übernimmt, sondern sie variiert. Er beschrieb das in einem Interview so: „Bei manchen Geschichten in den Comics stelle ich mir Fragen, und aus diesen Fragen heraus ergeben sich Alternativen.“

Die kann er nun auch ganz und gar alleine erkunden. Denn Robert Kirkman ist nicht länger an der Fernsehserie beteiligt. Er hat nicht nur einen Rechtsstreit mit AMC, sondern ist auch einen Exklusivvertrag mit Amazon Studios eingegangen, so dass er sich als Produzent von „The Walking Dead“ zurückgezogen hat. Inspirierend wirkt er aber nach wie vor, da die Comic-Geschichten sehr viel weiter sind und immer noch die Grundlage bilden.

The Walking Dead

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Entsprechend könnte es auch sein, dass der große Krieg schon zur Hälfte der Staffel vorbei ist oder direkt im Anschluss, wenn die Show aus der Winterpause zurückkehrt. Dann ergäbe auch der Zeitsprung Sinn und würde es zudem neuen Zuschauern erleichtern, in die Serie einzusteigen, weil man ganz plötzlich einen Tabula-Rasa-Moment hat.

Nach dem Zeitsprung ist jeder auf dem gleichen Stand. Was dazwischen passiert ist, mag man in Rückblenden erfahren – oder auch nicht. In den Comics hatte es auch keine echte Bedeutung. Stattdessen blickte man nach vorne.

Die Serie kann sich damit neu erfinden und bietet den perfekten Einstiegspunkt. Lohnend ist das dann, weil „The Walking Dead“ noch einige Zeit laufen wird. Die Quoten haben in den USA leicht nachgelassen, für den Sender AMC ist die Show aber immer noch ein gigantischer Erfolg. Robert Kirkman erklärte zudem zu einer Zeit, als er noch daran beteiligt war, dass er problemlos zehn Staffeln kommen sieht. Und warum auch nicht, bei den Comics ist schließlich auch noch lange nicht Schluss, auch wenn Kirkman längst weiß, wie die Serie enden soll. Nur wann, das ist unklar – außer natürlich, dass bis dahin noch einige Zeit vergehen wird.

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