ein erster Blick auf den Wonder-Woman-Trailer

© Warner Bros. / DC

FILM

Top oder Flop? Der Wonder Woman-Trailer aus Fan-Sicht


So langsam wird es eng für DC. Nach ein paar Flops und dem sehr zwiespältig wahrgenommenen Batman v Superman sollte endlich mal eine Verfilmung klappen. Ob der neue Wonder-Woman-Film wirklich gut wird, weiß niemand so genau – der Trailer sieht ja erstmal nicht schlecht aus … oder?

 

Superhelden-Verfilmungen sind dieser Tage groß in Mode. Ob sie sich nun um Supersoldaten drehen, die ihre übermenschlichen Kräfte einem experimentellem Serum verdanken, um dunkle Rächer, die maskiert auf Verbrecherjagd gehen, oder um Teenager, die durch den Biss einer Spinne besondere Kräfte entwickeln – in den letzten Jahren haben sich viele unterschiedliche Helden auf der Leinwand bewährt.

Nur an eins hat sich Hollywood lange nicht herangetraut: an einen Film über eine Superheldin, die nicht nur Teil eines Ensembles ist. Nach einem ersten Auftritt in Batman v Superman bringt DC im Sommer 2017 einen Wonder Woman-Film in die Kinos.

Vor einigen Wochen wurde auf der Comic Con in Amerika ein erster Trailer veröffentlicht:

Der Fanboy spricht:

Ich gebe zu, der Trailer lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich wünschte, ich könnte sagen, er hat mich von den Socken gehauen, aber das wäre schlichtweg gelogen. Es gibt einiges im Trailer, was mir sehr gut gefällt – und einiges, bei dem mir ganz mulmig wird. Die größte Frage, die ich mir stelle: Wird es DC, die sich in letzter Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, gelingen, eine Wonder Woman auf der großen Leinwand lebendig werden zu lassen, die ihrem ikonischen Comicvorbild gerecht wird.

Ich habe mich bereits als Kind in Wonder Woman verliebt

Als ich die Comicserie entdeckte, war ich noch keine zehn Jahre alt. Ich fand einen ganzen Packen der „Heftchen“, die damals noch herzerfrischend naiv in der deutschen Übersetzung als „Wundergirl“ betitelt wurden.

Die Abenteuer der Amazone Diana, die ihre „Paradiesinsel“ verließ, um in der „Menschenwelt“ für Recht und Ordnung zu sorgen, verschlang ich geradezu. Böse Zungen mögen behaupten, das lag daran, dass Wundergirl eine Prinzessin war und zu ihrem knappen Superheldinnen-Outfit ein schickes Diadem trug (bzw. trägt), aber ehrlich: es gab wichtigere Gründe: Die Comics sprachen den Fantasy-Fan in mir an, denn als Amazone hat Wonder Woman ihre Wurzeln in der griechischen Mythologie. Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten verliehen ihr Göttinnen und Götter und sowohl auf der Insel ihres Volkes als auch im Amerika der Neuzeit stellte sie sich nicht nur Kriegstreibern und Faschisten, sondern auch Monstern und mythologischen Kreaturen in den Weg: Die Zauberin Circe beispielsweise zählt zu ihren Erzfeinden.

Eine Heldin, (zu) viele Origin-Storys

Wie für fast jede Figur der amerikanischen Superheldencomics wurde Wonder Womans Hintergrundgeschichte im Verlauf ihrer bereits 75jährigen Existenz mehrfach umgeschrieben. Dem Mainstream-Publikum dürfte sie vor allem aufgrund der campigen 70er Jahre TV-Serie bekannt sein:

Die Wonder Woman von damals verliebte sich auf den ersten Blick in den amerikanischen Soldaten Steve Trevor, der nach einem Flugzeugabsturz an den Strand ihrer Heimatinsel angespült wurde. Eine Heimatinsel, auf der nur Frauen leben. Diana folge Steve in seine Welt, um im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis zu kämpfen – und an seiner Seite zu sein. Das ist eine Inkarnation, die mit der Comic-Wonder Woman bereits seit den 80er Jahren nicht mehr viel gemeinsam hat.

