Rewatch der Science-Fiction-Serie: Farscape

© Jim Henson Productions / Koch Media GmbH

REWATCH

Verfrellte Grüße aus Farscape



Es gibt Produktionen, denen man die Liebe zum Objekt anmerkt, mit der ihre Schöpfer vorgegangen sind. Farscape, um das gleich von vorneherein klarzustellen, ist eine solche Produktion. Doch dank einer mehr als unglücklichen TV-Programmpolitik hatte sie eigentlich nie die Chance, in Deutschland ihre Zielgruppe zu finden.

Die Welt von "Farscape"

Erd-Astronaut John Crichton gerät während eines Testflugs in seinem selbst entwickelten Shuttle Farscape 1 in ein Wurmloch und wird ans andere Ende des Universums katapultiert, wo er sich auch gleich unbeliebt zu machen weiß: Als sein Schiff aus besagtem Wurmloch trudelt und mitten in eine Raumschlacht gerät, rammt ihn ein fremdes Shuttle, dass daraufhin an einem Asteroiden zerschellt. Bialar Crais, Bruder des soeben verstorbenen Shuttle-Piloten und Kommandant der Flotte, die selbige Raumschlacht gerade ausficht, schwört Rache, und unser plan- und ahnungsloser Erd-Tourist Crichton hat schon den ersten Erzfeind an der Backe.

Wie gut, dass es da noch Moya gibt. Moya ist ein lebendiges und gigantisches Raumschiff. In dessen Inneren befinden sich sehr fremdartige Wesen, denen allen eine Sache gemein ist: Sie sind Gefangene und gerade auf der Flucht. Die Raumschlacht, in welche Crichton geriet, war ihr – erfolgreicher – Ausbruchsversuch.

Moya nimmt Farscape 1 an Bord und damit aus der Schusslinie, und der kleine Test-Astronaut Chrichton sieht sich mit dem größten Abenteuer seines Lebens konfrontiert, einem orientierungslosen Flug durch die so genannten Unerforschten Gebiete einer Galaxie, die ihm völlig neu ist, in der unfreiwilligen Gesellschaft von nicht minder exotischen Lebewesen. Auf der Suche nach einem Heimweg muss Crichton lernen, in diesem neuen und fremdartigen Umfeld zu überleben.

Farscape Serie Weltraum Science Fiction Raumschiffe Alien

© Jim Henson Productions / Koch Media GmbH

Die nackten Fakten

Die Idee zu Farscape entstammte der Jim Henson Company. Ja genau, das sind die Leute hinter der Muppet Show, der Sesamstraße oder dem Bär im großen blauen Haus. Wer jetzt aber Kinderfernsehen erwartete, tat nicht nur den Hensons unrecht, war Farscape doch eine ebenso erwachsenenorientierte Genreshow wie etwa Star Trek. Nur dass die Aliens bei Farscape nicht selten Puppen waren – was neben den allwöchentlich gleichen Makeup-Außerirdischen anderer Serien eine wahre Wohltat darstellte. Denn diese Puppen verliehen dem Look des Farscape-Universums eine Tiefe und Fremdartigkeit, von der andere, weniger mutige Shows nur träumen konnten. Und bevor wir vorschnell (und völlig ungerechtfertigt) urteilen: Auch unser aller Lieblings-Brabbelfritze Yoda aus den originären Star Wars-Filmen war nichts anderes als eine Handpuppe!

Die Hensons wollten eine Serie lancieren, die einerseits ihre Fähigkeiten im Umgang mit ihren Puppen demonstrierte und die Möglichkeiten aufzeigte, die sich aus dieser Arbeit ergaben, andererseits aber auch als seriöse Serie bestehen konnte. Dafür heuerten sie dem Autor Rockne S. O’Bannon an, der sich zuvor bereits mit dem leidigen Spielberg-Flop seaQuest DSV und dem Alien Nation-Kinofilm (deutscher Titel: Spacecop L.A. 1999) einen Namen im Genre gemacht hatte.

Das Erbe

Farscape war eine in vielfacher Hinsicht bemerkenswerte Serie, die das Genrefernsehen an völlig neue Grenzen führte. Mit ihren vier Staffeln und dem abschließenden (?) Mehrteiler The Peacekeeper Wars hat sie der TV-SF inhaltlich wie visuell eine angenehme Tiefe verliehen, die nachfolgende Produktionen positiv beeinflusste. Kein Wunder, dass immer mal wieder Gerüchte über eine Fortsetzung im Netz kursieren. Es wäre hochgradig frell, wenn sich diese nicht bald bewahrheiteten …

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewährt Autor Christian Humberg ab sofort eine zweite Chance in seiner Kolumne "Der zweite Blick".

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