Go Ape: Fast fünf Jahrzehnte mit dem Planeten der Affen

© 20th Century Fox

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Go Ape: Fast fünf Jahrzehnte mit dem Planeten der Affen


Dass Menschen sich zum Affen machen, kam schon immer vor. Aber nie mit so viel Spaß an der Sache wie in Planet der Affen (1968) und den zahlreichen Fortsetzungen und Remakes. Peter Osteried über die Geschichte eines tierischen Franchise.

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Die Geschichte des Affen-Mythos begann 1968 mit dem ersten Film Planet der Affen (Planet of the Apes, 1968), aber die Idee intelligenter Affen gab es in der Science Fiction schon deutlich länger und so sollte man auch Pierre Boulles gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1963 nicht als den Beginn der Affenhysterie sehen. Wie Julius Schwartz, der legendäre Redakteur des Comic-Verlags DC, schon immer wusste, verkaufen sich Comics mit Gorillas und anderen Primaten auf dem Cover sehr gut. Davon mochte vielleicht auch Pierre Boulle gehört haben, als er sich daranmachte, seine Geschichte zu erzählen.

In Boulles Roman verhält sich die Situation noch etwas anders als im späteren Film. Zwar ist die Aussage und der Gehalt der Geschichte bei beiden gleich, aber was das Aussehen der Affenwelt betrifft, gibt es große Unterschiede. Während die Affen im Film in einer einfachen, rustikalen Gesellschaft leben, bevölkern sie im Buch Großstädte. Hier ist nichts anderes als ein Rollentausch geschehen, da die Affen im Roman so leben, wie es die Menschen heute tun.

Vom Roman zum Film

Damals ließ sich ein solcher Roman ohne gewaltigen Aufwand natürlich nicht realisieren. Ob man ihn überhaupt verfilmen konnte, war eine ganz andere Frage. Der Produzent Arthur P. Jacobs beschäftigte sich mit dieser Frage, nachdem er Boulles Roman gelesen hatte und von der Idee fasziniert war. Ein Problem war natürlich, dass es schwer war, die Geschichte von einem Planeten der Affen an die hohen Herren eines Filmstudios zu verkaufen. Rückendeckung erhielt Jacobs von Charlton Heston, dem die Idee des Films gefiel und der nur zu gerne die Hauptrolle übernehmen wollte. Nach einigen Gesprächen mit Richard Zanuck von der 20th Century Fox begann man mit einem kurzen Testfilm, der Klärung geben sollte, ob man die Affen realistisch und glaubwürdig darstellen konnte. Dank der facettenreichen Masken von John Chambers wurde dieser Test ein voller Erfolg und die Vorproduktion von Planet der Affen konnte beginnen.

Zu diesem Zweck war natürlich ein Drehbuch nötig, dass man mit einem vergleichsweise moderaten Budget verwirklichen konnte. Der richtige Mann hierfür war Rod Serling, der mit seiner Serie Twilight Zone Fernsehgeschichte geschrieben hatte. Serlings Ideen ließen sich jedoch unter dem anvisierten Budget nicht zu realisieren, weswegen man einen anderen Autor mit dem Drehbuch betraute. Nachdem das Drehbuch endlich stand, konnte mit der tatsächlichen Produktion begonnen werden. Diese verlief auch relativ problemlos und ging zügig voran. Neben Charlton Heston tauchte vor allem ein Affentriumvirat auf, das es den Zuschauern antat. Das Schimpansen-Paar Cornelius und Zira wurde von dem mittlerweile verstorbenen Roddy McDowall und Kim Hunter dargestellt, während der die Traditionen verteidigende Orangutan Dr. Zaius von Maurice Evans verkörpert wurde.

Der Film feierte seine Premiere im Februar 1968 und entwickelte sich sehr schnell zum Erfolg, was nicht nur der schönen Ausstattung und den detailliert gearbeiteten Masken zu verdanken war. Primär erzählt Planet der Affen zwar eine Abenteuergeschichte, aber dabei lässt er auch eine unterschwellige Botschaft nicht vermissen.

