Länder, Jedi, Abenteuer – Unterwegs in Fankulturen: Zombisten mögen’s roh und knurrig

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KOLUMNE

Länder, Jedi, Abenteuer (14): Zombisten mögen’s roh und knurrig


Jahrzehntelang fristete er ein ungeliebtes Nischendasein und galt wahlweise als Stoff trivialster Horrortropen oder als sozialkritische Parabel (mit viel Kunstblut): Der Zombie erlebt in diesen Tagen, in denen weltweit die Hirnlosen das Ruder übernehmen, und das wutgierige Knurren in den politischen Diskurs einziehen will, eine ungeahnte Renaissance. Kein Wunder also, dass auch die Scharen seiner Fans tagtäglich größer werden. Durch TV-Serien wie „The Walking Dead“ angefangen, steht dem Phänomen Untoter derzeit jedwede multimediale Bühne der Phantastik weiter offen als eine frisch aufgerissene Bauchhöhle es je könnte. Wenn George Romero das damals schon gewusst hätte…

Der Fanotyp

Na, Vegetarier dürften sie nicht sein. Aber vermutlich ist auch das nur ein Vorurteil – und mit denen kennen die Fans des Zombiegenres sich garantiert aus. „Was magst du? Geschichten über wandelnde Leichen, die die Lebenden auffressen wollen? Kind, was stimmt denn nicht mit dir?“ Die Geschichte der Zombies war schon immer eine Geschichte voller Missverständnisse. Zugegeben: Es ist auch schwierig, den Tantchen Emmas und Oma Herthas dieser Welt zu erklären, wo sie herkommen soll, diese Faszination für verwesende Untote mit Heißhunger auf fangfrisches Kleinhirn.

Ein Zombiefan sieht (daher?) vermutlich eher selten so aus wie das Objekt seiner nerdischen Begeisterung. Offene Wunden, und seien sie auch nur aufgeschminkt, trägt man in den Fußgängerzonen und Restaurants unserer Tage eben nicht gerade häufig zur Schau, und die schmutzig-zerfetzte Kleidung, die zum perfekten Zombie-Cosplay so unabdingbar dazugehört wie der leere Blick und das gutturale Ächzen, sorgen in der vollbesetzten U-Bahn nicht nur während des Feierabendverkehrs für sehr fragende Blicke.

Dinner for Fan

Was isst ein Zombie? Natürlich Braaaaiiiiinnnnsss, du Schnarchnase! Wer einen Freund der Wandelnden bekochen möchte, greift selbstverständlich zum Hannibal-Lecter-Menü und bringt die berühmten „kleinen grauen Zellen“ auf den Tisch – idealerweise direkt vom Erzeuger. Kulinarische Finessen wie Gewürze, Beilagen und den Herd kann man sich getrost verkneifen, denn ein echter Zombie hat ohnehin keinen (Geschmacks-)Nerv dafür. Roh und blutig, das sind die Zauberworte. Alles andere wäre zu etepetete, und wenn ein Zombie eins nicht ist (und nicht isst, versteht sich), dann ja wohl etepetete!

Alternativ tut’s aber natürlich auch ein, ähem, lustig geformter Wackelpudding…

Sag, was du willst, aber …

Sprache ist für Babys! Wahre Walker verzichten auf so unnütze Details wie Konjugationen, Suffixe, Relativsätze - und auf Sätze im Allgemeinen. Wofür Worte verwenden, wenn gieriges Knurren genügt? Von Alliteration und Rhetorik ist noch niemand satt geworden, mit einem gut abgehangenen Markhirn kann sich ein Untoter aber einen höchst nährenden Nachmittag gestalten. So muss man das sehen!

Also: Weg mit Duden und der Deutschgrammatik. Der Trend geht zurück zum ursprünglichen Gegrunze. In diesem Sinne: Aaaaarrrggghhh!

Bloß nicht nachmachen!

Zombiefans reden nicht viel, hören Sie aber durchaus gut. Vorausgesetzt, ihre Ohren sind noch nicht den Weg alles Irdischen gegangen und verwest. Wollen Sie einen Wandelnden auf die Palme bringen, dann haben Sie dazu durchaus Gelegenheit. Etwa so:

  1. Beweisen Sie eindrücklich, dass Sie gar kein Hirn besitzen. (Etwa im Straßenverkehr, in der Kommentarspalte von Spiegel Online, auf Facebook oder in der Wahlkabine.) Der Zombie wird umgehend das Interesse an Ihnen verlieren. Wo nix ist, kann auch nix schmecken.

  2. Laden Sie ihn auf ein Wettrennen ein.

  3. Helfen Sie tatkräftig mit (etwa im Straßenverkehr, in der Kommentarspalte von Spiegel Online, auf Facebook oder … Ach, Sie wissen schon), die Welt zu einem wahren Biotop der hirnlosen Vollpfosten zu machen. Wie das geht, zeigten beispielsweise die USA kürzlich sehr gekonnt. Ist das erst gelungen, verliert der Zombie nämlich sein Alleinstellungsmerkmal. Das dürfte ihm nicht gefallen. (Vorsicht: Ihnen allerdings auch nicht!)

  4. Beißen Sie zurück.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

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