Willkommen in Gotham City: Batman-Comics für Einsteiger

COMIC

Willkommen in Gotham City: Batman-Comics für Einsteiger


Es gibt Unmengen an Batman-Comics – aber mit welchen Titeln soll man als Neuleser anfangen? Christian Endres, der die deutschsprachigen Batman-Titel bei Panini als Redakteur betreut, schlägt ein paar Highlights und Klassiker zum Einstieg vor.

Das lange Halloween

Autorengröße Jeph Loeb und Ausnahmekünstler Tim Sale schufen gemeinsam viele tolle Geschichten über die größten Helden von DC und Marvel. Ihre Maxiserie „Batman: Das lange Halloween“, die in der zweiten Hälfte der 90er entstand, stellt ohne Zweifel eine ihrer besten Zusammenarbeiten dar. Batman jagt darin einen Serienkiller, der an Feiertagen zuschlägt und Verbindungen zur Mafia hat. Zudem trifft Gothams grimmiger Beschützer auf viele seiner verrücktesten Widersacher. Loeb und Sales Meisterstück, das es natürlich als Sammelband gibt, entzückt Leser seit jeher mit seiner kurvenreichen Krimi-Handlung, massig Noir-Atmosphäre und Sales unverkennbarem, betörenden Zeichenstil. Kein Wunder, dass sich Regisseur Christopher Nolan für seine Batman-Filme davon genauso inspirieren ließ wie die Macher der laufenden Fernsehserie „Gotham“.

Batman - Das lange Halloween von Jeph Loeb und Tim Sale bei Amazon bestellen
Batman Mad Love und andere Geschichten von Paul Dini und Bruce Tim bei Amazon bestellen
Batman - Der Rat der Eulen von Scott Snyder und Greg Capullo bei Amazon bestellen

Harley Quinn: Mad Love

Die Batman-Zeichentrickserie der 90er, im Original „Batman: The Animated Series“, begeisterte und rekrutierte eine ganze Generation junger Bat-Fans – und zählt bis heute zu den stimmungsvollsten Multimedia-Adaptionen der düsteren Batman-Legende. Bruce Timm und Paul Dini waren zwei der Hauptverantwortlichen hinter den Trickabenteuern und schufen 1992 für eine Episode Jokers Handlangerin Harley Quinn, die als Figur seither ihren Weg zur Ikone ging. In ihrem mit dem Eisner Award prämierten Comic-Juwel „Mad Love“ lieferten Autor Dini und Zeichner Timm 1994 erstmals die Hintergrundgeschichte von Jokers Psychiaterin, die zu seiner Gehilfin und Geliebten im Narrenkostüm wird, und das im bestechenden Look der Animated Adventures. Ein zeitlos guter Comic, der nach wie vor als Aushängeschild für das Medium und Batmans Ecke der Comic-Welt taugt.

Der Rat der Eulen

Autor Scott Snyder, der mit Stephen King einst die Horror-Comicserie „American Vampire“ lancierte und sich nach und nach zum wichtigsten Autor des gegenwärtigen DC-Universums mauserte, prägt Batmans Welt seit 2011. In „Der Rat der Eulen“, seiner ersten Storyline als Chefautor in Gotham und der Bat-Höhle, kommt unser brütender Held einer gefährlichen Verschwörung auf die Schliche, die seine Stadt seit langer Zeit aus den Schatten heraus kontrolliert. Ein starker, atmosphärischer Comic, der erheblich von Zeichner Greg Capullos markantem Strich profitiert und ebenfalls die TV-Verquickung „Gotham“ speiste. Übrigens inszenierte Snyder mit den Künstlern Jock und Francesco Francavilla vorher noch einen unterhaltsamen Mehrteiler über Ex-Robin Dick Grayson als Interims-Batman in der Serie „Detective Comics“, der Anfang 2019 im Band „Der schwarze Spiegel“ erstmals gesammelt auf Deutsch herauskommt.

