Der zweite Blick: 5ive Days to Midnight - Ein Mann gegen die Zeit

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5ive Days to Midnight - Ein Mann gegen die Zeit


Ist es ein Fluch oder ein Segen, die genauen Umstände des eigenen Todes zu erfahren? Physikprofessor J.T. Neumeyer erhält einen Wink des Schicksals, als ihm ein ungewöhnlicher Polizeibericht in die Hände fällt – der Bericht über den Mord an ihm selbst. Mit einer Deadline von nur noch fünf Tagen bis zum genannten Zeitpunkt, setzt Neumeyer alles in Bewegung, um die Zukunft zu verändern.

Die Welt von 5ive Days to Midnight

Es geht aufwärts für J.T. Neumeyer, den verwitweten Professor aus Everett, USA. Zehn Jahre ist es nun schon her, dass seine Gattin bei der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Jesse starb, und J.T. lernt langsam, sich mit der Vergangenheit abzufinden. Anlässlich des zehnten Jahrestages ereignet sich ein buchstäblicher Schicksalsschlag.

Dabei fängt der Tag schon bedeutungsschwanger an, als ein Stück Baumaterial, von einer Baustelle herabfallend, sich durch J.T.s Autodach drängt – ein böses Omen? Doch Neumeyer hat keinen Grund zum Aberglauben. Und auch nachdem er beim Besuch am Grab seiner Frau einen mysteriösen Koffer findet, zweifelt er noch keinen Moment daran, Opfer eines bösen Streichs zu sein, enthält besagter Koffer doch einen ausführlichen Bericht über Tathergang und Umstände seiner am 11. Juni stattfindenden Ermordung in einem schäbigen Stripclub namens „Buck Naked“.

Nach und nach geschehen Ereignisse, die mit den Angaben des vermeintlich fingierten Polizeiberichts übereinstimmen – so bekommt J.T. etwa genau den Parka geschenkt, in dem er laut Kofferinhalt erschossen werden wird. Schließlich beginnt er zu zweifeln und startet eigene Nachforschungen. Doch seine größten und gefährlichsten Gegner bleiben die gnadenlos tickende Uhr und die Frage, ob sich die Zukunft überhaupt verändern lässt.

Trailer: 5ive Days to Midnight

Die nackten Fakten

Zugegeben, die Grundplotte ist nicht neu. Die Geschichte der SF ist voll mit Ansätzen, dem fiktiven Phänomen Zeitreise kreativ zu begegnen. Nicht selten beinhalten diese Umsetzungen auch die Frage nach der Veränderbarkeit der Vergangenheit und/oder der Zukunft. Von H.G. Wells’ Zeitreisendem, den es ins die Ära der Morlocks verschlug, hin zu Dr. Sam Beckett, den ein außer Kontrolle geratener Zentralcomputer in immer andere Jahre und Situationen katapultierte – das Thema ist altbewährt. Und schon Doc Emmett L. Brown belehrte uns im Kino inständig, uns nicht mit Wissen über unsere Zukunft zu belasten. J.T. Neumeyer würde ihm zustimmen...

Dennoch gelingt es Regisseur Michael W. Watkins und den Autoren um Robert Zappia, der Geschichte neue Aspekte abzugewinnen – mithilfe einer gehörigen Prise Hitchcock.

„Hitchcock meets SciFi“ bewarben die Produzenten „5ive Days To Midnight“ bei der Erstausstrahlung im US-Fernsehsommer 2004 und bezogen sich damit primär auf die Figur Neumeyers, einen klassischen unfreiwilligen Helden im Sinne Sir Alfreds. Wie die etwa von James Stewart und Cary Grant verkörperten Protagonisten aus „Hitchs“ Filmen, stellt auch Timothy Hutton einen Mann dar, der eigentlich nicht aus der Masse Mensch heraussticht. Dann jedoch wird er gegen seinen Willen und ohne sein Verschulden in eine Situation gestoßen, in welcher er handeln muss, und er beginnt seine Umgebung und seine vermeintlichen Freunde zu hinterfragen. Wem kannst du noch vertrauen, wenn es scheint, als sei die ganze Welt hinter dir her? Und aus dem alltäglichen Kampf gegen die Routine wird plötzlich ein Kampf ums nackte Überleben.

Das Erbe

Diese fünfteilige Miniserie schlug nie große Wellen. Sie kam, sie war, sie ging – aber mehr wollte sie auch nie sein. Im Zeitalter auf Endlosigkeit angelegter Produktionen kann so ein abgeschlossenes, kurzes SF-Mystery-Spektakel wie dieses allerdings äußerst entspannend sein! Daher: Zurücklehnen und genießen ist angesagt. Neumeyers Uhr tickt, und er ist fest entschlossen die Zukunft zu ändern. Schnurzegal, was Doc Brown dazu sagt.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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