Einfach göttlich: Wonder Woman-Comics für Einsteiger

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Einfach göttlich: Wonder Woman-Comics für Einsteiger


Wonder Woman ist dank der jüngsten DC-Filme so beliebt wie nie zuvor – und als liberalistische und feministische Vorbildfigur wichtiger denn je. Mit diesen Comics gelingt der Einstieg in die Welt der Amazone.

Wonder Woman Anthologie

Auch in Sachen Wonder Woman bietet die seitenstarke Anthologie wieder einen guten Überblick und eine spannende Zeitreise durch 75 Jahre, in denen Diana von der Paradiesinsel Themyscira zu DCs ikonischster Heldin wurde. Die Sammlung beginnt wenig überraschend mit dem Debüt der Wunderfrau aus dem Jahre 1942, das William Moulton Marston verfasste, ein Psychologe und Autor, der ein Faible für Bondage hatte und den Lügendetektor erfand. Danach springt die Anthologie anhand verschiedener Comics von John Byrne, Dennis O’Neil, Greg Rucka, Gail Simone und vielen anderen zu weiteren denkwürdigen Epochen und Momenten in Wonder Womans Historie. Redaktionelle Vorworte zu den einzelnen Panel-Storys und diverse Artikel zwischendurch helfen Neulesern beim Einordnen der klassischen bis semiklassischen Bildergeschichten. Das Vorwort zum Band steuerte übrigens Lynda Carter bei, die Wonder Woman in der TV-Serie der 70er verkörperte.

Das neue DC-Universum

2011 erlebte das gesamte DC-Universum einen Neustart und eine kreative Neuausrichtung. Ausgerechnet Autor Brian Azzarello, eigentlich ein Mann für harte Stoffe aus den Gefilden von Krimi, Western, Horror und Kriegsgeschichten, nahm sich der Amazone mit dem Lasso der Wahrheit an. Azzarellos vielseitiges Epos über Zeus’ uneheliche Kinder, die Intrigen der olympischen Götter, Dianas Platz in ihrem Pantheon und sogar die kosmischen New Gods von Jack Kirby war die Überraschung des Reboots und mit Abstand die beste Serie der New 52-Initiative. Die Zeichner Cliff Chiang (Paper Girls), Tony Akins (Jack of Fables) und Goran Sudžuka (Ghosted) sorgten dafür, dass Azzarellos verblüffende Interpretation der göttlichen Heldin zwischen Mythen, Fantasy, Science Fiction und Superhelden jederzeit hervorstach und Seite für Seite, Kapitel für Kapitel erstrahlte. Ihre Saga haut Fans wie Quereinsteiger vom Hocker und sollte Pflichtlektüre für Wonder-Woman-Interessierte sein. Sie umfasst sechs Tradepaperbacks und beginnt mit dem sagenhaft guten Band Blut.

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Wonder Woman/Batman: Hiketeia

Top-Autor Greg Rucka (Detective Comics, Batwoman, Lazarus) hatte gleich zwei längere Runs als Wonder-Woman-Autor: von 2003 bis 2006, und zwischen 2016 und 2017. Unter dem Rebirth-Banner tat der Amerikaner sich beim zweiten Mal mit dem Briten Liam Sharp, der Australierin Nicola Scott und der Brasilianerin Bilquis Evely zusammen. Mithilfe dieser Zeichner legte Rucka eine anspruchsvolle, aber lohnenswerte Storyline über die Verteidigerin der Freiheit vor – im theoretisch unabhängigen Band Wonder Woman: Das erste Jahr wurde sogar Dianas Herkunftsgeschichte in Hochglanz-Bildern neu aufbereitet und zugleich in die Rebirth-Saga eingewoben. Allerdings veröffentlichte Rucka bereits 2002 eine eigenständige Wonder Woman-Graphic Novel: Hiketeia, gezeichnet von Wanted-Künstler J. G. Jones. Im Einzelband leistet Diana einen Schwur, demzufolge sie eine Mordverdächtige vor deren grimmigem Verfolger Beschützen muss: Batman! Darum kommt es zum Kampf zwischen der Amazone und dem Mitternachtsdetektiv. Noch immer eine intensive Geschichte in starken Bildern.

