die 10 besten Barbarenfilme: von Conan bis He-Man

© United International Pictures GmbH

REWATCH

Der Zweite Blick (Folge 4): Die 10 besten Barbaren der Popkultur


Bodybuilder in Tierhaut-Tangas, ungezügelte Bon-Jovi-Mähnen und ein abartig hoher Testosterongehalt pro Quadratmillimeter: Diese Barbaren musst du einfach kennen!

 

Die Kamera fliegt durch einen verzweigten Canyon, unter dessen sonnengegerbter Oberfläche rote Lavaströme rhythmisch vorangepresst werden. Erst wenn wir herauszoomen, entpuppen sich die Schluchten dieser makellosen Landschaft als die Furchen im Waschbrettbauch eines bis zur Perfektion trainierten Mannes, dessen Adern vor Lebenslust und Testosteron aggressiv pulsieren. So ein Alphatier wird »Barbar« genannt und kann leicht bekleidet im Genre der Sword & Sorcery angetroffen werden.

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© Cannon Films / Cannon Italia Srl

Neulich las ich, vor Nostalgie und Ergriffenheit halb dämlich grinsend, halb mädchenhaft schluchzend, Bernd Perplies‘ Rewatch von Conan dem Barbaren und fühlte mich sofort zu einer Art Follow up-Artikel inspiriert. Denn auch ich habe schon unzählige Male mit Schwarzenegger-Conan die Prärie erstürmt, animalisch gegrunzt und Schlangenpriester enthauptet; meist heimlich und minderjährig, mitten in der Nacht, wenn legendäre Sender wie Tele5 den Film zum tausendsten Mal im Nachtprogramm flimmern ließen.

Damals hatte ich noch keine Ahnung, ob historische Barbaren wie Gallier-Fürst Vercingetorix, der »grausame Schlächter« Dschingis Khan oder Hunnenkönig Attila irgendetwas mit dem gemeißelten Bodybuilder im Tierhaut-Tanga gemeinsam hatten, der da vor meinen Augen Testosteron schwitzte und sein Breitschwert wirbeln ließ. Aber das war auch nicht weiter wichtig. Die Faszination einer auf Muskeln reduzierten Kampfmaschine, wie sie dem Geist Robert E. Howards entsprungen war, hatte mich fest im Griff. Realismus ist was für Anfänger.

Und seit die beiden Schwarzenegger-Conan-Filme meine Kindheit geprägt haben (wo waren eigentlich meine Erziehungsberechtigten?), fühlte ich mich stets hingezogen in diese »Low Fantasy«-Welt mit ihren kreischenden Jungfrauen, Nekromanten und grotesken Bestien, die allesamt vom Mann mit stählerner Brust bezwungen werden mussten. Der Wahn äußerte sich vor ein paar Jahren sogar in einem Barbaren-Filmmarathon, den ich teils genoss, doch zu großen Teilen eher leidend über mich ergehen ließ, um auch wirklich alle schlechten Trittbrettfahrer des braungebrannten Cimmeriers abzuhaken und auf barbaren.org zu verewigen. Ich war jung und brauchte kein Geld. Dann hat man Zeit für so was.

Im Folgenden möchte ich euch nun meine absoluten Favoriten der Gattung »Barbar« vorstellen, die in den Kategorien »Testosterongehalt pro Quadratmillimeter«, »kompromisslose Todesverachtung« und »Länge der ungezügelten Mähne« Höchstwerte erzielen.

Conan

Dank John Milius konnten Kinder wie ich ab 1982, dem Erscheinungsdatum von Conan der Barbar, endlich mit den richtigen Werten eines Mannes aufwachsen und der Gesellschaft dienlich sein. Wenn es das Schönste im Leben ist »zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber«,  dann bleiben wenig Fragen offen. Für mich hatten übrigens bisher alle Inkarnationen von Conan ihren eigenen Charme. Vom muskelbepackten, aber viel zu bleichen Arnold über den viel näher an der Literaturvorlage erscheinenden Jason Momoa bis hin zur Witzfigur in der sehenswerten Persiflage Conan der Bibliothekar.

