Tom Cruise – Der Mann, der mir die Science Fiction versaut

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KOLUMNE

Tom Cruise – Der Mann, der mir die Science Fiction versaut


Science-Fiction-Filme gehören definitiv zu Sarah Schindlers liebster Filmgattung. Aber es gibt einen Schauspieler, der ihr das Genre gründlich versaut hat: Tom Cruise. Wie er das hinbekommen hat, erklärt euch die Dauermotzgurke gern.

Letztens lief im Fernsehen zum ersten Mal Edge of Tomorrow, und obwohl ich diesen Film eigentlich ganz gerne mag, habe ich mich gefragt, was mich daran stört. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Tom Cruise. Der Scientology-Zwuckel, den ich in Top Gun liebe und in Minority Report hasse. Also eigentlich mag ich ihn in keinem Science-Fiction-Film. Insgesamt sechs Mal, sofern man Legend und Vanilla Sky mitzählt, mimt Tom den (verzweifelten) Helden und das so aalglatt, dass es mich auch jetzt noch schüttelt. Egal ob bei einer Alieninvasion, bei der er als alleinerziehender Vater seine etwas schrägen Kinder und sich selbst in Sicherheit bringen muss, auf einer pseudopostapokalyptischen Erde umherfliegt, Verbrecher dank Precrime jagt oder immer und immer und immer wieder das gleiche Alienkriegszenario durchlebt. Er bleibt der Unnahbare, dem man einfach nicht abkaufen will, dass es ihn innerlich zerreißt. Komisch eigentlich, denn in Rain Man hat er das noch erstaunlich gut hinbekommen.

Da helfen dann auch keine alten Hasen wie Ridley Scott, Steven Spielberg oder Kameraenthusiast und Regisseur von Edge of Tomorrow Doug Liman. Immerhin vermag es Liman Mr. Cruise durch die Gegend zu scheuchen, ohne dass er total bekloppt aussieht. Denn habt ihr Tom Cruise schon einmal rennen sehen? Ein Bild für die Götter, beziehungsweise Aliens, die sich mit Sicherheit vor lauter Lachen aus Versehen selbst in den Kopf schießen. Was irgendwie auch ein interessantes Konzept für einen Film wäre.

Das Schlimme an Science-Fiction-Filmen, in denen Tom Cruise mitspielt, ist die Tatsache, dass sie ohne ihn eigentlich richtig gut wären. Minority Report basiert auf der Grundlage einer Kurzgeschichte meines absoluten Lieblings-SF-Autoren Philip K. Dick und ist so facettenreich und intelligent, dass man den Film, auch dank Steven Spielberg, nicht kaputt bekommt. Könnte man meinen. Denn Cruise (okay, Colin Farrell ausnahmsweise auch) wirkt zu jeder Sekunde deplatziert. Seine Umsetzung des Chiefs würde zwar passen, wenn er einen skrupellosen Polizisten spielen würde – eigentlich wäre die Rolle des Detectives somit ideal für ihn – aber nicht einen Chief, der vor allem aus persönlichen Gründen anfänglich die Fahne für das Precrime-Programm hochhält. Der Verlust seines Sohnes soll ihm zwar nahe gehen, aber irgendwie kaufe ich ihm das Ganze nicht ab. Ich weiß auch nicht, aber ich könnte nun aus dem Stand heraus mindestens fünf Schauspieler nennen, die das deutlich besser rüberbringen könnten. Zum Beispiel Tom Hardy oder selbst Clive Owen – und ich weiß, dass die beiden eher in die Rubrik Hau-druff fallen. Meistens zumindest. Und genau das ist es eben: Warum ist Tom Cruise in Rain Man, Mission: Impossible (die meisten Teile), Magnolia oder Die Firma so unfassbar charismatisch und in seinen Science-Fiction-Filmen so interessant wie eine aufgeplatzte Leberwurst?

Von Krieg der Welten fange ich erst gar nicht an. Denn da habe ich mich irgendwann so über Justin Chatwin und vor allem Dakota Fanning aufgeregt, dass Tom Cruise echt mein geringstes Problem war. Es musste noch einen weiteren Film (Oblivion) dauern, bis man Cruise endlich jemanden an die Seite stellte, der seine Unzulänglichkeit den Zuschauer nah an den Protagonisten ranzulassen, kompensierte. Emily Blunt, ihres Zeichens zwar auch keine hochemotionale Vertreterin des Filmfachs, verhalf Tom Cruise zu mehr Menschlichkeit, als er in den gesamten Science-Fiction-Filmen zuvor zur Schau getragen hat. Was vor allem daran lag, dass sie die eigentliche Heldin mit Charisma ohne Ende war. Vielleicht lag es aber auch daran, dass er selbst keine besonders spannende Backstory hatte. Heißt das etwa, dass es sinnvoll wäre, für Edge of Tomorrow 2 (was will der wohl erzählen?) oder Luna Park (sofern er endlich kommt) Tom Cruises Figur einfach keine herzzerreißende Hintergrundgeschichte zu geben? Vielleicht liegt darin das Geheimnis, zumindest für dieses Genre, denn dass er es durchaus drauf hat, beweist Cruise in genug Actionfilmen und Dramen. Also los, Tom, du alte Hippe, zeig‘ was du kannst und vermurks mir nicht die Neuauflage der Mumie – auch wenn das kein Science-Fiction-Titel ist, habe ich ein bisschen Angst davor, dass du ihn mir kaputt machst. Und bitte: Nicht rennen – sonst wird das ne Komödie.

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