TOP 5 - Historische Vorbilder zu Game of Thrones

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GAME OF THRONES

Geschichtsunterricht mit George R. R. Martin: Historische Vorbilder zu Game of Thrones


George R.R. Martins Fantasy-Epos »Das Lied von Eis und Feuer« hat das Fantasy-Genre salonfähig gemacht und aus seinem Nischendasein befreit. Die Geschichte hat selbst jene fasziniert, die sonst mit Fantasy eher weniger am Hut haben. Sowohl die Romane, als auch die Serien-Adaption, bestechen durch ihre Authentizität und dem Erlebnisgefühl realen Geschehnissen beizuwohnen, mit komplexen Charakteren und nicht den sonst so gerne in Fantasy-Landschaften angesiedelten Helden-Stereotypen.

Schon beim Schreiben ist Martin mit dem Anspruch an sein Werk herrangegangen, es mit der Detailfülle und dem Realismus historischer Romane auszufüllen, also ein künstliches Geschichtswerk zu schaffen.  Dabei ließ sich Martin nach eigener Aussage stark von historischen Romanen wie denen von namhaften Autoren wie Bernard Cornwell (»Sharpe«) und Maurice Druon (»Die unseligen Könige«) beeinflussen. Das Ergebnis: eine der erfolgreichsten Fantasy-Epen aller Zeiten. Aber genauer betrachtet weisen die Ereignisse in Westeros starke Parallelen zu realen historischen Begebenheiten auf, die unser Autor Stefan Servos einmal genauer unter die Lupe genommen hat.

Lennister vs. Stark – Die Rosenkriege

Für seine Erzählung bediente sich George R.R. Martin vor allem großzügig bei den englischen Rosenkriegen, in denen die Häuser Lancaster (Rote Rose) und York (Weiße Rose) zwischen 1455 und 1485 jeweils ihr Anrecht auf die britische Krone geltend machen wollten. Die komplexen historischen Ereignisse enthalten alle Komponenten für eine spannende Geschichte. Der kränkliche König Henry VI. gleicht nicht nur charakterlich König Robert aus »Game of Thrones«, sondern verstirbt ebenfalls auf mysteriöse Art und Weise. Ähnlich geht es seinem Reichsprotektor bzw. seiner Hand Herzog Richard von York, den, als der die Thronfolge des zwölfjährigen Edwards in Frage stellt, schon nach kurzer Zeit das gleiche Schicksal ereilt wie Ned Stark..

Die Strippen im Hintergrund wurden zu dem Zeitpunkt längst von Henrys intriganter und machthungrigen Ehefrau Margaret von Anjou (Cersei) gezogen, die nach dem Tod ihres Mannes ihren zwölfjährigen Sohn Edward auf den Thron setzen will. Der blondgelockte Kindskönig erweist sich als äußerst sadistisch und lässt ebenso gerne Köpfe rollen wie Joffrey in Königsmund. Die Parallelen zu dem Konflikt der Häuser Lennister und Stark und deren Protagonisten sind teilweise so offensichtlich, dass Martin keinen Hehl daraus macht und offen zugibt, dass die Rosenkriege als Hauptideengeber für »Das Lied von Eis und Feuer« dienten. Die beiden Geschichten seien »Geschwister im Geiste«, so Martin.

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Die Mauer – Der Hadrianswall

Westeros ist nicht nur in seiner Form Großbritannien ähnlich, sondern liegt wie England an einer Meerenge. Aber die wichtigste Gemeinsamkeit ist wohl die große Schutzmauer im Norden des Landes. Bei einer Englandreise im Jahr 1981 besuchte George R.R. Martin erstmals die Überreste des Hadrianswalls, jene Steinmauer, die zur späten Römerzeit auf einer Länge von rund 113 Kilometern den Süden Englands vor den barbarischen Horden aus dem Norden schützen sollte. »Wir liefen auf dem Hadrianswall entlang, während die Sonne unterging«, erinnert sich Martin später in einem Interview. »Es war Herbst. Ich stand dort, ließ den Blick über die Hügel von Schottland schweifen und fragte mich, wie das wohl für einen römischen Zenturio aus Italien, Griechenland oder sogar Afrika gewesen wäre, nur gekleidet in Felle und ohne zu wissen, was dort im Norden auf mich wartet.«  Ein Gedanke, der ihn offenbar ungeheuer fasziniert und nicht mehr losgelassen hat. Das Ergebnis kennen wir alle.

