Hexenmeister in seinem Schloss: Das schwarze Loch (The Black Hole, USA 1979)

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Hexenmeister in seinem Schloss: Das schwarze Loch (The Black Hole, USA 1979)


Die Besatzung des Forschungsschiffs „Palomino“ entdeckt am Rande eines schwarzen Lochs das lange vermisste Schiff „Cygnus“ und gerät in die Hände des genialisch-verrückten Wissenschaftlers Reinhardt und seiner Robotertruppe.

Ein Klassiker der Kindheit, selbstverständlich damals im Kino gesehen. Ganz, ganz toller Soundtrack von John Barry. Der erste Disney-Film, der erst ab 12 Jahren freigegeben war – zu gruselig für die Kleineren und mit einer harten Todesszene, bei der es bezeichnenderweise den ohnehin stets grenzwertigen Anthony Perkins erwischt.

Im Grunde ist das natürlich nichts anderes als eine naive Gothic-Grusel-Story über den bösen Hexenmeister, der in seinem Schloss haust und verrückte Pläne ausbrütet. Dazu stößt eine religiöse Ebene, eine Verschränkung mittelalterlich-frühneuzeitlicher Höllenmotive und Erlösungsphantasien. „Immer wenn ich so ein Ding sehe, denke ich an den Kerl mit den Hörnern und dem Pferdefuß“, äußert ein Besatzungsmitglied bei der Annäherung ans schwarze Loch. Und kurz darauf wird Reinhardts Chefroboter Maximilian ziemlich genau so aussehen wie Satan in Blech: knallrote Rüstung, mit einem zu Quasi-Hörnern hochgezogenen rotglimmenden „Augenschlitz“. Motivisch gekoppelt ist der Film aber auch an „The Tempest“ und „Forbidden Planet“, an Kapitän Nemo und an Jahrzehnte des Mad Scientist, der in diesem Fall mit beinahe religiöser Inbrunst auftritt. Demzufolge ist sein Reich auch mit Assoziationen an ein irre gewordenes Kloster mit unbedingtem Schweigegelübde (= lobotomisierte Besatzung in Mönchskutten) ausgestattet: „Es sieht alles ein bisschen mittelalterlich aus, aber ich bin nun mal ein Romantiker“ (Reinhardt). Das ist in seinem Motivgeklingel wirklich hübsch gemacht. Dargestellt wird der Böse von unserem Maximilian Schell mit deutschem Akzent, flackerndem Blick und allerhand Gesichtsbehaarung. Er läuft von Seiten der Regie an einer langen Leine, was dem Film durchaus gut tut. Nach dem unvermeidlichen Remmidemmi des Showdowns sind seine letzte Worte lustigerweise identisch mit denen, die vom großen deutschen Dichterfürsten überliefert sind: „Mehr Licht!“ Es steht nicht zu vermuten, dass ein durchschnittlicher amerikanischer Drehbuchautor Goethes Worte kannte, weswegen man annehmen darf, dass Schell auch hier improvisieren durfte, um mitten in dieser trivialen, aber motivisch gut vernetzten Geschichte die ganz große Klassikerkeule zu schwingen.

Schön geblieben an Das schwarze Loch ist neben seinem schillernden Dunkelmann auch das Setting. Sobald Reinhardt auf der „Cygnus“ die Lichter einschaltet, sieht sie ziemlich heftig aus wie der Crystal Palace (Weltausstellung 1851) bei Nacht. Kaum etwas anderes als Glas und Streben. Prächtig. Im Inneren gibt es luftige Säle aus Stahl, und der Blick geht ständig irgendwo raus ins All und aufs rotierende schwarze Loch, das Objekt allen intellektuellen und religiösen Begehrens. Wenn die Bude dann zertrümmert wird, kommt es zu hübschen und teils recht rabiaten Kaputtmachszenen sowie einer Flucht der Helden durch gigantische Schiffslandschaften. Ganz am Schluss, nach dem zwangsläufigen Abtauchen ins schwarze Loch, wird sich an 2001 rangeschleimt und die rätselhafte kosmische Reise trivial religiös vereindeutigt: Himmel und Hölle. Dennoch ist das nett, weil es sich konsequent an Reinhardts quasi-religiösem Gemurmel orientiert, den Bogen zum Anfang schlägt und einige hübsch düsterkitschige Bilder dafür findet. Wissenschaft und Religion wurden damals offenbar noch als Einheit behandelt.

Die knuffigen, heroischen Helden-Roboter sind typische Disney-Gebilde, klugscheißerische Sidekicks, ihre Gegner, Reinhardts Robotergarde namens S.T.A.R. kann man hingegen heute kaum noch ernst nehmen, schon gar nicht als „Elitetruppe“, so peinlich ungelenk sind sie. Selbst George Lucas’ Sturmtruppen hatten bessere Schießergebnisse. Chefroboter Maximilian avancierte hingegen zu Recht kurzzeitig zum Design-Klassiker.

Trivial, tricktechnisch sehr uneinheitlich, aber ästhetisch durchdacht. Nein, bitte kein Remake, lasst es so, wie es ist.

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