Rewatch der Science-Fiction-Serie: Space 2063

© 20th Century Fox

REWATCH

Space 2063 brachte die Military-SF auf die Mattscheibe



Die Neunziger, unendliche Ödnis. Take-That-Plakate verunstalteten Kinderzimmer, Take-That-Musik den Äther. Thomas Gottschalk war seinem Moderationsnachfolger bei Wetten dass …? erst kürzlich wieder nachgefolgt und galt als König des Samstagabends. Der Bundeskanzler hieß nach wie vor Helmut Kohl. Ja, es gab überraschendere Jahrzehnte.

… und auf dem damals noch recht neuen deutschen Fernsehsender VOX lief – ganz kurz – eine SF-Serie, die von Fans bis heute gefeiert wird: Space 2063 gilt aufgrund ihrer düsteren, charakterbetonten Erzählweise u.a. als Quasi-Vorstufe zu Ronald D. Moores Neuinterpretation von Battlestar Galactica.

Die nackten Fakten

Das nicht zuletzt aufgrund seiner gelungenen Episoden zur damaligen Hit-Serie Akte X bekannte Autorenduo Glen Morgan und James Wong legte 1995 mit Space 2063 ein ungewöhnliches Stück Genrefernsehen vor. Die klar der Military-SF zuzurechnende Serie überzeugte primär durch ihre Konzentration auf das Figurenensemble und die depressive Atmosphäre, verunsicherte auf diese Weise aber auch viele, eher an oberflächlich-unterhaltendere Kost gewöhnte Zuschauer. Anfangs eher behäbig erzählt – was den US-Einschaltquoten nicht half; der spielfilmlange Pilotfilm zählt bis heute zu den wohl langatmigsten Serienstarts in der Geschichte des SF-Fernsehens –, wurde die Produktion schnell zu einem temporeichen und überraschend gnadenlosen kleinen Meilenstein. Episoden wie Folter (1x08) übertrugen die Kompromisslosigkeit des Krieges ins Genre der SF.

In den Dialogen wie auch der Inszenierung gelang es Space 2063 trotz ihrer kurzen Lebensdauer, die Sehgewohnheiten ihrer Zuschauer zu überraschen und nachhaltig zu beeinflussen. Um sich noch deutlicher als Military-SF zu definieren, ließen Morgan/Wong wiederholt reale Kriegsereignisse in ihre Serie einfließen – sei es in Dialogen oder in Form von Widmungen einzelner Folgen. Für ihre zeitweise durchaus vor Patriotismus triefende Erzählweise erntete die Produktion allerdings auch einige Kritik.

Die Spezialeffekte – bei einer so raumschlachtstarken Serie ein absolut wichtiger Posten – stammten nahezu ausnahmslos aus dem Computer. Die ohnehin düstere Bildkomposition erlaubte es, dabei weniger detailiert (lies: kostensparender) vorzugehen und Schiffe auch mal recht klobig aussehen zu lassen. Verglichen mit heutigen Standards sind diese Aufnahmen aber äußerst unterdurchschnittlich. Ironie des Schicksals: Die Kosten trugen dennoch entscheidend zur Einstellung der Serie bei.

Space 2063 endete offen und mit den Figuren in überwiegend ausweglosen Situationen. Morgan und Wong, die zu Produktionszeit der letzten Episode wussten, dass die Serie höchstwahrscheinlich nicht verlängert werden würde, wählten dieses Ende mit Absicht, spiegelte es doch die Kompromisslosigkeit, die ihre Episoden generell verströmten.

Space 2063 Serie Weltraum Rewatch

© 20th Century Fox

Die Welt von "Space 2063"

Die Menschheit hat das All erreicht und niemanden vorgefunden. Im Glauben, allein zu sein, breitet sie sich aus und schickt Forschungsschiffe zum Terraforming. Eines davon stößt auf Widerstand: Die sogenannten Chigs, Aliens mit humanoidem Körperbau, erwehren sich der menschlichen Präsenz zwischen den Sternen und stellen das Selbstverständnis einer ganzen Spezies auf den Kopf. Ein Krieg beginnt, den die Erde zu verlieren droht. Einzig das Militär – insbesondere die Wildcards der 58. Schwadron der United States Marine Corps Space Aviator Cavalry, unsere Protagonisten – steht noch zwischen den Chigs und der Erde. Space 2063 erzählt seine Geschichte an und hinter der Front.

Space 2063 Serie Weltraum Rewatch

© 20th Century Fox

Das Erbe

Die Bedeutung, die Space 2063 für nachfolgende Genreproduktionen hatte, ist beachtlich. Insbesondere das gefeierte neue Battlestar Galactica hat sich von der Serie inspirieren lassen, die ihm gewissermaßen den Weg mitbereitete.

Der Großteil der Darsteller ist seitdem kaum nennenswert aufgefallen. Morgan und Wong arbeiten aber nach wie vor als Autoren, Produzenten und Regisseure. Ihren bislang größten Wurf stellt wohl das Franchise der Final Destination-Kinofilme dar, das sie im Jahr 2000 begründeten und zu dem sie zwei der bislang fünf Einträge lieferten.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewährt Autor Christian Humberg ab sofort eine zweite Chance in seiner Kolumne "Der zweite Blick".

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