Botschafterin für den Weltfrieden

George Perez, einer der beliebtesten Comicautoren und -zeichner, verpasste Mitte der 80er Wonder Woman eine dringend notwendige Generalüberholung – mit beachtlichem Erfolg sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum. Seine Diana ist noch immer die Tochter der Amazonenkönigin Hippolyta. Sie verlässt ihr abgeschiedenes Inselreich jedoch nicht aus Liebe zu einem Mann, sondern als Botschafterin ihres Volkes, deren größter Traum der Weltfrieden ist.

Konsequenterweise machte Perez deshalb auch den griechischen Kriegsgott Ares zu einem ihrer Hauptkontrahenten. Lässt man die jüngeren Ereignisse auf dem amerikanischen Comicmarkt außer Acht, steht Wonder Woman seit Jahren für Freiheit, Frieden, Gleichberechtigung sowohl zwischen den Geschlechtern, als auch den Nationalitäten und der sexuellen Ausrichtung, Ehrlichkeit, Nächstenliebe und Selbstbewusstsein. Sie ist charakterlich ein fast übermenschliches Ideal, aber genau das ist sie ja auch: übermenschlich – ins Leben gerufen durch die Macht uralter Götter.

Mein Eindruck vom Trailer

An welche Inkarnation erinnert euch der Trailer? Genau …

Man könnte sagen, das größte Problem im Trailer ist Chris Pine. Natürlich nervt mich nicht der Schauspieler, sondern die Bedeutung, die der Film dem Trailer zufolge seiner Rolle beimisst: Steve Trevor – Love Interest und Handlungsmotivator.

Ganz ehrlich DC – was denkst du dir dabei?!

Wenn ein Filmpublikum von heute etwas nicht braucht, dann ist das eine weibliche Superheldin, die ihre Mission deshalb aufnimmt, weil ihr ein attraktiver Mann schöne Augen macht. Ich meine, über dieses Stadium sind wir im Comic schon seit über dreißig (!) Jahren hinaus.

Problem Nummer Zwei

Und dann schickt ihr Diana an der Seite des US-Militärs in den Kampf gegen deutsche Soldaten?

Nachdem ihr vor einigen Jahren noch betont habt, dass ihr aus Wonder Woman keinen „Historienstreifen“ machen wolltet? Und ganz davon abgesehen: Ihr könnt auf Dutzende großartige Wonder-Woman-Storylines im Comic zurückblicken. Ihr habt die Möglichkeit, das Superhelden-Genre von einer ganz neuen Seite zu beleuchten, indem ihr verstärkt Fantasy-Elemente und die griechische Mythologie einbezieht. Ihr habt sogar darüber nachgedacht, die großartige Eva Green als Circe zu casten und Sean Bean als Ares. Ich meine, vielleicht überrascht ihr uns damit ja noch im Film, schließlich haben wir bisher nur einen Trailer gesehen. Aber der sieht irgendwie verdammt danach aus, dass wir zwar im ersten Drittel ein paar Einstellungen von der Insel der Amazonen bekommen, uns danach auf den Ersten Weltkrieg konzentrieren.

Ich weiß, ihr bei DC schielt immer ziemlich missgünstig rüber zu Marvel und beneidet eure Konkurrenz um deren Wahnsinnserfolg an den Kinokassen. Und vielleicht habt ihr euch deshalb gedacht, ein Weltkriegsszenario sei eine verdammt gute Idee, denn bei Captain America hat das schließlich auch funktioniert. Aber dabei scheint ihr zu vergessen, dass Marvel unter anderem deshalb so erfolgreich ist, weil die mit ihren Superhelden-Filmen immer wieder mal eine neue Richtung einschlagen. Und ich fürchte, diese Chance lasst ihr euch gerade entgehen.

