Kein Ort für Helden: Outland – Planet der Verdammten

© Warner Home Video

REWATCH

Kein Ort für Helden: Outland – Planet der Verdammten (USA 1981)


In der Bergbaukolonie auf dem Jupitermond Io werden ungewöhnlich viele Arbeiter psychotisch, begehen Selbstmord oder wenden Gewalt gegen andere an. Dem neuen Marshall O’Niel kommt das merkwürdig vor, und er entdeckt einen Schmugglerring, der die Männer mit leistungssteigernden Drogen versorgt, um die Produktion zu erhöhen. Da der Bergbauboss selbst diesen Ring unterhält, bekommt O’Niel es bald mit Killern zu tun, die mit der nächsten Versorgungsfähre einfliegen.

Alien war in ästhetischer Hinsicht bekanntlich das Gegenmodell zu den heldenhaft-sterilen Weltraumknallereien von Krieg der Sterne und Konsorten. Der Weltraum war von einem Tag auf den anderen plötzlich lebensfeindlich, dreckig, abgenutzt und bevölkert von Malochern und Trucker-Mentalitäten. Keine drolligen Rüssel-Aliens, keine edlen Jedi-Ritter, keine schlanken X-Wing-Fighter, weit und breit keine „Macht“, stattdessen der Charme einer Fabrikhalle, seltsames elektronisches Rattern und ein Ungeheuer aus den dunkelsten Albträumen. Und Alien-Schöpfer Ridley Scott machte die Zukunft drei Jahre darauf in Blade Runner noch dreckiger.

Dazwischen, 1981 nämlich, steuerte Peter Hyams seinen eigenen kleinen Drecksbatzen bei, in dem die Zukunft wirklich sehr, sehr profan und abgedunkelt rüberkommt. Er geht sogar noch weiter als Alien und verzichtet auf das Monster. Und ohne Monster, Laserkanonen oder kühn designte Replikanten hatte der Film es seinerzeit freilich schwer. 

Der Vorspann und die Musik von Outland lassen die ersten Minuten wirken wie einen Alien-Klon, aber schnell kommt der Film ins beabsichtigte Fahrwasser: ein knorriger Malocher-Krimi und Cop-Thriller mit knackigen Dialogen, angelehnt an die Struktur von Zwölf Uhr mittags und mit Sean Connery auf der Gary-Cooper-Gedächtnisposition. Im Gegensatz zu Cooper hat Connerys Marshall selbst nicht den besten Leumund und versucht sich zu beweisen, dass ein Rest Verantwortungsbewusstsein übrig geblieben ist. Es böte sich an, sich korrumpieren zu lassen wie der Rest der Bagage, aber der Mann wankt nicht. Outland verlässt sich aber nicht nur auf die Spannung der heruntertickenden Uhr und hält sich auch nicht lange auf mit der bitteren Erkenntnis, dass (fast) alle anderen Feiglinge sind. Mit Helden ist an diesem Ort ohnehin nicht zu rechnen. Das Drehbuch erledigt im Vorfeld auch die ganze Ermittlungsarbeit des klassischen Krimis. Die Uhr kommt erst im letzten Drittel so recht zum Einsatz. Dann dockt die Fähre auch noch eine Dreiviertelstunde zu früh an, und flugs ist O’Niel dazu gezwungen, mit der Pumpgun durch die Gänge zu hetzen.

Star des Films ist neben einem hochkonzentrierten und körperlich fitten Connery das Setdesign. Dunkel dräuende, silhouettenhafte Bergbaugebäude, die aussehen wie Ölplattformen in einem steinernen Meer vor dem orangenen Licht des Jupiters und dem kalten Sternenhimmel. Im Inneren sind die Decken tief, die Räume eng, das Licht gedimmt, die Quartiere der Arbeiter lassen Alcatraz aussehen wie einen Traum aus „Schöner Wohnen“. Alles ist funktional, abgenutzt, schwitzig, schäbig, lärmig. Die Männer reden über „Vertrauensmänner“ und „Betriebsräte“, wenn sie nicht gerade fluchen, sich besaufen oder die Tänzerinnen in der Bar anstarren. Das Blut der unter Null-Druck-Atmosphäre geplatzten Körper ist das Einzige, was ein bisschen Farbe in diese Welt bringt. Mehrfach wird die Mine als „Scheißhaufen“ bezeichnet, tatsächlich kommt das Leben im Weltraum generell nicht so gut weg. Die Planeten und Monde sind in die Hände von kapitalistischen Raubtieren gefallen. Da bedarf es gar keines Dunklen Lords oder Albtraum-Monsters. Die Zukunft ist im Jahr 1981 ganz von selbst dreckig.

Share:   Facebook