Vampirverschwörung: Die „V-Wars“-Comics

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Vampirverschwörung: Die „V-Wars“-Comics von Jonathan Maberry


Die Geschichte der „V-Wars“ von Jonathan Maberry startete jüngst in Buchform (bei FISCHER Tor) und blickt einer Zukunft auf Netflix entgegen. Zwischen den Büchern und der Fernsehserie stehen die Comics über die folgenschweren Vampirkriege.

Nicht mehr lange, und „V-Wars“ springt als neue Serie ins üppige Angebot von Netflix. Allerdings mutierte die Saga um die Vampirkriege, die 2012 von Jonathan Maberry mittels einer von ihm orchestrierten und dominierten Prosa-Anthologie losgetreten wurde, schon vor ihrer anstehenden Adaption durch den internationalen Streaming-Giganten zum multimedialen Franchise.

Immerhin erschienen 2014 beim US-Verlag IDW die ersten Comics zu „V-Wars“ und setzten das fiktive Geschehen über mediale Grenzen hinweg in neuen Geschichten fort. Glaubt man den bisherigen Infos zur angekündigten Netflix-Verquickung, dann dürften die geschriebenen und gezeichneten Panel-Storys eine maßgebliche Inspirationsquelle für die Serie sein – es wird sogar offiziell von einer Comic-Adaption gesprochen. Bei Cross Cult liegen die von den Büchern ausgehenden Bildergeschichten zu „V-Wars“ in den Comic-Sammelbänden „Die Blutrote Königin“ und „Das Monster in uns“ auf Deutsch vor.

Menschen vs Monster: Darum geht es in den Comicbänden

Zu Beginn von „Die Blutrote Königin“ holt Autor Jonathan Maberry jeden ab – selbst Leser, die noch nie einen Blick in die ursprünglichen Anthologien geworfen haben, in denen Maberry als Hauptautor und Herausgeber das „V-Wars“-Universum begründete. Der 1958 geborene Amerikaner macht es in seiner Comic-Fortsetzung auch Quereinsteigern leicht, die erstmals mit den Vampirkriegen in Berührung kommen. Es braucht nur wenige Seiten, die sich im Übrigen direkt auf die erste Anthologie beziehen, und man hat die Ausgangssituation mühelos erfasst: Die Polkappen schmelzen, ein Virus aus dem Eis weckt Vampirgene in Menschen, viele Kinder, Frauen und Männer mutieren, und die Gesellschaft der Vereinigten Staaten zerfällt in zwei Lager: Menschen und Monster.

Der frühere Hochschulprofessor Luther Swann, ein Experte für Vampirmythen, begleitet die militärische Spezialeinheit V-8, die mit aller Härte gegen die unterschiedlichen Vampirarten vorgeht. Eine friedliche Co-Existenz scheint immer unwahrscheinlicher, da einige wütende Vampire mit Terrorangriffen zurückschlagen. In „Die Blutrote Königin“ wollen Luther Swann und die Fernsehjournalistin Yuki Nitobe Menschen und Vampiren gleichermaßen vor Augen führen, dass sie von wenigen Extremisten und sogar einer Verschwörung echter Kriegstreiber entzweit werden, statt auf eine sinnige Evolution des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu bauen.

Im zweiten Comic-Band „Das Monster in uns“ eskaliert der Krieg zwischen Verwandelten und Nichtverwandelten weiter, und die Verschwörungstheorie bekommt durch wissenschaftliche Experimente mit besonders brutalen Vampiren als Biowaffen neue Nahrung ...

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V-Wars: Die Vampirkriege (Jonathan Maberry)

Bissige Mutanten, realer Wandel

Vielschreiber, Alleskönner und Genre-Kenner Maberry, der 2006 ein ganzes Sachbuch über Vampire veröffentlichte und mit z. B. „Black Panther“ und „Das Marvel-Universum gegen den Punisher“ einiges an Comic-Erfahrung sammelte, vertraut in seinen Panel-Geschichten zu „V-Wars“ auf die Mischung von Sujets und Sachverhalten: Blutsauger-Horror und verschiedene Subgenres der Science Fiction verschmelzen, wobei Monster-Action mindestens genauso viel Gewicht hat wie die realistischen politischen und sozialen Konsequenzen der Vampirkriege.

Deren Schlachten und Katastrophen korrespondieren wiederum mit den persönlichen Schicksalen von Protagonisten, die zwischen den Fronten stehen und ungeachtet der Länge ihrer Reißzähne alle um ihre Menschlichkeit ringen. Dabei fühlt es sich stets so an, als würde man Marvels „X-Men“-Comics lesen, nur dass die Mutanten in „V-Wars“ eine zahlenmäßig wesentlich größere und aggressivere Macht des zivilisatorischen Wandels darstellen, der nicht aufzuhalten ist. Zudem versteht Maberry es auf handwerklicher Ebene ziemlich gut, blutige Schockmomente zu setzen und die untoten – man könnte auch sagen: festgefahrenen, abgedroschenen – Vampirmotive zu revitalisieren.

Die Visualisierung der Comics oblag dem Chilenen Alan Robinson („Back to the Future“) und dem in Pisa geborenen, heute in Prag lebendem Marco Turini („Robotech“, Konzeptkünstler für Marvels „Doctor Strange“-Film). Beide sind recht solide Zeichner und Storyteller, ohne dass sie je das Attribut Lieblingskünstler erlangen werden. Sie erzeugen mit ihren Layouts und Panels einen guten Fluss für Maberrys hin und wieder etwas textlastige Story, und selbst wenn nicht jedes Gesicht glückt, funktionieren die Expressionen immer. Das erinnert ein wenig an Charlie Adlard, den zuverlässigen Zeichner der meisten „The Walking Dead“-Comics, der einen durch solides Handwerk irgendwann vergessen ließ, dass ursprünglich der detailversessene Tony Moore die Anfänge von Robert Kirkmans Zombie-Seifenoper spektakulär zu Papier brachte.

Insofern geht das Artwork von Robinson und Turini für einen Franchise-Comic allemal in Ordnung. Hinzu kommt, dass „V-Wars“-Kolorist Jay Fotos u. a. noch „Locke & Key“ von Joe Hill und Gabriel Rodriguez Farbe bekennen lässt und man aufgrund seiner charakteristischen Farbpalette sofort an das Horrorcomic-Meisterwerk denken muss, was den optischen Eindruck der beiden Bände aufwertet.

Aktueller denn je

Auch innerhalb der neunten Kunst des grafischen Erzählens bringen Jonathan Maberry und seine „V-Wars“ das in jüngerer Vergangenheit ganz schön ausgesaugte Vampirgenre auf ein anderes Level. Die Mischung aus Military-Science-Fiction, Social SF, Endzeit-Ambiente, Monsterhorror und regierungsnahen Missetaten verleiht dem Thema eine ganz neue Dimension und nicht zuletzt Wucht. Außerdem scheinen viele Elemente der „V-Wars“-Comics durch den so präsenten Klimawandel, Fake News und Ausschreitungen zwischen verschiedenen extremen politischen oder ethnischen Gruppen eines Landes noch aktueller und relevanter als beim Erscheinen vor ein paar Jahren.

Gar nicht so übel für einen Vampir-Comic ...

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