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© Universal Pictures, Concorde Home Entertainment (2012)

Kull von Atlantis

Ebenfalls aus der Feder des Pulp-Autors Robert E. Howard stammt Kull, der 1997 von Kevin Sorbo, zu dessen besten Hercules-Serien-Zeiten, im leicht trashigen Kull, der Eroberer verkörpert wurde. Für wahre Feinschmecker des Fantasyfilms mit B-Movie Flair kann ich den Streifen nur wärmstens empfehlen. Auch nach Jahren und mit nicht mehr ganz aktuellen Spezialeffekten ist es immer noch eine große Gaudi, Sorbo dabei zuzuschauen, wie er zu harter Rockmusik eine grobschlächtige Doppelaxt unter seinen Kritikern wüten lässt.

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© Universal Pictures

Ator

Geh in ein Fitnessstudio, bring mir die erstbeste, halbwegs trainierte Kante und setz ihr diesen explodierten Straßenköter als Perücke auf! So oder so ähnlich muss der Casting-Auftrag für die Rolle des Ator gelautet haben, mit dessen Hilfe man im Kielwasser von Conan dahinzuschippern gedachte. Ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke, wie Tarzan-Darsteller Miles O’Keeffe in Ator der Herr des Feuers gegen die schlackernden Stoffärmchen der ausrangierten Rummelplatz-Tarantel aus der 08/15-Geisterbahn kämpft. Mit einem ähnlich üppigen Budget musste sich auch Ator 2 – der Unbesiegbare begnügen und bietet dementsprechend ebenfalls unfreiwillige Komik für feuchtfröhliche Abende.

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© Filmirage

Dar, der Beastmaster

Marc Singer füllt sein nicht vorhandenes Wams zwar weitaus weniger wuchtig aus als andere Barbaren, dafür hat er jedoch zwei Frettchen, einen schwarzer Panther und einen Adler im Schlepptau, die ihm als natürliche Erweiterungen seiner Sinne und Gliedmaßen dienen. Ich bin mir sicher, dass der Beastmaster mit dazu beigetragen hat, dass sich Spieler von Waldläufern in Pen & Paper-Rollenspielen plötzlich tierischer Sidekicks erfreuen durften. Außerdem gehören die Beastmaster-Filme tatsächlich zu den besseren »Schlechten Barbarenfilmen«. Besonders der zweite Teil, Beastmaster – Der Zeitspringer, der Dar in die 90er Jahre der Erde führt, um dort seinen bösen Bruder davon abzuhalten, eine Atombombe zu zünden, ist trashiger Spaß. Ja, ihr habt das mit der Atombombe richtig gelesen.

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© Leisure Investment Company / Beastmaster NV / ECTA Filmproduktion

Der Scorpion King

Eigentlich kaum verwunderlich, dass Dwayne Johnson alias »The Rock« als muskelbepackter Assassine und Akkadier Mathayus eine gute Figur macht, während er unter knackigen Metal-Sounds seine Gegner verprügelt. Dabei kommen dem ehemaligen Catcher viele Tricks seiner Wrestling-Karriere zugute – sehr zur Freude seiner Opfer, deren Körper durch verschiedenste Hebel und Würfe Tische und andere Möbelstücke durchschlagen dürfen. Tatsächlich gehört The Scorpion King zu den besseren Sword & Sorcery- bzw. Barbarenfilmen und hat sehr viel Popcorn-Unterhaltung zu bieten. Nur macht bitte nicht den gleichen Fehler wie ich und schaut euch auch Teil 2, 3 und 4 an, die leider sukzessive immer schlechter werden. Kein Wunder, ohne »The Rock«, der das Haus rockt.

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© United International Pictures GmbH

Hrun von Chimära

Ich höre schon fanatische Scheibenwelt-Fans nach Dschingis Cohen (auch: Cohen der Barbar) schreien, der als der größte Held der Scheibenwelt gilt. Doch er muss seinen Platz in dieser Liste demütig abgeben an das Urbild des dümmlichen Barbaren, dessen Name schon klingt wie ein erzürntes Grunzen: HRUN! In Die Farben der Magie ist der wortkarge Kraftprotz mit seinem sprechenden Schwert Kring zeitweise ein Begleiter von Rincewind dem Zauberer. Im Tempel des Blut-und-Schleim-Gottes Bel-Shamharoth (herrlich) rekrutiert, wird er von Rincewind als »Mann mit breiter Brust, einem Hals so dick wie ein Baumstamm sowie einer Mähne aus schwarzem Haar auf einem überraschend kleinen Kopf, der aussieht wie eine Tomate auf einem Sarg« beschrieben. Von mir volle Punktzahl für diese Karikatur-Leistung.

