Filmrewatch: Knights of Badassdom

© Pandastorm Pictures

REWATCH

Der Zweite Blick (Folge 2): Knights of Badassdom



Sonntagnachmittag in einem Wald draußen vor der Stadt. Gemütlich spazieren Rentner über die Wanderwege, ein paar Jogger kommen ihnen entgegen. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, kurz: Die Welt ist, wie sie an einem Sonntagnachmittag sein sollte.

Doch unvermittelt tauchen Gestalten aus dem Dickicht am Wegesrand auf. Eine von ihnen trägt eine bodenlange Robe wie ein Mönch, bloß dass die aufgestickten Runen so gar nicht nach einer anerkannten Religion aussehen. Ein zweiter Kerl hat tatsächlich ein Kettenhemd an, ein leuchtend roter Stofffetzen hängt darüber, gehalten von einem breiten Ledergürtel. Lederne Arm- und Beinschienen verleihen ihm ein martialisches Aussehen, das noch durch die zwei klobigen Schwerter (Sind die aus Schaumstoff?) unterstrichen wird. Die dritte Gestalt ist eine Frau mit hellgrüner Haut, geflochtenem Haar und spitzen Ohren, die einen Bogen in den Händen hält.

Die drei überqueren die Straße und nicken dabei freundlich, als wäre an ihrem Aufzug absolut nichts Ungewöhnliches. Der Schwertträger wünscht einen schönen Tag. Dann verschwindet das Trio in den Büschen auf der anderen Seite des Weges.

Was zum Teufel war in dem Glas, das nach dem Mittagessen in der Forsthütte als Verdauungsschnaps serviert wurde?

Ich kann Sie beruhigen: nichts. Es handelte sich um einen schlichten Kräuterlikör. Und diese drei Gestalten waren auch weder ein Trugbild, noch Besucher aus einer anderen Dimension. Es waren Larper.

Larp – oder genauer LARP – steht für Live-Action-Role-Playing oder zu gut Deutsch Live-Rollenspiel. Unbedarften wird es gerne als Improvisationstheater ohne Publikum beschrieben. Eine Gruppe von spielfreudigen Menschen zwischen 16 und 60 trifft sich auf einem Zeltplatz, einer Burg oder in einem Jugendgästehaus, und dann taucht man ein Wochenende lang in eine fiktive Welt ein, folgt der Erzählung eines Teams von Spielleitern, lebt verkleidet und, ja, mit Schaumstoffwaffen ausgerüstet eine Rolle, die sich über Jahre hinweg auf verschiedenen Veranstaltungen – Cons – weiterentwickeln mag. Diese Cons können aus nur dreißig Teilnehmern bestehen, aber sie nehmen mitunter auch gewaltige Ausmaße an.

LARP ist längst nicht mehr nur ein Hobby für vereinzelte Nerds. Und dennoch verläuft eine ziemlich scharfe Trennlinie zwischen LARPern und Nicht-LARPern. Die einen gehen in diesem Hobby, dieser erfundenen Realität völlig auf – die anderen schütteln darüber verständnislos den Kopf (wenn sie nicht gar glauben, dass diese Gewandeten, die nachts durch den Wald springen, allesamt Dämonenbeschwörer sind).

Womit wir endlich bei Knights of Badassdom wären! (Mann, was ein Intro diesmal.) Knights of Badassdom nämlich ist ein Film über LARPer, die … einen Dämon beschwören. Natürlich versehentlich. Woher sollte Eric auch wissen, dass das im Internet erstandene Zauberbuch, das sein Magier als Requisite verwendet, tatsächlich ein echtes Zauberbuch ist?

Aber ich greife vorweg.

Eigentlich geht es gar nicht primär um Eric (gespielt von Comedian Steve Zahn), sondern um Joe (Ryan Kwanten, manche mögen ihn aus True Blood kennen). Joe wurde gerade von seiner Freundin verlassen. Um ihn aufzuheitern, schnappen ihn sich seine Freunde Eric und Hung (ganz großartig: Peter Dinklage in einer heiteren Aufwärmrolle für Game of Thrones) und fahren mit ihm auf ein LARP im Fantasy-Reich Evermore. Abschalten und Spaß haben, heißt die Devise.

Joe findet das Ganze natürlich extrem albern, aber seine Laune bessert sich, als ihm Gwen über den Weg läuft (dargestellt von Summer Glau, vom Fandom verehrt für ihre Rollen in Firefly und Terminator: The Sarah Connor Chronicles). Tja, und dann kommt dieses kleine Missgeschick, das Eric unterläuft – und fortan wird aus dem Spiel bitterer Ernst, denn der Dämon, der pikanterweise die Gestalt von Erics Ex annimmt, hat die eingebildeten Helden buchstäblich zum Fressen gern.

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Klingt das schräg? Ist es auch! Knights of Badassdom hat nicht nur einen waschechten Trash-Plot, die metallastige Horrorkomödie von Regisseur Joe Lynch wurde auch mit spürbar schmalem Budget gedreht, was man den Effekten immer wieder ansieht. Echtes Grauen kommt da nicht auf (und auch mancher Witz krepiert im Rohr). Was vielleicht der Grund dafür war, warum der Film nach dem Dreh 2010 für fast vier Jahre in der Post-Production-Hell festhing – und am Ende nur in einer Handvoll Filmtheater überhaupt zu sehen war (und das auch noch, wie man munkelt, in einer von Lynch nicht autorisierten, umgeschnittenen Fassung).

Doch ganz ehrlich? Das alles macht nichts! Als der erste Trailer 2011 auf der Comic Con International gezeigt wurde, stand Halle H im San Diego Convention Center Kopf. Peter Dinklage, Summer Glau, Ryan Kwanten und Steve Zahn in einem Film? Über LARPer, die einem Dämon in den Arsch treten? Das muss doch einfach Spaß machen!

Und genau das macht Knights of Badassdom – jedenfalls mit dem richtigen Freundeskreis und zwei Flaschen Met genossen. Albern, billig produziert und hanebüchen wie er ist, macht er Spaß, und das nicht nur, wenn man selbst LARP spielt oder gespielt hat. Wobei das den Unterhaltungsfaktor noch erhöht, denn man fragt sich die ganze Zeit: „Sieht das bei den Amis wirklich so aus oder schaue ich gerade eine Parodie?“

Doch gleichgültig, ob die zickenden Feen oder der theatralische Spielleiter ernst gemeint sind oder nicht, am Ende steht der Film eindeutig auf der Seite seiner spielfreudigen Protagonisten. Joe, Eric, Hung und Gwen werden zu Helden, jeder auf seine Weise. Der Weg dorthin mag blutig sein, doch natürlich wird Evermore gerettet und Joe … na ja, sagen wir mal, er dürfte seine Ex danach überwunden haben.

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