Die Rote Hochzeit – The Black Dinner / Das Massaker von Glencoe

Eines der dramatischsten Ereignisse in »Das Lied von Eis und Feuer« ist ohne Zweifel die Rote Hochzeit, die Feierlichkeiten zur Vermählung von Edmure Tully und Roslin Frey, die in einem grausamen Gemetzel an den Starks enden. Dieses drastische Blutbad hat tatsächlich gleich zwei berühmte historische Vorbilder, die beide im mittelalterlichen Schottland angesiedelt sind.

Um die Macht der Familie Douglas zu brechen, wird im Jahr 1440 der sechste Earl of Douglas (genau wie Robb zu dem Zeitpunkt erst 16 Jahre alt) samt Gefolge zu einem Festessen nach Edinburgh Castle geladen. Der Legende zufolge wird ihnen dort beim Essen ein schwarzer Bullenkopf serviert, bevor sie noch an der Festtafel hingerichtet werden. Das Ereignis geht als das »Black Dinner« in die Geschichte ein.

Das zweite grausame Ereignis, von dem sich George R. R. Martin offenbar inspirieren ließ, ist das Massaker von Glencoe aus dem Jahr 1692, bei dem der Clan der MacDonalds von Soldaten unter dem Kommando von Robert Campbell abgeschlachtet wird.  Bei dem Massaker sterben 78 Männer, Frauen und Kinder. Besonders schockierend ist die hochgradige Missachtung der Gastfreundschaft, denn die MacDonalds hatten die Soldaten gutgläubig als ihre Gäste in ihr Haus geladen und sie bewirtet. Bis heute trägt der Pub in Glencoe ein Schild an der Tür, das allen »Campbells« den Zutritt verwehrt. Vermutlich erlangt auch die Gastfreundschaft der Freys auf Westeros eine ähnlich traurige Berühmtheit.

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Margaery Tyrell – Anne Boleyn

Bekanntester und berüchtigtster König der Tudor-Ära ist Henry VIII., der vor allem durch seinen enormen Verschleiß an Ehefrauen berühmt wurde. Aber kaum eine seiner Frauen hat so großen Einfluss auf das britische Königshaus wie Anne Boleyn, die ähnlich wie Margaery Tyrell in Westeros starken politischen Einfluss ausübt. Anne Boleyn bringt den König dazu, seinen Glauben zu hinterfragen und mit dem Papst und mit der römisch-katholischen Kirche zu brechen. Als sie ihren Gegnern schließlich unbequem werden, werden sowohl Margaery als auch Anne der Unzucht mit ihrem Bruder und einigen anderen Männer beschuldigt. Anne Boleyn wird nach dem Geständnis der vermeintlichen Liebhaber, welche sich tagelanger Folter ausgesetzt sahen, geköpft. Ähnlich ergeht es auch Margaery, als sie zum Störfaktor in den Plänen ihrer Schwiegermutter Cersei wird. Nur dass sie am Ende nicht den Kopf verliert, sondern bei der Explosion der Große Septe ums Leben kommt.

 

Funfact: Schauspielerin Natalie Dormer, die Margaery Tyrell in der HBO-Serie verkörpert, ist durch ihrer Darstellung von Anne Boleyn in der TV-Serie »Die Tudors« berühmt geworden.

Daenerys Targaryen – Henry Tudor

Und dann ist da noch der vergessene Königserbe, der nach 20 Jahren im Exil mit einer fremden Streitmacht über die Meerenge in seine Heimat zurückkehrt. Wegen der Fehde mit dem Hause York ist die Familie von Henry Tudor über die Meerenge (in die Bretagne) geflohen, so wie Daenerys‘ Familie nach der Vertreibung aus Westeros nach Pentos fliehen musste. Aber weder Henry noch Daenerys geben im Exil ihren Anspruch auf die Krone auf. Genau wie Daenerys weiß damals auch Henry nur wenig über seine eigentliche Heimat. Beide leben jahrelang im Exil jenseits der Meerenge. Auch Vaterfiguren spielen bei beiden eine wichtige Rolle. Während Daenerys eine Zeit lang von Magister Illyrio Mopatis beziehungsweise später von Ser Jorah Mormont unter die Fittiche genommen wird, wird Henry von seinem Onkel Jasper Tudor großgezogen. Und diese Mentoren haben nur ein Ziel: ihren Schützling zurück auf den Thron zu bringen. Daenerys ist gerade erst 13, Henry Tudor 14 Jahre alt, als die ersten Bündnisse zur Rückeroberung des Throns geschlossen werden. Und beide beginnen schon im jugendlichen Alter, Streitkräfte anderer Nationen und Söldner um sich zu sammeln, mit denen sie dann zurück in ihre Heimat segeln. Bei Henry sind es Franzosen, bei Dany die Dothraki, die Unbefleckten aus Astapor und die befreiten Sklaven aus Yunkai.

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