Der Film prangert Rassismus in jeder Form an und führt diesen anhand der Drei-Klassen-Gesellschaft der Affen nur zu deutlich vor. Gleichzeitig gibt der Film einen hässlichen Blick auf die Krone der Schöpfung frei und zeigt, wie sich unsereins anderen Wesen gegenüber benimmt. Damit funktioniert der Film auf verschiedenen Ebenen, entzieht sich aber jedwedem Skandal, da ja alles nur in einer fiktiven Gesellschaft geschieht.

Zurück in die Vergangenheit

Nach dem Erfolg des ersten Teils, machte man sich an die Arbeit einer Fortsetzung. Diese sollte dann auch nicht lange auf sich warten lassen und so verkündete man 1970 die Rückkehr zum Planet der Affen (Beneath the Planet of the Apes, 1970). Charlton Heston war in diesem Film, der im Endeffekt nur ein Remake des Originals unter Hinzufügung des einen oder anderen neuen Details war, nur noch in einer kleinen Nebenrolle zu sehen. Das verhinderte jedoch nicht, dass die Kassen abermals klingelten.

Trotz des verheerenden Endes – der Vernichtung der Erde – war auch ein dritter Teil beschlossene Sache. In Flucht vom Planet der Affen (Escape from the Planet of the Apes, 1971) kehren drei Schimpansen, darunter Cornelius und Zira, mit Taylors Schiff, das ja eigentlich eine Zeitreisemaschine ist, in die Vergangenheit der Erde zurück. Auf diesem Planeten der Menschen ergeht es ihnen nur unwesentlich besser als es Hestons Charakter Taylor im ersten Film erging. Wieder einmal war das Budget kleiner geworden, aber dafür war die Geschichte originell und Roddy McDowall, der beim zweiten Teil verhindert war, kehrte zu der Serie zurück und blieb ihr in jeder weiteren Inkarnation treu.

Der Planet der Affen entsteht

Durch die Umkehrung der Situation des ersten Teils, waren es diesmal die Schimpansen, die gejagt und schließlich getötet wurden. Die Serie schien zum Ende gekommen zu sein, aber inzwischen war man auf den Erfolg vorbereitet und hatte bereits Vorkehrungen für eine weitere Fortsetzung getroffen. Im Jahr darauf hieß es dann Eroberung vom Planet der Affen (Conquest of the Planet of the Apes, 1972), wobei Caesar, der Sohn von Cornelius und Zira, die Revolte der Affen anführte. Damit gelang einer der besten Filme der Serie, der nicht mit sozialen Kommentaren geizte, diese aber nicht mit dem Holzhammer beibrachte, sondern in einer actionreichen Geschichte versteckte.

Danach folgte der letzte der Affenfilme: DIE SCHLACHT UM DEN PLANET DER AFFEN (BATTLE FOR THE PLANET OF THE APES, 1973). Wieder mit Caesar in der Hauptrolle, war dies eher ein trauriger Abgesang auf eine gute Filmserie, der bei weitem nicht mehr an den Erfolg seiner Vorgänger heranreichen konnte.

Das Ende des Planeten der Affen war aber weder hiermit, noch mit dem Tod von Arthur P. Jacobs gekommen. Tatsächlich war die Begeisterung des Publikums für den Stoff gerade nach dem letzten Film der Serie alles andere als gebrochen. 

Wiederbelebungsversuche

Nachdem die Filme im Fernsehen zum großen Erfolg geworden waren, begannen die Vorbereitungen für eine Fernsehserie, die hierzulande unter demselben Titel wie der erste Film, Planet der Affen (Planet of the Apes, 1974) zuerst auf SAT 1 und später auf PRO 7 gelaufen ist. Die Fernsehserie erwies sich aber als wenig erfolgreich, auch wenn Roddy McDowall wieder mit von der Partie war. Nach nur 14 Folgen zog man den Stecker, da die Einschaltquoten alles andere als vielversprechend waren.

