Der Zweite Blick: The Dresden Files - Sam Spade jagt Dracula!

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The Dresden Files: Sam Spade jagt Dracula!


Harry Dresden hat Mumm in den Knochen, das kann man nicht anders sagen. Gut, Reklame an Eingangstüren zu Geschäftsräumen ist nichts Ungewöhnliches. Kaum ein Dienstleister lässt sich die Chance entgehen, schon an der Tür auf die eigene Firma hinzuweisen und Laufkundschaft anzulocken. Aber Harry, im viel besungenen sweet home Chicago ansässig … Na ja, sagen wir mal so: Es grenzt schon an ein Wunder, dass man ihn nicht jedes Mal auslacht, wenn er auf die Straße tritt. Denn auf seiner Ladentür steht „Zauberer“.

Die Welt von The Dresden Files

Harry Dresden ist ein Zauberer, und das meint er ernst. Wenn paranormale Erscheinungen auftreten, kann man ihn um Hilfe bitten, im Prinzip wie einen Klempner. Nur mit Zauberstab statt Rohrzange. Unterstützt wird Dresden – die Figur hat übrigens nichts mit der Stadt in Sachsen zu tun – von einem Geist namens Hrothbert of Bainbridge, den er der Einfachheit halber schlicht Bob nennt, und von der Polizeiinspektorin Connie Murphy, die ihm so manchen Fall zuschustert.

Und diese Fälle sind so, wie man sie erwarten dürfte: Mal macht ein Werwolf die Stadt unsicher, mal ermöglicht ein ägyptisches Artefakt den Seelentausch, mal spukt es in der Wohnung des Klienten der Woche. Dresden kommt, kommentiert (im wunderbaren Off-Kommentaren, die an alte Bogart-Filme erinnern, in denen femme fatales den wackeren Ermittler ins Verderben stürzten) und kombiniert sich bis zum furiosen Finale. Nicht mehr, nicht weniger.

Die nackten Fakten

Diese nie über die erste Staffel hinausgekommene Serie basiert lose auf den gleichnamigen und in ihrer Heimat immens erfolgreichen Romanen des US-Schriftstellers Jim Butcher.

Das Fernsehen fühlte sich diesen allerdings nur bedingt verpflichtet. Dort setzte man zwei Genreprofis an die Konzeption der geplanten Adaption: Robert Hewitt Wolfe, den Fans von Star Trek: Deep Space Nine und Andromeda ein Begriff, und Hans Beimler, den Trekkies auch noch im Langzeitgedächtnis haben. Die Beiden kennen sich mit Serien aus und wissen, was das Publikum goutiert. Entsprechend eigen gingen sie mit Butchers „Dresdenverse“, also dem Kosmos der Dresden-Bücher um, und adaptierten es auf ihre Art. Zwar diente der erste Roman noch als Grundlage für den zweistündigen Pilotfilm, doch danach lenkten sie den somit fürs TV etablierten Stoff in andere, originäre Bahnen.

Wer jetzt „Sakrileg!“ schreit, sei beruhigt: Das war noch harmlos. Der ausstrahlende Sender Syfy besah sich den Piloten nämlich gründlich und kürzte ihn vor Sendetermin mal eben um die Hälfte seiner Laufzeit. Außerdem strahlte er ihn mitten in der Staffel aus, nahm ihm also jede Chance, als Pilot zu fungieren. Etwaige Abweichungen von der Romanvorlage sind in Anbetracht dieses extrem stiefmütterlichen Umgangs doch relativ schnurz, oder?

Das Erbe

Es gibt Dinge, über die schweigt sogar das Fandom. Im Falle der amerikanischen TV-Serie zu Jim Butchers beliebten Dresden-Büchern ist das jedenfalls so, gilt diese doch – nicht ohne Grund – als eher misslungene Adaption des beliebten literarischen Werks. Entsprechend wenig Hähne krähen auch heute noch nach dieser Produktion von 2007. Stattdessen warten die Hähne fieberhaft auf einen neuen, besseren, originalgetreueren Versuch. Bislang steht dieser allerdings in den Sternen. Butchers Romanreihe geht aber fröhlich weiter. Und, ja, sie ist lesenswert.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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