Agents of S.H.I.E.L.D, Defenders und Inhumans – Eine kleine Geschichte des Marvel-Superhelden-Universums im Fernsehen und im Netz.

© Marvel / ABC Studios / Walt Disney Studios Home Entertainment

FILM

Eine kleine Geschichte des Marvel-Superhelden-Universums (Teil 1): Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.


Das Marvel Cinematic Universe wächst und wächst, und das nicht nur im Kino, sondern auch im Fernsehen oder auf den Streaming-Plattformen. Selbst eingefleischte Fans verlieren gelegentlich den Überblick – Zeit für eine knappe Zusammenfassung. Wir starten im ersten Teil unserer Artikel-Serie mit Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.

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Es war das Jahr 1996 und die Welt ging unter. Zumindest die Welt des Marvel-Universums, denn der Verlag war pleite und verscheuerte sein Tafelsilber: die Filmrechte an seinen Charakteren. Eine Entscheidung, die man später noch bitter bereuen sollte.

Der arrivierteste Superheld des Marvel Verlags, Spider-Man, ging an Sony Columbia. Die Rechte für die X-Men, damals Marvels erfolgreichste Franchise-Serie, die mit bis zu zwölf Heften pro Monat erschienen, kaufte die 20th Century Fox. Die Fantastic Four, die Gründungsserie des Verlages schlechthin, befand sich schon seit Jahren in den Händen von Bernd Eichingers Constantin; der Deal wurde – auch über die Fox – verlängert. Und Nebenfiguren wie Hulk, Namor oder das gruselige Man-Thing gingen an Universal und Lionsgate.

Dann, um die Jahrtausendwende herum, begannen Fox und Sony richtig Geld zu verdienen mit den ersten Superheldenfilmen, die zu Blockbustern wurden. Selbst der Vampirjäger Blade, den Marvel 1998 verkaufte, war ein ziemlicher Erfolg an der Kinokasse. Marvel selber hatte dem wenig entgegenzusetzen, schließlich hatte man nur die Filmrechte an den zweitrangigen Figuren behalten. Es waren der Präsident und Vorstandsvorsitzende von Marvel, Avi Arad, und sein Stellvertreter Kevin Feige, die einen mutigen einsamen Entschluss fassten. Das Marvel Cinematic Universe (MCU) wurde geboren und eine Serie von zunächst fünf Filmen  geplant, die alle aufeinander aufbauten: Iron Man, der Hulk (inzwischen von Universal zurück gekauft), Thor und Captain America sollten von 2008 bis 2012 zu den Avengers werden. Da bereits der erste Iron Man-Film ein großer Erfolg wurde, erweiterte man die Serie um eine Fortsetzung. Inzwischen gehört der Marvel Verlag zum Disney-Imperium und Geld spielt hier keine Rolle mehr. Einige der MCU-Filme haben über eine Milliarde Dollar eingespielt, da konnte man sich für die dritte Welle der Filme auch mit Sony einigen und leiht sich den Netzschwinger Spider-Man gleich für mehrere Filme aus.

Bereits in der zweiten Welle ab dem Jahr 2013 kamen erste Fernsehserien zum MCU: Der Avengers-Regisseur Joss Whedon und sein Team kreierten die Weltall- und Dimensionsumspannenden Geheimagenten Agents Of S.H.I.E.L.D. für den Sender ABC. Und das aufstrebende Streaming-Portal Netflix interessierte sich für die eher geerdeten Serien rund um den New Yorker Helden Daredevil.

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.

Es war Nick Fury, der geheimnisvolle Chef von S.H.I.E.L.D. (das Akronym steht in den Filmen des MCU für „Strategic  Homeland Intervention, Enforcement, and Logistics Division“), der hinter der Gründung der Avengers steckte. In jedem Kinofilm hatte Samuel L. Jackson als Nick Fury einen Gastauftritt, und es dauerte nicht lange, bis man den großen Plan entdeckte: eine Superheldengruppe zu schaffen, die die Menschheit im Auftrag der UN beschützt. Was lag also näher, als den menschlichen Agenten dieser Organisation eine eigene TV-Serie zu verpassen?

