Rewatch des Films: Chuck

© Warner Bros. / NBC Universal

REWATCH

Chuck wusste, wovon Nerds träumen


Psst ... Hey, Sie da. Ja, genau Sie. Kommen Sie doch mal kurz her – aber unauffällig, klar?

Haben Sie Lust, Geheimagent zu werden? Aufregende Abenteuer zu erleben, mit den kernigsten Kerlen und den fantastischsten Frauen zusammenzuarbeiten, und dabei auch noch Ihrem Land zu helfen? Wenn ja, lesen Sie diese Kolumne aufmerksam durch. Danach können wir reden.

Die Welt von Chuck

Kennen Sie Charles „Chuck“ Bartowski? Das ist kein allzu interessanter Mensch. Er arbeitet in einem Elektromarkt, wohnt bei seiner Schwester und verbringt seine Freizeit mit Kumpel und Arbeitskollegen Morgan – also mit Computerspielen, unsinnigen Trivia-Wettbewerben und Fernsehmarathons. Chuck ist ein Geek und wird es zum Leidwesen seiner Schwester Ellie vermutlich auch immer bleiben. Doch dann geschieht etwas. Chucks alter Collegefreund Bryce meldet sich unerwartet per Email und schickt Chuck eine Datei. Der öffnet sie und findet sich einer Fülle an geheimen Regierungsdaten gegenüber, die in einem Wahnsinnstempo über seinen Monitor rasen und sich unauslöschlich in Chucks Gehirn brennen.

Und nun ist Charles „Chuck“ Bartowski ein wahnsinnig interessanter Mensch. Er ist der einzige „Datenträger“ der Staatsgeheimnisse, und es gibt viele, die gerne mal einen Blick auf sie werfen würden. Eine bildhübsche CIA-Agentin erscheint auf der Bildfläche und gibt sich als Chucks Freundin aus, um ihn zu beschützen. Und ein bärbeißiger NSA-Agent zieht ins Nachbarhaus, um eigene Besitzansprüche geltend zu machen. Quasi über Nacht wurde aus einem Geek der neue James Bond – und aus Gründen der nationalen Sicherheit darf das niemand erfahren. Natürlich.

Warum ich das Ihnen dann trotzdem erzähle? Warten Sie’s ab …

Die nackten Fakten

Dass ich mal eine Serie empfehle, deren Schöpfer sich zuvor an O.C. California ausgetobt hat, wäre mir vor einigen Jahren noch peinlich gewesen. Aber dann kam Chuck. Chuck hat O.C.-Schöpfer Josh Schwartz gemeinsam mit einem alten Kumpel entwickelt, und genauso fühlt die Show sich auch an: wie ein guter alter Freund. Ob in den Schilderungen des alltäglichen Wahnsinns im Elektromarkt oder bei der Verfolgung krimineller Elemente, stets ist Chuck sympathisch, anständig und einfach supi. Die Serie erfindet das Rad nicht neu, aber sie weiß genau, wie es funktioniert. Das kann man nicht von allzu vielen Produktionen sagen.

Vielleicht liegt das an ihren Beteiligten. Adam Baldwin, bekannt als Jayne aus Joss Whedons grandiosem Firefly-Kosmos, spielt als brummiger NSA-Agent im Prinzip die gleiche Rolle und ist in ihr perfekt. Zachary Levi ist die Idealbesetzung für den unfreiwilligen Helden, der eigentlich viel lieber Guitar Hero spielen oder zum fünfhundertsten Mal Dune gucken möchte. Und Yvonne Strahovski ist, Entschuldigung, lecker.

Chuck steckt voller Geek-Anspielungen, vor und hinter der Kamera. Von Film- oder Serienzitaten bis zum Personal atmet sie ein Genrebewusstsein, das seinesgleichen sucht. Ihr Produzent und gelegentlicher Regisseur ist übrigens Robert Duncan McNeill (Tom Paris aus Star Trek: Voyager), John Billingsleys Gattin Bonita Friedericy und Tony Todd spielen wiederkehrende Gastrollen, und Chuck spricht fließend klingonisch. Was an dieser Serie sollte nicht Genre sein?

Das Erbe

Also, wollen Sie Geheimagent werden? Dann gehen Sie auf Onlinesuche. Irgendwo da draußen im Netz, so heißt es nämlich, könne man sich nach wie vor die Regierungsdaten aus Chucks Hirn selbst ansehen. Sollte eine bildhübsche Agentin danach unbedingt Ihre Freundin werden wollen, danken Sie mir nicht. Laden Sie mich einfach zur Hochzeit ein.

 

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewährt Autor Christian Humberg ab sofort eine zweite Chance in seiner Kolumne "Der zweite Blick".

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