Killing Joke – Ein tödlicher Witz

Dass der britische Autor Alan Moore als Comic-Gott verehrt wird, hat mit Meisterwerken wie „Watchmen“, „From Hell“ und „V wie Vendetta“ zu tun, die den Comic in Sachen Format und Anspruch massiv weiterentwickelten – und natürlich mit „Batman: Killing Joke“, das Moore 1988 mit seinem zeichnenden Landsmann Brian Bolland umsetzte. Diese zeitlos gut komponierte Batman-Geschichte nahm u. a. erheblichen Einfluss auf die Entwicklung von Batgirl Barbara Gordon und destillierte aus Storys früherer Tage einen ungebrochen faszinierenden Ansatz für die Herkunftsgeschichte von Batmans irrem Erzfeind Joker. Gleichzeitig beleuchtet der Evergreen die intensive Beziehung und die erschreckende Symmetrie zwischen dem Fledermausritter und dem Killerclown. Ein vielschichtiges Highlight, das in der neuen Kolorierung besser aussieht denn je.

Batman - Das erste Jahr von Frank Miller, David Mazzuchelli und Richmond Lewis bei Amazon bestellen
Gotham Central Band 1 - In Erfüllung der Pflicht von Ed Brubaker und Greg Rucka bei Amazon bestellen
Die Rückkehr des dunklen Ritters von Frank Miller, Klaus Janson und Lynn Varley bei Amazon bestellen

Das erste Jahr & Die Rückkehr des Dunklen Ritters

„Sin City“-Schöpfer Frank Miller prägte mit seinen Comics gewissermaßen Anfang und Ende des Bat-Mythos. 1986 trat Miller als Autor und Zeichner erstmals an, um eine mögliche Zukunft für Batman und Gotham City zu entwerfen. Die Anmutung der knallharten Panel-Story über den gealterten Bruce Wayne, der im Angesicht von Chaos, Korruption und Gewalt aus dem Ruhestand zurückehrt und sich noch einmal ins Kostüm zwängt, wurde stilprägend für die grimmigen US-Comics der 80er und selbst die Batman-Verfilmungen von Tim Burton. Was den Einfluss angeht, steht „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ dem parallel erschienenen „Watchmen“ in nichts nach. In „Batman: Das erste Jahr“ präsentierten Miller und der famose Zeichner David Mazzucchelli 1987 wiederum eine packende Origin für Bruce Wayne, der nach seinem Training auf der ganzen Welt nach Gotham heimkehrt, hier erstmals zum kostümierten Mitternachtsdetektiv wird und seine Karriere als maskierter Verbrecherjäger startet. Doch auch die in Schieflage geratene Laufbahn des Cops Jim Gordon ist ein wichtiges Element des Klassikers, in dem obendrein Selina Kyles Verwandlung in Catwoman gezeigt wird.

Weitere Tipps im Schnelldurchlauf

Die aktuelle monatliche „Batman“-Heftserie von Autor Tom King, die etappenweise in Sammelbänden zusammengefasst wird, ergibt eine innovative und oftmals richtig coole, aber nicht immer ganz einfache Mischung. Wer seine andersartige, lesenswerte Saga probieren will, fängt am besten mit dem ersten Band „Ich bin Gotham“ an, stark gezeichnet von David Finch. +++ Phantastik-Superstar Neil Gaiman lieferte vor einigen Jahren mit Zeichner Andy Kubert einen Schwanengesang auf den Mitternachtsdetektiv. „Was wurde aus dem Dunklen Ritter?“ interpretiert die Bat-Historie als reizvolle und visuell überragende, motivisch jedoch nicht ohne Kenntnisse des Stoffes zu entschlüsselnde Zeitreise. +++ Völlig ohne Probleme kann man dagegen das aufsehenerregende „Batman: Der dunkle Prinz“ lesen, geschrieben und gezeichnet vom Italiener Enrico Marini, einem Star der europäischen Szene. Seine leicht zugängliche, exquisit visualisierte Story über Batman und den Joker liegt in großen Hardcover-Alben sowie als kompakter Komplettband vor. +++ „Batman: Joker“, ein Comic-Roman von Brian Azzarello und Lee Bermejo, kommt als überzeugende, eigenständige Noir-Alternativweltgeschichte über einen Gangster aus Jokers Crew daher. +++ Und in der preisgekrönten Serie „Gotham Central“ von Greg Rucka, Ed Brubaker, Michael Lark und anderen stehen die Polizisten aus Bats’ Revier im Vordergrund, und besser kann man Cop-Krimis und Crime-Comics in Batmans Welt nicht inszenieren.

Share:   Facebook