Für den etwas holprigen Start der „Agents“ sorgte Joss Whedon, als Schöpfer von Buffy The Vampire Slayer und Firefly bereits eine lebende TV-Legende, sein Bruder Jed und seine Schwägerin Maurissa Tanchareon. Zunächst mal musste man erklären, warum die Hauptperson der Serie, Agent Coulson, seinen offensichtlichen Tod im Avengers-Film überlebt hatte. Um ihn herum wurde in Folge ein Team von Agenten geschaffen, von der coolen Martial-Arts-Spezialistin Melinda May, über die beiden Wissenschaftsnerds Leo Fitz und Jemma Simmons, bis hin zu der rätselhaften Computerhackerin Daisy „Skye“ Johnson.

Nach einer grandiosen Pilotepisode verläpperte sich die erste Staffel jedoch im typischen Aufbauen der Charaktere und dem eher komisch wirkenden Erklärungsversuch, wie Agent Coulson seinen eigenen Tod ein Schnippchen schlug. Erst im zweiten Teil der Season – mit einigen Episoden, die direkt Bezug auf die Kinofilme Thor: The Dark World und Captain America: The Winter Soldier nahmen – wurde klar, wie raffiniert die Serie konstruiert war (dazu kamen ein Gastauftritt von Marvel-Mastermind Stan Lee, der zu den besten gehörte, und einige Ostereier, die bei den Hardcore-Fans für Schreie der Entzückung sorgten).

Trailer: Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. - Season 1

Mit dem Auftreten der außerirdischen Rasse der Kree in der zweiten und dritten Staffel wurden die Agents Of S.H.I.E.L.D. dann auch mit dem Kinofilm Guardians Of The Galaxy verknüpft. Gleichzeitig baute man die Figur der Skye immer weiter auf: Sie bekam erderschütternde Kräfte, den Superheldennamen Quake und eine Backstory, die auf die Rasse der Inhumans zurückging. Diese Inhumans sind ein Gen-Experiment, das die Kree in grauer Vorzeit mit den Menschen begonnen hatten, bevor sie es aus bisher unbekannten Gründen (diese Gründe werden vermutlich im Film um Captain Marvel erklärt, der 2019 in die Kinos kommen soll) verläppern ließen.

An dieser Stelle ein kurzer Einschub der schnöden monetären Realität: Da die Marvel Studios keine Filmrechte an den X-Men haben (die nach wie vor als Marvel Comics erscheinen), die 1965 von Jack Kirby und Stan Lee erschaffenen Inhumans aber wie eine Blaupause der Mutanten wirken, wurde diese Superheldenfamilie in den letzten Jahren verstärkt auch in den Comics aufgebaut. Im Streit mit Constantin und der 20th Century Fox um die Rechte an den Fantastic Four hatte Marvel diese Ursprungsserie des Verlages im Jahr 2015 stur eingestellt. Vielleicht plant man ja mit den X-Men ähnliches.

Übersicht: Marvel-Serien und wo sie zu finden sind


Bisher (stand Sommer 2017) auf DVD/Blu ray erschienen:

Agents Of S.H.I.E.L.D., Season 1 mit 22 Episoden

Agents Of S.H.I.E.L.D., Season 2 mit 22 Episoden

Agent Carter – Die komplette Serie mit 18 Episoden

Daredevil, Season 1 mit 13 Episoden

Daredevil, Season 2 mit 13 Episoden

Jessica Jones, Season 1 mit 13 Episoden

 

Bisher auf Streaming-Plattformen zu sehen:

Luke Cage, Season 1 mit 13 Episoden (Netflix)

Iron Fist, Season 1 mit 13 Episoden (Netflix)

Defenders, Season 1 mit 8 Episoden (Netflix)

Legion, Season 1 mit 8 Episoden (Amazon)

 

Bisher im Netz abrufbar:

WHIH World News, zwei Staffeln mit jeweils 5 Episoden

Slingshot, eine Staffel mit 6 Episoden

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