Nick Night – Der Vampircop: Polizeiarbeit … mit Biss

VAMPIRWOCHE

Nick Knight – Der Vampircop: Polizeiarbeit … mit Biss


Zeit für ein Geständnis: Ich habe echt ein Faible für Mittelmaßserien. Sie wissen schon: Diese stets nur so la la bleibenden Genreproduktionen, die mit ein wenig mehr Können und ein wenig mehr Budget deutlich besser hätten werden können, die aber dennoch eine ganze Weile lang zu stur zum Sterben waren. Nick Knight – der Vampircop ist eine Mittelmaßserie. Und dass sie drei Jahre lang nicht starb, obwohl doch von den Drehbüchern bis hin zur Ausstattung sehr viel dafür sprach, ist eigentlich nur logisch. Denn ihr Protagonist war ja alles andere als leicht zu töten …

Die Welt von Nick Knight

Nicholas Knight aus dem kanadischen Toronto ist ein Cop, noch dazu ein ziemlich guter. Aber er ist auch ein Vampir – und diesen „Beruf“ übt er deutlich weniger gern aus. So ungern, dass er sich sogar von einer Medizinerin dagegen therapieren lässt, was sich allerdings als schwierig erweist. Nicht zuletzt, weil Nick neben den allwöchentlich neuen Kriminalfällen auch immer wieder Ärger mit Lucien LaCroix am Hals hat, dem städtischen Oberblutsauger. Denn im Gegensatz zu Nick hat LaCroix keinerlei Sehnsucht mehr nach seinem menschlichen Kern.

Gefangen zwischen zwei Welten, versucht Nick Knight sein Leben so normal wie nur möglich zu gestalten, und weiß doch stets, dass er nirgendwo wirklich dazu gehört. Selbst sein leicht tumber Partner Schanke würde sich wohl von ihm abwenden, wüsste er, dass Nick in einem Sarg schläft …

Die nackten Fakten

Es gab eine Zeit, in der Serien wie Nick Knight absolute Konjunktur hatten. Sehnsuchtsvolle Vampire kämpfen gegen das Verbrechen und um die eigene Menschlichkeit? Shut up and take my money! Doch die Idee zu Nick Knight entstand Ende der 1980er Jahre und somit lange bevor Stephenie Meyers Twilight-Universum den Blutsauger wieder zum Objekt fanisher Begierde machte. Und das … war schade für Nick Knight. Denn als der Hype losging, war Nick längst schon wieder abgesetzt und vergessen.

Dabei hatte die Serie mit einer interessanten Produktionsgeschichte aufzuwarten. Anfangs als Vehikel für Rockstar Rick Springfield gedacht, musste sie gründlich umgemodelt werden, als der Pilotfilm beim Sender durchfiel. Erst mit deutlich reduzierten Produktionskosten – die auch den neuen Hauptdarsteller Geraint Wyn Davies erklärten, wahrlich kein Rockstar – und einem Umzug ins günstigere Kanada kam Nick Knight endlich auf die Mattscheiben.

Das Erbe

Im Prinzip könnte man diesen Teil der Kolumne auch leer lassen, denn Nick Knight ist heute echt kaum noch jemandem ein Begriff – und von den Wenigen dürften dies auch die wenigsten wirklich bedauern. Die Serie hatte ihre Zeit. Okay, es gab nach der Absetzung noch drei Lizenzromane mit neuen Abenteuern, die nie auf Deutsch publiziert wurden. Und es gab DVD-Boxen, als irgendjemandem bei Koch Media zufällig auffiel, dass man die Rechte an dem alten Kram besaß. Aber ein Erbe? Nick Knight-Cosplayer auf Conventions? Remake-Kampagnen im Internet?

Nee. Nick hat die Welt nicht verändert. Er war nicht sexy. Er war – genau wie sein Hauptdarsteller, genau wie seine gesamte Produktion – einfach nur solider Durchschnitt. Und manchmal, finde ich, genügt das voll und ganz.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewährt Autor Christian Humberg ab sofort eine zweite Chance in seiner Kolumne "Der zweite Blick".

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