Der Zweite Blick: Robin of Sherwood

© Goldcrest Films

REWATCH

Costner go home! Eine Liebeserklärung an den Robin Hood der Achtziger


Zugegeben, es ist wohl ein Gererationenproblem: Kommt in lustiger Runde das Thema Robin Hood auf, dann scheiden sich die Geister. Für die einen, eher jüngeren Gesprächsteilnehmer, laufen im Kopfkino vielleicht Bilder aus dem ollen Kevin-Costner-Schmachtfetzen von 1991 ab, eventuell auch die bestrumpfhosten Antihelden eines Mel Brooks oder gar die grauslicheren Produktionen noch jüngeren Datums. Doch für uns Kinder der Achtziger kann es im Falle des Helden aus Sherwood Forest nur einen geben: den von Michael Praed unnachahmlich gut verkörperten Robin der britischen TV-Serie, die über gleich drei Staffeln hinweg gekonnt Historie mit Mystik verband.

Die Welt von Robin Hood

Eigentlich ist es erstaunlich, dass die Idee vorher noch niemandem kam. Mit Robin, dem altbekannten Helden des britischen Waldes, der in Gemeinschaft mit seinen Mannen von den Reichen stahl, um den Armen zu helfen, existierte ein allgemein bekanntes Konzept, dessen mittelalterliches ländliches Setting historische Abenteuer en masse ermöglichte. Doch gleichzeitig ließen sich diese aufgrund ihres Zeitrahmens problemlos mit mystischen Aspekten kombinieren: Böse Schwarzmagier, unheilschwangere Visionen und offenkundige Hexerei waren zumindest im Bewusstsein des einfachen Volkes dieser Tage ein durchaus realer Bestandteil der Welt. Und dennoch musste erst ein englischer TV-Autor kommen, um diese Verbindung narrativ erfolgreich zu nutzen.

Die nackten Fakten

Richard „Kip“ Carpenter war Fernsehfans wie auch -machern am Anfang der 1980er Jahre kein Unbekannter. Seine Serienschöpfung Catweazle, in der ein aus seiner eigenen Zeit gerissener mittelalterlicher Magier versuchte, sich mit den Gegebenheiten der modernen Gesellschaft zu arrangieren, war ein kleiner TV-Hit der Siebziger gewesen und hatte auch in Deutschland seit der Erstausstrahlung im ZDF 1974 viele Freunde gewonnen.

Als Carpenter sich zu Beginn der 1980er Jahre mit der Robin-Hood-Legende auseinandersetzte, merkte er schnell, wie gut Elemente der Fantasy zu dieser passen würden. Von 1983 bis 1986 setzte er dies um, in Gestalt der Serie Robin Hood. Und die hatte es in sich: Carpenters Wald, vom Regisseur Ian Sharp in Szene gesetzt, sah auch tatsächlich mal aus wie einer, seine jungen Helden waren in der Tat jung (und optisch durchaus an die Sehgewohnheiten eines jugendlichen Publikums der damaligen Zeit angepasst; ich bin mir sicher, dass selbst Hauptdarsteller Praed seine damalige Frisur heute peinlich ist!) und der von der Formation Clannad – aus der u.a. die heute noch erfolgreiche Künstlerin Enya entsprang – gestaltete Soundtrack bewegte sich dauerhaft gekonnt zwischen folkloristischen und esoterischen Klängen.

Das Erbe

Im Prinzip beerbte sich die Serie schon während ihrer Laufzeit selbst, stieg Hauptdarsteller Praed doch nach Staffel 2 aus und starb den Heldentod. Da die Quoten aber stimmten, setzte der Sender sie einfach fort, und ein neuer Robin (verkörpert von 007-Sohn Jason Connery) übernahm den Flitzebogen. Davon abgesehen etablierte sich Robin Hood allerdings schon zu Lebzeiten als eine ganze Generation von fantasyaffinen Zuschauern prägende Reihe, eben weil sie angenehm anders als der Mainstream ihrer Tage war. So geht atmosphärisches Fernsehen!

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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