Film-Rewatch: Der Drachentöter von Disney

REWATCH

Werden und Vergehen: Der Drachentöter


Eine Disney-Produktion, also ging ich als lichtspielaffines Jüngelchen eines Nachmittags des Jahres 1981 hinein, um mich unverbindlich faszinieren zu lassen. Man kannte das ja von Disneys Trick- wie Realfilmen: familienkompatible Abenteuer ohne größeren Tiefgang, jugendliche Helden, ein paar gelungene Tricks und etwas Sense of Wonder, um sich aus dem Alltag wegzuträumen. Ich hatte mir vorher an den Schaukästen die Nase plattgedrückt: Ein Drache! Leute in Kostümen! Ziemlich viel Feuer!

„Der Drachentöter“ hatte all das, erwies sich jedoch als irritierend anders. Bis dato war ich eines solch düsteren Fantasy-Mittelalters eigentlich noch nicht teilhaftig geworden, sondern kannte bloß quietschbunte Hollywood-Ritterfilme aus den 50ern. Na klar, der jugendliche Held des Films ist ein Disney-kompatibler Mix aus forschem Zauberlehrling und Blond-Siegfried in der Spätpubertät, und natürlich ist das alles verglichen mit heutigen Filmen, die das Mittelalter als scharfkantige Comic-Gothic-Kulisse auffassen, recht harmlos, aber Der Drachentöter wird nach wie vor in Ehren gehalten, während viele andere Fantasy-Filme einem inzwischen am Allerwertesten vorbeigehen.

Warum? Oft erkennt man im Drachentöter Disney kaum wieder. Der Film ist bisweilen bemerkenswert düster und philosophisch, fast apokalyptisch. Mit der visuell übertragenen Botschaft ist untrennbar der originelle Handlungstwist verbunden, bei dem am Anfang der Meistermagier (verschmitzt und inspiriert: niemand Geringerer als Sir Ralph Richardson) scheinbar stirbt, um am Ende aus dem Amulett des Lehrlings neu zu erstehen und sich mit dem Drachenungeheuer selbst aus der Existenz zu sprengen. Das Ende eines Zeitalters, von dem man gerade noch so den Rockzipfel mitbekommt, wurde selten symbolisch so eindringlich und melancholisch gefasst. Neben dieser magisch befeuerten, nahezu elementaren Stimmung von Vergehen und Werden stellt natürlich der Drache mit dem Namen Vermitrax Prejorativ die Hauptattraktion dar, ein Go-Motion-Wesen, wie es sein muss, und genau im richtigen Spannungsfeld zwischen Gummimonster und realem Schrecken. Lange Zeit befolgen Drehbuch und Regie die Weiße-Hai-Doktrin: Zeig das Monster nur in Umrissen oder Details. Später wird es selbstverständlich in voller Pracht dargeboten. Ziemlich realistisch der Flügelschlag, beunruhigend sein schnelles Laufen mit angelegten Flügeln durch die Höhlen, furchterregend charaktervoll sein Einatmen vor dem Feuerstoß, emotional und mitleiderregend seine Trauer angesichts der ermordeten Brut. Ein majestätisches Biest, das mit großer Sympathie und mit Respekt behandelt wird und einen exzellenten Abgang verpasst bekommt. Wenn der blöde König am Ende sein Schwert in die Eingeweide des abgestürzten Vermitrax versenkt und sich als offizieller Drachentöter aufführt, obwohl er gar nichts damit zu tun hatte, weiß man sofort, dass die Welt nun langweiliger und irgendwie auch schäbiger geworden ist.

Fantasy in ihrer allerbesten Ausprägung. Mit vierzehn war man hin und weg davon, heute vielleicht sogar noch mehr, weil man sich von den Filmemachern nicht mehr einfach nur lustvoll manipulieren lässt, sondern die Reinheit der Form, die zeitlose Schönheit der Gestalt dahinter erkennt.

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