Star Trek brutal: Von Kronos bis zum Klingolaus

KOLUMNE

Star Trek brutal: Von Kronos bis zum Klingolaus


Sie mögen’s dunkel und muskulös, schwitzen unter ihren Lederkluften und applaudieren dem, der am schallendsten rülpsen kann: Die Klingonen sind gewissermaßen die Ultras eines jeden Genretreffens – und richtig nette Typen! Shakespeare kennen sie vielleicht meist nur vom Hörensagen (dann aber selbstredend im klingonischen Original), doch ihre Bildung muss sich deswegen kein bisschen hinter der eines durchschnittlichen Enterprise-Captains verstecken. Anders gesagt: Auch die vielleicht untypischsten, da stets ein bisschen haudraufig wirkenden Fans des Star-Trek-Universums sind tief drin friedliebende, kreative Träumer. Nur … Nun ja … Nur eben mit langen, leuchtenden Schmerzsstäben und messerscharfen Klingen.

Der Fanotyp

Lange Haare, stattliche Bärte, die Stirnen voller Wülste. Klingonen treten in der Öffentlichkeit gern in vollem Ornat in Erscheinung. Ihre lederne Kluft ist natürlich handgeschneidert, und an ihren Gürteln prangen die Zähne eines jeden Romulaners, den sie bis dato erschlagen haben. Da ihre Speisekammern meist voller Fleisch und Spirituosen sind, neigen sie auf Dauer zu Wohlstandsbäuchlein, doch ein echter Krieger trägt auch diese mit Würde und dem Stolz eines ungekrönten Do-It-Yourself-Königs. Sie sind immer ein wenig lauter und immer ein wenig geruchsintensiver als ihre Umgebung, aber sie verstehen es auch, im Handumdrehen zum Gute-Laune-Kern jeder Party zu werden.

Dinner for Fan

Dunkelroter, schwerer Wein (idealerweise aus dem Blut der Eroberten), lebende Würmer, allerlei Innereien und – besonders edel – das selbstredend noch im Schädel servierte Hirn irgendeines Raubtiers. So sehen echte Heldenmahlzeiten aus, jedenfalls auf dem klingonischen Heimatplaneten Kronos. Wer es magenfreundlicher möchte, kann auch einfach hinterm Haus im Garten den Grill aufstellen (Achtung: Natürlich Kohle, nicht Gas, und natürlich ohne Alufolie, ihr Pussys!) und ordentlich Fleisch draufknallen, letzteres nach Möglichkeit schön durchwachsen.

Dazu reicht man(n?) dann Bier aus Steinkrügen und singt Lieder in einer für die Nachbarn höchst unverständlichen Sprache. Gern bis in den frühen Morgen. Quapla!

Sag, was du willst, aber …

James Doohan ist Schuld. Der Original-Darsteller des Montgomery „Scotty“ Scott aus der alten TV-Serie erfand seinerzeit die klingonische Sprache, und Sprachwissenschaftler Marc Okrand machte aus dieser Idee Jahre später eine tatsächliche. Seitdem ist Klingonisch etwas, das man wirklich lernen kann – komplett mit Grammatik, Vokabeln und allem Pipapo. Und ein Fan wäre kein Fan, wenn er dies dann nicht umgehend täte. Die Zahl der Klingonischsprechenden wächst Jahr um Jahr, und selbst im sonst so unauffälligen Saarland gibt es versierte und gefeierte Lehrer dazu (Hallo, Lieven!).

Bloß nicht nachmachen!

Klingonen mögen es ehrenvoll und grob zugleich. Es ist ein Kinderspiel, ihnen auf die Nerven zu gehen. Es ist allerdings auch ganz entschieden unklug! Wir raten nachdrücklich davon ab, einen Klingonen zu reizen. Sollten Sie dies trotzdem tun wollen, handeln Sie bitte wie folgt – und auf eigenes Risiko!

  1. Beleidigen Sie ihn, seine Ehre, seinen Vater, seinen Schmerzstab, seine Zähne, seinen Schwippschwager dritten Grades … Ach, einfach irgendetwas, das mit ihm zusammenhängt. Ein echter Klingone wird sich dann schon umgehend dafür revanchieren.

  2. Erklären Sie die Tribbles zu Ihrer liebsten Spezies im Trekkieversum.

  3. Vergleichen Sie den großen Kahless mit dem, ähem, nicht ganz so großen L. Ron Hubbard.

  4. Trinken Sie ihn unter den Tisch.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

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