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Wonder Woman/Conan

Gail Simone kümmerte sich von 2008 bis 2010 um Wonder Womans fortlaufende Abenteuer und war die erste AutorIn, der durch ihre Arbeit mit DCs mächtiger Heldin größere Aufmerksamkeit und Anerkennung zuteil wurde. Lange genug hatte es gedauert. Als Zeichner konnte Simone damals u. a. auf Aaron Lopresti setzen. Fast zehn Jahre später verbündeten sich Simone und Lopresti erneut, um diesmal das Crossover Wonder Woman/Conan umzusetzen, das auf Deutsch als Komplettband vorliegt. Wie DCs Amazone und Robert E. Howards Cimmerier erst als Gegner und dann als Verbündete aufeinandertreffen, stellt ganz klassische, altbewährte Crossover-Kost dar, äußerst stimmig, zumal Simone beide Figuren überzeugend charakterisiert und inszeniert. Nicht innovativ, nicht mal spektakulär, aber trotzdem ein gelungenes Team-up des barbarischen Fantasy-Antihelden aus den Pulps und der emanzipierten Comic-Superheldin mit Wurzeln in der Antike.

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Batman/Wonder Woman: Der Ritter und die Prinzessin

Zeichner Liam Sharp, der Wonder Womans Rebirth-Serie visualisierte, war ein Schüler von Don Storm Lawrence und lieferte u. a. Illustrationen zu einer Storysammlung von China Miéville sowie Concept Art zu Filmen wie Lost in Space und Small Soldiers. Bevor er sich mit Grant Morrison an eine Neuausrichtung der Grünen Laterne Hal Jordan machte, realisierte Sharp als Zeichner und Autor eine Miniserie mit dem traditionsreichen US-Titel The Brave and the Bold, die sich in deutscher Übersetzung im Band Batman/Wonder Woman: Der Ritter und die Prinzessin findet. Sharp lässt die DC-Heroen in der keltischen Anderswelt zwischen Kobolden, Elfen und anderen phantastischen Kreaturen ermitteln, die sich im Krieg befinden. Sharps Bilder Feenlands, die an Michael Wm. Kaluta gemahnen, sehen sensationell aus, und am liebsten würde man sich ein Dutzend Seiten des Artworks gerahmt an die Wand hängen; die Story hat derweil einen ziemlichen Vertigo/Neil Gaiman-Vibe. Traumhaft. Es müsste viel mehr unabhängig zu lesende Comics dieser Art geben ...

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Weitere Tipps im Schnelldurchlauf

Comic-Legende George Pérez definierte Wonder Woman in den 80ern neu – im Umfeld der Amazonen und Götter, aber auch im Angesicht der Moderne. Seine ambitionierte, wegweisende und ziemlich epische Saga gibt es derzeit allerdings nur in englischsprachigen Sammelbänden. +++ Meta-Genie Grant Morrison (Batman: Arkham Asylum) und Ausnahmezeichner Yanick Paquette (Swamp Thing) nutzten in Wonder Woman: Erde Eins die Kulisse der Parallelwelt, um Dianas Origin und Anfänge neu zu interpretieren. Yanicks kunstvolle Seitenlayouts und Morrisons mit Andeutungen gespickten Panels und Dialoge muss man in Ruhe wirken lassen. +++ Der oben bereits genannte Brian Azzarello half Comic-Gigant Frank Miller als Co-Autor dabei, Batman: Dark Knight III: Die Übermenschen zu servieren, den dritten Teil von Millars Dark Knight Returns-Serie. In der düsteren, von Andy Kubert, Klaus Janson, Eduardo Risso und anderen ausgestalteten Zukunft sind Supergirl Lara und ihre Eltern Superman und Wonder Woman wichtige Handlungsposten. +++ Dianas aktuellste Soloserie wurde jetzt eine ganze Weile von Autor James Robinson betreut, der sich mit Starman einst in die Herzen der Superheldenleserschaft schrieb. Seine Storys ab dem Band Wonder Woman: Kinder der Götter, worin Diana gegen den wiedergeborenen Finsterling Darkseid von den New Gods antritt, sind nie tiefschürfend, jedoch immer toll unterhaltsame Popcorn-Action. Als Robinsons Nachfolgerin steht u. a. Alif der Unsichtbare-Autorin G. Willow Wilson in den Startlöchern.

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