Kultfilm Rewatch: Highlander

© 20th Century Fox

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Highlander – Es kann nur einen geben



Es kann nur einen geben – hätten sich die Macher von Highlander bloß damals an ihre eigene, ewige Weisheit gehalten. Dann wäre uns einiges erspart geblieben. Beispielsweise Highlander 2 – Die Rückkehr oder Highlander 3 – Die Legende. Filme, die man nicht gesehen haben muss. Anders als den ersten seiner Reihe: Highlander, der 1986 in die Lichtspielhäuser kam, ist schon etwas Besonderes.

Zum einen ist er zeitgenössische Popkultur pur. Wenn Protagonist Christopher Lambert als Connor MacLeod mit weißen, halbhohen Turnschuhen, Trenchcoat und Katana im Achselholster durch die neonbeleuchteten, nächtlichen Straßen von New York zieht, wenn Clancy Brown als Barbar Kurgan im Punk-Outfit sein zusammensteckbares Tötungswerkzeug im Aktenkoffer mit sich herumträgt und wenn die britische Kult-Rockband Queen dazu die musikalische Untermalung liefert, dann ist das so 80er wie etwas 80er sein kann. (Und eins sage ich euch: Wäre ich damals schon im richtigen Alter dafür gewesen, ich wäre genau so herumgelaufen – also wie MacLeod, nicht wie Kurgan.)

Zum anderen kommt der Urban-Fantasy-Streifen von Regisseur Russel Mulcahy in seinerzeit aufregender Videoclip-Ästhetik daher und mutet mitunter regelrecht experimentell an. Eindrucksvoll inszeniert ist beispielsweise gleich die Anfangssequenz, die Parallelmontage einer Schlacht zwischen schottischen Clans im frühen sechzehnten Jahrhundert mit einem Wrestlingkampf im New York des zwanzigsten. Hier das Blut, das Klirren der Schwerter und die brüllenden Clansmänner, dort der Schweiß, das Keuchen der Kontrahenten und der kochende Kessel der Sportarena. Das ist nicht nur ein Wirbel aus Gewalt, der sich einem ins Gedächtnis brennt, sondern es erzählt auch ohne eine Dialogzeile davon, dass sich im Grunde niemals etwas ändert. Der Schauplatz mag wechseln, die Waffen mögen andere sein, doch der Kampf, das Entfesseln der Bestie im Menschen, bleibt eine universelle Konstante.

Ganz abgesehen davon spielt Sir Sean Connery mit, und zwar in der Rolle des eitlen, spanischen Edelmannes Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez. Das darf man ebensowenig verpasst haben, wie seine Darbietung als lendenschurztragender Barbar in John Boormans Zardoz. Ihm ist es vermutlich geschuldet, dass überhaupt Produzenten Geld in den Film gesteckt haben. Er ist sozusagen der Obi-Wan Kenobi von Christopher Lamberts Connor MacLeod. An diesem Punkt wäre vielleicht mal ein Dank an all die britischen Charaktermimen angebracht, die sich auch für eigentümlichste Genre-Produktionen nicht zu schade sind.

Und eigentümlich ist Highlander durchaus, zumindest sein Plot. Seit der „Dämmerung der Zeit“ – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – streifen unsterbliche Männer und Frauen über den Erdball, nur um sich, wann immer sie einander begegnen, zu duellieren, bis einer von ihnen den Kopf verliert. Ist die Rübe ab, fliegt der metaphorische Gullideckel aus dem Boden, Blitze zucken, der Sieger schreit den Himmel an und dann … nun ja, dann sind sie irgendwie stärker, haben die Kraft ihres Gegners in sich aufgenommen. Nur wozu das gut sein soll, bleibt bis zum Schluss offen – und dann klingt es eher wie ein spontaner Einfall in der Post-Produktion. Sich gegenseitig zu suchen und umzubringen, das hat weniger mit Logik zu tun, als vielmehr mit einem inneren Drang, ähnlich dem, der Lachse zur Laichzeit Flüsse hochschwimmen lässt oder Zugvögel zwei Mal im Jahr um den halben Globus jagt.

Highlander - Es kann nur einen geben

© Twentieth Century Fox Film Corporation

Der Film erzählt, in kreativen Szenenwechseln die Zeitebenen verschränkend, gleichzeitig vom Beginn und vom Ende eines unsterblichen Lebens. Lamberts Highlander ist ein „Spätgeborener“, wenn man so will. Er erfährt seine Erweckung erst 1536. Gute vierhundert Jahre reist er um die Welt, nun scheint die Endzeit nah. Alles versammelt sich, wie von unsichtbaren Kräften angezogen, in New York zur letzten Zusammenkunft. Und am Ende kann nur einer übrig bleiben. Die „menschliche Perspektive“ wird dabei übrigens von Brenda Wyatt (Roxanne Hart) eingenommen, einer jungen Polizeipathologin mit Faible für alte Waffen, die einer Serie von kopflosen Leichen folgt und dabei in den Dunstkreis der Unsterblichen gerät. Natürlich verfällt sie dem Highlander – und er ihr. Denn entgegen seiner eigenen Aussage ist er halt doch ein hoffnungsloser Romantiker.

Ich möchte noch einmal auf die Musik zurückkommen. Jeder, der sich ein bisschen mehr mit Filmen beschäftigt, weiß, dass eine gute Musikuntermalung die halbe Miete ist. Gerade die frühen Scores von John Williams (Star Wars, Jäger des verlorenen Schatzes, Der weiße Hai) gelten heute unter Genre-Fans als legendär. Der Film Das letzte Einhorn wäre ohne die Stücke von America kaum vorstellbar. Bei Highlander und Queen ist es ähnlich. „A Kind of Magic“, „Princes of the Universe“, „Who Wants to Live Forever“ … Die Songs erzählen nicht nur die Handlung des Films noch einmal auf ihre Weise, sie gehen auch ohne die bewegten Bilder absolut ins Ohr. Selten hat sich ein Filmscore gleichzeitig dermaßen in die Pophistorie eingeschrieben.

Wie sehr sich Film und Musik hier gegenseitig befruchtet haben, zeigt sich in dem Musik-Video zu „Princes of the Universe“. Das inszenierte nicht nur ebenfalls Russell Mulcahy, er kombinierte hier auch Szenen aus Highlander mit Aufnahmen der Band in nachgebauten Kulissen des Films. Und kein anderer als Connor MacLeod selbst tritt als Gast in dem Clip auf.

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