Länder Jedi Abenteuer: Lestat forever: Mit Anne Rice in die (schwülstige) Hitze der Nacht

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VAMPIRWOCHE

Lestat forever: Mit Anne Rice in die (schwülstige) Hitze der Nacht


Sie schwören auf den Vampir Lestat und auf richtig, richtig, richtig dicke Bücher: Die Fans der US-amerikanischen Autorin und Produzentin Anne Rice sind romantischer als ein Sonett von Shakespeare und stets ein klein bisschen mit dem Teufel im Bunde (denn der hat echt atemberaubend schöne Augen). Sie kennen den Stammbaum der Vampire besser als ihre eigene Verwandtschaft, träumen des Nachts von mondbeschienenen Anwesen in den Sümpfen nahe New Orleans und lassen sich sogar von Verfilmungen mit Tom Cruise nicht in ihrer Liebe irritieren. Kurz gesagt, sind sie treuer als der Tod, stärker als die Nacht … und durch und durch klischeeresistent.

Der Fanotyp

Blasse Haut, wallendes Haar. Die Kragen gern schön rüschig, die Weste mit Stickereien verziert. Anne-Rice-Anhänger mögen es stilvoll. Sie haben ein Auge fürs Detail und ihren ganz eigenen Sinn von Schönheit. Auch neigen sie eher zum Eigenbrötlern. Menschenmengen, Herdentrieb und Volksfestivität sind ihre Sachen nicht. Man sieht sie weit eher beim Friedhofsspaziergang als auf dem Rummel, öfter auf schattigen Parkbänken als an Mallorcas Stränden. Meist stecken sie dabei ihre Nasen in dicke, zerlesen aussehende Bücher, und wirken, als wäre der Rest der Welt für sie vergessen (gelegentlich) oder schlicht eine ihren Ansprüchen nicht genügende Enttäuschung (häufig). Sie reden nicht oft, dann aber stets gehaltvoll. Ihre Nachbarn und Kollegen finden sie seltsam, was aber nicht schlimm ist, denn es beruht ganz entschieden auf Gegenseitigkeit.

Dinner for Fan

Blut, idealerweise aus jungfräu- oder jungmännlicher Quelle, ist das perfekte Getränk für den Freund des schwülstig Düsteren. Wer’s aber schmackhafter (und deutlich leichter organisierbar) mag, kann auch zu allem greifen, was die Speisekammer an edlen und/oder südstaatlich-prunkvollen Gerichten hergibt. Selbstverständlich ist die Tischdekoration ebenso bedeutend wie der Speiseplan: Die Decke sollte jungfräulich weiß sein, das Geschirr alt und mit Anekdoten versehen. Sparen Sie nicht an Kerzenständern, hier ist mehr definitiv besser als weniger! Wer hat, lässt seine Gäste in schweren Polstersesseln ruhen und reicht als Nachtisch kostspieligen Wein, während der Gastgeber persönlich zur Hausmusik in die Saiten einer Harfe oder zur eigens angeschafften Violine greift. Merke: Ein typischer Anne-Rice-Abend endet erst mit der Morgendämmerung. Dann allerdings sehr, sehr schnell!

Sag, was du willst, aber …

Rice-Jünger mögen es klassisch. Sie sind gebildete, gesittete Menschen (auch wenn sie mitunter weit lieber gebildete, gesittete Untote wären) und können quasi jederzeit aus lyrischen Werken zitieren, von beeindruckenden Museumsbesuchen berichten oder einfach nur träumerisch aus dem Fenster schauen.

Überhaupt: schweigen. Der Rice-Kenner zählt zur ruhigen Sorte, das sprichwörtlich tiefe stille Wasser. Entsprechend unnötig sind langwierige Unterhaltungen mit ihm. (Vorsicht: nicht unmöglich, sondern unnötig.) Lestats Freunde sind sich oft selbst genug bzw. mögen ihre unerfüllten Sehnsüchte ohnehin viel lieber als jeden erzwungenen Smalltalk.

Bloß nicht nachmachen!

Oha! Es gehört nicht viel dazu, einen echten Rice-Fan aus dem Sarg und auf die Palme zu treiben. Fraglich ist allerdings, ob er seinen Zorn dann überhaupt zeigt! Wenn Sie es versuchen wollen, sei Ihnen folgendes Prozedere empfohlen:

  1. Verwechseln Sie Lestat mit Edward Cullen und Anne Rice mit Stephenie Meyer.

  2. Sprechen Sie den Fan ruhig mehrfach darauf an, wie es damals war, als Anne Rice sich auf Amazon.com öffentlich mit einem Rezensenten stritt.

  3. Wünschen Sie sich „noch mehr Verfilmungen mit Tom Cruise als Obervampir, der war nämlich soooo toll besetzt!“

  4. Gestehen Sie, seit „Interview mit einem Vampir“ kein einziges Buch von Rice mehr gelesen zu haben. Geben Sie sich erstaunt, dass da noch welche nachkamen.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

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