Einiges sieht aber auch vielversprechend aus

Ich will aber nicht nur meckern. Immerhin gehöre ich der (scheinbar verschwindend geringen) Minderheit an, die Batman v Superman: Dawn of Justice gar nicht so schlecht fand. Klar, er hatte einige eklatante Schwächen. Und ein hundsmiserables Ende. Aber ein paar Sachen waren doch recht cool.

Gal Gadot als Wonder Woman zum Beispiel, und wie der Charakter ins Franchise eingeführt wurde. Ja, ich war entsetzt, als ich erfahren habe, dass ihr ein Model als Prinzessin Diana besetzt. Aber in Dawn of Justice hat mich Gadot wirklich sehr positiv überrascht – und dem Eindruck des Trailers zufolge scheint sie inzwischen noch stärker in ihre Rolle hineingewachsen zu sein. Sie hat den Look und die Energie für diese ikonische Rolle. Das lässt doch hoffen.

 

Was mich noch hoffen lässt:

 

1. „Was ich tue, entscheidest nicht du“

Mein Lieblingssatz aus dem Trailer. Das sagt Diana zu Steve, und ich hoffe, das bedeutet, dass wir Wonder Woman als die sehr emanzipierte, selbstbewusste junge Frau erleben, die sie sein sollte.

Und immerhin: Das Wonder Woman-Kostüm und die Kampfsequenzen aus dem Trailer sind ziemlich cool.

 

2. Themyscira und seine Bewohner

Die kurzen Shots von den Amazonen und ihrem Zuhause sehen visuell großartig aus!

Abgesehen davon soll Robin Wright (House of Cards) Dianas Tante Antiope verkörpern. In den Comics hat diese Figur eine verdammt interessante Hintergrundgeschichte, und das lässt mich ein wenig hoffen, dass der Film doch mythologischer wird als befürchtet.

 

3. Zack Snyer

bzw. die Tatsache, dass er eben nicht Regie führt. Auf dem Regiestuhl Platz genommen hat stattdessen Patty Jenkins (Monster).

 

4. Allan Heinberg

Gemeinsam mit seinem Kollegen Geoff Johns hat er das Drehbuch zum Film geschrieben. Meines Wissens hat Heinberg zuvor nur für’s Fernsehen Drehbücher verfasst, u. a. für die Gilmore Girls, Grey’s Anatomy und Looking. Allerdings schätze ich ihn sehr als Comicautor, vor allem für seine Arbeit an Marvels Young Justice.

Und last, but not least

 

5. Lucy Davis als Etta Candy

Der Wortwechsel zwischen Diana und Etta Candy am Ende des Trailers ist toll.

Toll vor allem deshalb, weil es bedeuten könnte, dass DC eines gelernt hat: Superheldenfilme müssen nicht immer ausschließlich „grimdark“ sein, sondern vertragen auch ein bisschen Humor.

 

Fazit:

Wem mache ich eigentlich etwas vor, ins Kino gehe ich sowieso.

Aber ich hoffe, dass es dem Team rund um Wonder Woman gelingt, einen Film zu produzieren, der in allen Facetten einer der wunderbarsten Heldinnen der Comicgeschichte gerecht wird, über die die meisten Leute leider viel zu wenig wissen.

 

Lese-Tipp:

Ihr kennt Wonder Woman noch nicht, seid aber neugierig?

Dann schaut euch mal um, ob ihr irgendwo die (leider nur noch antiquarisch erhältliche) Graphic Novel Batman/Wonder Woman: Hiketeia findet. Das ist ein wunderbarer Comic-Roman, in dem es nicht nur zu einer Konfrontation zwischen der Fledermaus aus Gotham und der Prinzessin der Amazonen kommt, sondern der auch einen sehr spannenden Einblick in die Emotionen und Motivationen der bekanntesten Superheldin der Welt gewährt.

Share:   Facebook