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© Josh Kirby

He-Man

Viele haben den unbesiegbaren Goldschopf von Eternia gar nicht als Barbar auf dem Radar. Doch als 1982 die Hells Angels ins Kino fuhren, um ihrem neuen Lieblingsfilm Conan der Barbar zu huldigen, wurde zur selben Zeit auch der stärkste Mann des Universums aus der Taufe gehoben. Die Firma Mattel wollte damals eigentlich Spielzeug zum Conan-Film machen, entschied sich dann jedoch für He-Man, dessen Name allein schon vor Männlichkeit trieft wie ein frisch gebuttertes Hüftsteak. Der Ur-He-Man gehörte nämlich zu einem Barbarenstamm und war deshalb anfangs noch mit Axt und Schild ausgerüstet. Und auch wenn er später zu dem familientauglicheren Prinz Adam entmannt wurde und sich erst mittels Zauberschwert in den Ultra-Barbaren verwandeln musste, so ist er doch immer noch einer meiner All Time Favorites, wenn es um außerirdische Poser geht.

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© Filmation Associates / Mattel

Korgoth of Barbaria

Wenn es um die absolute Überzeichnung all dessen geht, was Pulp Fantasy, Heavy Metal und Barbaren ausmacht, dann ist diese in Korgoth personifiziert. Um es mit einem Satz aus dem Conan-Remake mit Jason Momoa zu sagen: Er lebt, er liebt und er tötet. Und damit ist er vollkommen zufrieden. Als Arena für seine archaischen Gelüste dient ihm Barbaria, ein Land so voll gestopft mit wahnsinnigen Zauberern, furchtbaren Monstern und lebensfeindlicher Natur, dass es einfach nur albtraumhaft-schön ist. 

Ich möchte immer noch Aaron Springer dafür vierteilen, dass er es nicht geschafft hat, den Piloten zu einer richtigen Serie werden zu lassen. Immerhin bleibt uns die erste Folge als ein einzigartiges Stück Pulp-Kunst, welches ihr euch auf Youtube in voller Länge anschauen solltet:

Grognak

In Fallout 4 könnt ihr den Schutt der Postapokalypse durchwühlen und dabei elf Comics von Grognak dem Barbaren entdecken. Als Fellhosen-Fan finde ich es natürlich großartig, dass die Bethesda-Leute diese Conan-Persiflage in Form der »Hubris Comics« in ihr Spiel eingebaut haben. Vermutlich, weil die vorsintflutliche Welt von Grognak dem Ödland der Zukunft gar nicht so unähnlich ist und beide »Trash« irgendwo im gemeinsamen Nenner haben. Und als ob das alles nicht schon atemberaubend genug wäre, können sich Fallout-Spieler im Laden »Hubris Comics« sogar noch die legendäre Axt und den charakteristischen Lendenschurz des Barbaren unter die radioaktiven Nägel reißen. Als Ödland-Barbar verkleidet Mutanten mit einer Axt zu zerstückeln, dürfte dann spätestens echtes Mad Max-Flair versprühen. Großartig!

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Thundarr

Und noch ein Zeichentrick-Barbar hat sich in mein Herz und damit in diese Liste gemogelt: Thundarr, eine Mischung aus Thor, Conan und Luke Skywalker. Letzterem ähnelt er aber eigentlich nur, weil er sein berüchtigtes Sonnenschwert aus einem Griff ausfahren lassen kann, das dann beim Schwingen summende Geräusche verursacht. Die Macher der Serie wussten scheinbar, welche Komponenten man lieber gut klauen, anstatt schlecht neu erfinden sollte. Thundarr besteht seine Abenteuer im postapokalyptischen Ödland der Erde im Jahre 3994. Mit seinen Gefährten, dem Wookie-Verschnitt Ookla und Prinzessin Ariel, einer jungen Zauberin, erlebt er Haarsträubendes in einer Welt von Lasern und Schwertern. Ich kann kaum atmen vor Lust.

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© Ruby-Spears Productions

3 Honorable Mentions:

Ich kann diese Liste nicht zu Ende tippen, ohne noch ein paar wilden Kriegern meine Aufwartung zu machen, die es immerhin fast auf diese Liste geschafft hätten: Red Sonja, die in jeder Hinsicht feurige Amazone, die beiden Vollpfosten-Brüder Kutchek und Gore aus The Barbarians von 1987 sowie Zorn aus Son of Zorn, der uns ab dem 11. September auf Fox als Zeichentrick-Barbar in einer Realfilm-Umgebung vom Melkschemel hauen könnte. Hier ein Trailer: 

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