Trotzdem probierte man es im Jahr darauf erneut, griff diesmal aber auf die billige Variante des Zeichentricks zurück. Return to the Planet of the Apes (1975) hieß die Serie, die in Deutschland nie zur Aufführung kam. An sich ganz interessant, krankte diese Serie aber natürlich an „begrenzter Animation“, wie sie in diesem Jahrzehnt vorherrschte. Da man aus Kostengründen immer nur bestimmte Teile (bei Großaufnahmen des Gesichts beispielsweise nur den Mund oder die Augen) animierte, ist diese Serie vor allem aus heutiger Sicht alles andere als einladend.

Aus der Development Hell kommen die Blockbuster

Viele Jahre vergingen, in denen ein neuer Film angekündigt wurde, der sich dem Planeten der Affen annehmen sollte. In all diesen Jahren hörte man, dass Arnold Schwarzenegger in die klassische Rolle von Charlton Heston schlüpfen sollte, dass Oliver Stone sich für die Regie interessiert und Michael Bay, seines Zeichens Freund von hemmungslosem Pathos, das Rennen gemacht hat. All das hat sich als falsch erwiesen. Vielmehr war es Tim Burton, der 2001 den Planet der Affen (Planet of the Apes) in die Kinos brachte. Der Film erwies sich als großer Erfolg, weswegen es für Branchenkenner und Publikum umso überraschender war, dass 20th Century Fox kein Sequel folgen ließ. Gut, der Film wurde von Burton-Fans geschmäht, da er nicht dessen visionäres Genie widerspiegelte, sondern eher wie eine Auftragsarbeit wirkte, aber er hatte immenses Geld in die Kassen gespült.

Ein paar Jahre später begannen dann die Gerüchte, dass doch an einem weiteren Film gearbeitet wird. Aber dieser neue Film, der ursprünglich nur CAESAR heißen sollte, sollte nicht auf dem Burton-Film aufbauen. Vielmehr dachte man daran, eine Art Remake von Eroberung vom Planet der Affen zu produzieren. Das Ergebnis kam zehn Jahre nach Burtons Film in die Kinos: Planet der Affen: Prevolution (Rise of the Planet of the Apes, 2011), der lange Zeit nur Rise of the Apes heißen sollte. Die Regie übernahm Rupert Wyatt, die menschliche Hauptrolle ging an James Franco, die beide beim Sequel nicht mehr dabei waren. 

Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch, zumal die Technik mittels Motion-Capture soweit ist, dass Andy Serkis als Caesar wie ein echter Affe aussieht. Damit übertrumpft dieser Film die klassische Reihe aus den 1960er und 1970er Jahren ganz gewaltig. Im Internet gab es die Kurzfilme Before the Dawn zu sehen, die die Zeitspanne zwischen beiden Filmen abdecken und zeigen, wie die Welt zugrunde geht.

Das von Matt Reeves inszenierte Sequel Planet der Affen: Revolution (Dawn of the Planet of the Apes, 2014) springt dann ein paar Jahre in die Zukunft und zeigt eine Welt, in der große Teile der Menschheit einem Virus zum Opfer gefallen sind, weswegen es zum Konflikt zwischen Affen und Menschen kommt. Es geht um nichts weniger als die Herrschaft über den Planeten, aber richtig ausgebrochen ist dieser Krieg erst in Planet der Affen: Survival (War of the Planet of the Apes, 2017).

In den USA startet der Film Mitte Juli, hierzulande muss man sich bis Anfang August gedulden. Bei einer Präsentation des Studios 20th Century Fox wurden schon gut 15 Minuten des Films gezeigt, die das einhalten, was die bisherigen Filme versprochen haben. Das macht den dritten Teil dieser neuen Reihe zu einem Kriegsfilm. Zugleich unterfüttert man das Ganze aber auch mit reichlich Emotion und stellt neue Figuren vor, darunter einen recht skurrilen Schimpansen, der von Steve Zahn gespielt wird.

Schluss wird auch mit diesem Film nicht sein, ist die Welt dieses Planeten der Affen doch extrem reich und bietet allerhand Möglichkeiten, darin erzählerisch tätig zu werden. Pünktlich zum 50. Geburtstag der Filme im Jahr 2018 wird man zwar nicht mit einem weiteren Eintrag in die Affen-Analen rechnen können, aber kurz danach sicherlich. Die Affen erobern auch weiterhin das Kino und damit die Herzen der Zuschauer.

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