Conan ist jetzt ein Avenger!

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COMIC

Willkommen zurück bei Marvel: Conan ist jetzt ein Avenger


Peter Osteried
09.09.2019

Seit vergangenem Jahr hält Marvel wieder die Lizenz an Conan. Im neuen Comicband "No Road Home - Kein Weg zurück" trifft Conan die Avengers – sein Einstand ins Marvel-Universum. Was ist von Conan, dem Avenger, zu erwarten?

Als Conan der Barbar im Jahr 1970 bei Marvel als Comic-Held debütierte, da erwiesen sich die Abenteuer des Cimmeriers, der in den 1930er Jahren von Robert E. Howard erschaffen wurde, als immenser Erfolg. Gut 25 Jahre lang publizierte Marvel Comics verschiedene Serien mit Conan, dann wurde die Lizenz an Dark Horse vergeben. Im Jahr 2018 folgte dann jedoch der Paukenschlag: Dark Horse hatte die Lizenz verloren und Marvel sie erneut erworben. 

Im Grunde eine erstaunliche Entwicklung, befasst sich Marvel, das zum Disney-Konzern gehört, doch schon lange nicht mehr mit fremdlizenziertem Material. Die Rückkehr von Conan wurde jedoch groß gefeiert. Er bekam drei neue Heftserien (u.a. Conan der Barbar: Leben und Tod des Barbaren, Band 1 ist bei Panini erschienen), und Reprints der alten Ausgaben in bibliophilen Büchern wurden begonnen, aber Marvel hatte weit größere Pläne mit dem Barbaren, als man es für möglich gehalten hätte.

Conan trifft die Avengers

Es war die Miniserie Avengers: No Road Home, die alles verändern sollte. Denn auf dem Cover der sechsten Ausgabe kämpft Scarlet Witch zusammen mit Conan gegen dämonische Horden. Man nutzte diese Miniserie, in der Nyx, die Göttin der Nacht, loszieht, um ewige Finsternis über die Menschheit zu bringen, um Conan in das Marvel-Universum zu integrieren. Der Kampf gegen Nyx fand in verschiedenen Sphären und Dimensionen statt – bis Scarlet Witch die Avengers ins hyborische Zeitalter brachte. Dort treffen die Helden auf Conan.

Das mag wie ein Stunt erscheinen – und ist es vielleicht auch –, aber faszinierend ist diese Mixtur aus zwei sehr unterschiedlichen popkulturellen Narrativen schon, auch wenn es nicht das erste Mal ist. Marvel hat in den Jahren, da man erstmals die Conan-Lizenz hielt, Was-wäre-wenn-Geschichten mit Conan erzählt, die sich mit der Frage befassten, wie der Barbar in unserer heutigen Welt wohl agieren würde oder wie der Ausgang wäre, wenn er gegen Thor oder Wolverine kämpfen würde. Damals ergab es für Marvel Sinn, die Figur auch in anderen Comics unterzubringen.

Weil die Welt noch eine andere war – zumindest, was das Publizieren von Comics betrifft. Nachdrucke in Sammelbänden oder gar teuren Hardcover-Bänden waren noch eine Seltenheit. Geld verdiente man mit den monatlich erscheinenden Heften, während die Wiederveröffentlichung kaum ins Gewicht fiel. Darum war es auch egal, wenn man manche Hefte später nicht nachdrucken konnte, weil man nicht mehr die Lizenz für eine Figur hielt.

Das erwies sich erst in jüngster Zeit als Problem, da Marvel häufig auch lizenzierte Figuren mit den eigenen interagieren ließ, so etwa die Hasbro-Spielzeugfigur R.O.M., Red Sonja, Doc Savage oder eben auch Conan.

Diese Hefte kann man nun nicht mehr nachdrucken, weswegen manche Collections, die Serien eigentlich lückenlos neu auflegen sollten, auf das eine oder andere Heft verzichten müssen. Entsprechend hätte man nicht erwartet, dass Marvel in der heutigen Zeit Conan in das Marvel-Universum integrieren könnte.

Dass Conan in Avengers: No Road Home auftaucht, legt jedoch den Verdacht nahe, dass der Lizenzvertrag ein anderer ist, als er das noch zu Beginn der 1970er Jahre war. Man hat sich vermutlich vertraglich zusichern lassen, dass Reprints auch in Zukunft möglich sind – und das ohne Verfallsdatum, aber sicherlich mit zu entrichtenden Tantiemen an den Lizenzgeber Conan Properties International.

Allerdings hätte man auch denken können, dass Marvel diese Miniserie einfach als einmalige Angelegenheit ansieht – bis eine weitere Serie angekündigt wurde.

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Die Savage Avengers

Im Mai 2019 startete in den USA die neue Serie Savage Avengers, die von Gerry Duggan geschrieben und von Mike Deodato gezeichnet wird. Die Serie geht direkt aus Avengers: No Road Home hervor, denn Conan verschlägt es am Ende der Geschichte in unsere Zeit – und in das Wilde Land, in dem noch immer Dinosaurier und andere Kreaturen leben.

Duggan erzählt davon, wie ein Kult um den Zauberer Kulan Gath nach den mächtigsten Kriegern sucht, um ihr Blut einer Gottheit zu opfern, die dadurch wiederaufstehen kann. So trägt es sich auch zu, dass sich Conan und Wolverine treffen. Es dauert nicht lange, und Elektra, Brother Voodoo, der Punisher und Venom gesellen sich hinzu.

In den bislang erschienenen ersten drei Heften sind diese Figuren noch lange kein Team und ganz bestimmt keine Savage Avengers. Das liegt auch am »decompressed storytelling«, das Erzählungen etwas arg in die Länge zieht, ohne wirklich tiefer in die Geschichte oder die Figuren einzudringen. Aber es tut sich einiges in diesen drei Heften. Am Ende des dritten scheint Conan gar zu sterben, aber dann verbindet sich der Venom-Symbiont mit ihm. Auch das ist etwas, das man sicherlich nie zu sehen erwartet hätte, das aber eben auch den Reiz dieser Serie ausmacht.

Wie sich diese sehr ungleichen, aber allesamt martialischen Figuren zu einem echtem Team mausern werden, wird man noch sehen müssen; spannend ist dieses Unterfangen von Marvel aber auf jeden Fall, zumal es Conan ein Alleinstellungsmerkmal gibt, das die Figur in den vorherigen fast fünf Jahrzehnten nicht hatte. Er ist nun ein legitimer Teil des Marvel-Universums.

Zwar wird es wohl nicht so sein, dass er Gastauftritte abseits der Savage Avengers (die in Deutschland ab Dezember 2019 beim Panini Verlag erscheinen werden) hat, weil das bei künftigen Neuauflagen zu Schwierigkeiten führen könnte. Allerdings plant Marvel vielleicht auch weit voraus. Denn während die Figur Conan in Europa bereits gemeinfrei ist, ist sie das in den USA noch nicht. Das wird sie erst 90 Jahren nach dem Tod von Robert E. Howard sein – also im Jahr 2026. Dann hält zwar Conan Properties International noch immer das Trademark, so dass man eine Serie nicht Conan der Barbar nennen könnte, die Figur kann dann aber von jedem benutzt werden, so wie es derzeit mit neuen Comics in Frankreich und Italien schon der Fall ist.

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