Filmreview: Conan, der Barbar mit Arnold Schwarzenegger

© Universal Pictures, Concorde Home Entertainment (2012)


Vor einigen Jahren haben ein paar Freunde und ich zusammen mit einem Kasten Bier und einer Familienkiste Salzbretzeln einen „Barbarenfilmeabend“ veranstaltet – optional war das Tragen von Fellunterwäsche, aber so weit wollte niemand von uns gehen. Ich weiß nicht mehr genau, was wir uns damals angeschaut haben, aber es war mindestens Ator – Herr des Feuers dabei und, wenn ich nicht irre, der Film Die Barbaren. Beides übrigens Machwerke, die ihrer eigenen Würdigung bedürften, alleine weil sie so trashig sind.

Barbaren-Fantasy … das war so ein eigentümlicher Auswuchs der Phantastik der 80er Jahre. Es war die Zeit, in der Männer als kraftstrotzende, wortkarge Schwertschwinger auftraten und Frauen sich im Wesentlichen in Fellbikinis hüllten, wenn sie überhaupt so viel Kleidung trugen. Wer neugierig ist, mag mal Boris Vallejo oder Frank Frazetta bei der Google-Bildersuche eingeben. Die beiden sind praktisch die prototypischen Künstler der Barbaren-Fantasy.

Die meisten Filme jener Jahre waren großer Mist. Richtig Kult wurde nur jener Streifen, der 1982 der Ausgangspunkt für die cineastischen Muskelspiele war: Conan, der Barbar von Regisseur John Milius nach den 30er-Jahre-Pulp-Romanen von Robert E. Howard und mit einem ganz jungen und noch abartig muskulösen Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle.

Die Geschichte, die erzählt wird, passt auf eine Papierserviette. Als Junge muss Conan mit ansehen, wie sein Dorf von dem Schlangenhexer Thulsa Doom (James Earl Jones) und seinen Schergen zerstört wird. Er selbst wird versklavt und steigt vom Arbeitstier zum Gladiator auf. Schließlich kommt er frei und zieht durchs Land, erst begleitet von dem Dieb Subotai, später zusätzlich von der Kriegerin Valeria, die natürlich nicht viel anhat, deren Liebe Conan gewinnt und mit deren Darstellerin, der jungen Sandahl Bergman, Arnold Schwarzenegger die erste Filmsexszene seines noch jungen Schauspielerlebens hatte.

Vom greisen König Osric beauftragt, Töchterlein aus den Klauen Thulsa Dooms zu befreien, macht Conan, von Rachsucht geblendet, den Kardinalfehler seines Lebens, indem er alleine loszieht und seine Gefährten zurücklässt. Das geht gründlich schief, und wären da nicht seine Freunde gewesen, hätte Conan nicht zwei Jahre später in Conan, der Zerstörer ein weiteres Abenteuer erleben können. Zu dritt starten die Gefährten einen erneuten Angriff, und nach einer Menge Mord und Totschlag siegt am Ende … nun ja, vielleicht nicht das Gute, aber doch der Kerl, der nicht ganz so übel ist wie der Schlangenhexer, der den Untergang bereits im Nachnamen trägt.

© Universal Pictures, Concorde Home Entertainment (2012)


Schwarzenegger feierte mit dieser Rolle seinen internationalen Durchbruch, und das, obwohl er weder nennenswerten Text auswendig lernen, noch irgendeine Miene verziehen musste. Er hatte einfach nur imposant auszusehen. Weswegen er 1983 glatt für die Goldene Himbeere nominiert wurde. Dabei sei allen Kritikern gesagt: Immerhin gelang es ihm, Conan zu einer Ikone der Fantasy zu erheben, über die selbst dreißig Jahre später noch Leute wie ich schreiben. Das ist keinem seiner Nachfolger geglückt! (Trotzdem … Ator … Mann, war der beknackt lustig. Später vielleicht.)

Ansonsten punktet der Film vor allem durch die schiere Wucht seiner Bilder. Roh, blutig, archaisch ist diese Welt, die Milius und Oliver Stone als Drehbuchautor auf die Leinwand brachten.  Wenn Conan jemandem den Kopf abhackt, muss er auch schon mal mehrfach zuschlagen, weil das verdammte Schwert so stumpf ist. Und wer in Thulsa Dooms Speisekammer genau hinschaut, wird dort mehr als nur einen ausgeweideten Menschenkörper an Haken aufgehängt sehen. Das ist nichts für zart besaitete Gemüter. „Menschenverachtend“ nannte die Presse das Ganze mitunter, und in seiner Verherrlichung des starken Körpers tendenziell faschistoid. Ja, Milius wusste schon immer, wie man polarisiert.

Unbestritten brachial kommt auch die Filmmusik von Basil Poledouris einher, einem ehemaligen Klassenkameraden von Milius an der University of Southern California. Wer einmal den legendären, gesprochenen Prolog („Let me tell you of the days of high adventure!“) und die treibende Anfangsmelodie gehört hat, wird sie nicht mehr vergessen. Die Musik hat in Conan überhaupt einen enormen Stellenwert, ist der Film doch alles andere als dialoglastig. (In einem durchschnittlichen Woody-Allen-Streifen wird in fünf Minuten mehr gesprochen, als hier über die ganze Länge.) Dabei ist der Soundtrack nicht bloß ein zweistündiger epischer Chor-Exzess, sondern durchaus überraschend reich an zarten, melodischen Stücken. Kein Vergleich mit manchen Action-Scores aus jüngeren Jahren.

Kurioserweise gehört Conan zu den Filmen, die mit den Jahren gewachsen sind. Er mag als Barbarenabenteuer mit eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen und höchstens durchschnittlicher Schauspielleistung in die Filmtheater gekommen sein. Wenn man ihn jedoch heute wieder anschaut, staunt man über die Fähigkeit der Macher, Bilder mit starkem Symbolgehalt zu erzeugen und ganze Sequenzen einfach ohne Text zu erzählen – show, don't tell. Das ist irgendwie schon großes Kino, was John Milius da auf Zelluloid gebannt hat. (Sich selbst hat der Regisseur übrigens auch auf Zelluloid gebannt: Milius hatte einen Cameo als Verkäufer von frittierten Echsen am Spieß, der aber  nur als „deleted scene“ auf der DVD zu sehen ist.)

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