Frohes Netzschwingen: Spider-Man-Comics für Einsteiger

COMIC

Frohes Netzschwingen: Spider-Man-Comics für Einsteiger


Aktuell läuft "Spider-Man: A New Universe" im Kino. Mit welchen Comics liest man sich am besten ein in die Welt von Marvels erstaunlichem Spider-Man? Christian Endres mit den wichtigsten Einsteiger-Tipps.

Erstaunliche Abenteuer: Die Spider-Man-Anthologie

Die Anthologien, die bei Panini exklusiv für den deutschsprachigen Markt zusammengestellt und produziert werden, sind besonders einsteigerfreundlich. Klingt nach Marketingsprech, ist aber tatsächlich so. Comic-Meilensteine und Hintergrund-Artikel ergeben im Zusammenspiel eine Zeitreise durch rund 60 Jahre Marvel-Geschichte. Im Fall der Spidey-Anthologie folgen der allerersten Story von Stan Lee und Steve Ditko Highlights von den Romitas, J. Michael Straczynski, Gil Kane, J. M. DeMatteis, Sal Buscema, David Michelinie und Todd McFarlane: der erste Kampf gegen Venom, die Hochzeit von Peter und Mary Jane, der sechsarmige Spidey im Duell mit dem Vampir Morbius, ein Team-up mit Dr. Strange – und mit „Spectacular Spider-Man #200“ ein dramatischer All-Time-Lieblingscomic. Vor jeder Story steht ein langes Intro, damit jeder einen Zugang findet und maximalen Lesespaß hat.

Marvel Knights: Spider-Man

Die Karriere von Mark Millar, Autor der verfilmten Comics „Kick-Ass“, „Wanted“ und „Kingsman: The Secret Service“, verlief einmalig. Bei DC und Marvel avancierte der Schotte zum Fanliebling, schließlich verlegte er sich auf eigenständige Comic-Kreationen, die am laufenden Band von Hollywood adaptiert oder zumindest optioniert wurden. 2017 verkaufte er sein „Millarworld“-Label an Netflix. Jetzt entwickelt er seine Stoffe exklusiv für den Streaming-Giganten, und ein paar seiner Ideen werden vorab zu Comics. Bereits zwischen 2004 und 2005 tobte sich Millar an der eigens für ihn gestarteten Serie „Marvel Knights: Spider-Man“ aus, deren Gangart dank des „Marvel Knights“-Banners härter sein durfte als üblich. Unterstützt von den Künstlern Terry Dodson, Rachel Dodson und Frank Cho, lieferte Millar eines der für ihn so typischen, ebenso krachenden wie ironischen Feuerwerke ab. Es macht noch heute ordentlich Laune, wenn der geplagte Netzkopf sich mit dem Grünen Kobold, dem Geier, Electro und einem neuen Venom anlegt und alles eine Spur härter und krasser wirkt. Auf Deutsch wurde die Serie zuletzt komplett im achten Band der „Mark Millar Collection“ gesammelt.

Kravens letzte Jagd

Diese schwermütige Saga von Autor J. M. DeMatteis und Zeichner Mike Zeck, die sich bei ihrem originalen Erscheinen 1987 durch alle damals laufenden US-Monatstitel des Netzschwingers zog, gehört zu den düsteren und grimmigen Klassikern der 80er, die das Medium veränderten und seine Grenzen verschoben. „Kravens letzte Jagd“ hat zwar nicht ganz das Standing von „Watchmen“, „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ oder „The Killing Joke“, doch der Sammelband gehört definitiv aufs Regalbrett mit den bewusstseinserweiternden Meilensteinen. Kurioserweise begann die Storyline ihre Reise als Batman-Geschichte, die DeMatteis später nur in eine Spidey-Fabel umschrieb. Kein leichter Comic, keine Gute-Laune-Superhelden-Geschichte, aber eine poetische, psychologisch intensive Story über Spider-Man im schwarzen Kostüm und den Jäger Kraven, der die Spinne besiegt und beerdigt.

Marvel Knights - Spider-Man von Mark Millar bei Amazon bestellen
Spider-Man - Im Körper des Feindes bei Amazon bestellen
Ultimate Spider-Man von Miles Morales bei Amazon bestellen

Spider-Verse (mit Miles Morales)

Wer Ende Dezember den Animationsfilm „Spider-Man: A New Universe“ im Kino gesehen hat, kann in „Miles Morales: Ultimate Spider-Man“ von Bestsellerautor Brian Michael Bendis und Zeichnerin Sara Pichelli noch einmal Miles’ Debüt als Nachwuchsnetzschwinger bestaunen, das 2011 ein gewaltiges Presseecho hervorrief – Bendis hatte zuvor in der Serie „Der ultimative Spider-Man“ ab 2001 mit Zeichner Mark Bagley eine gelungene Neuerzählung des Spidey-Mythos in Angriff genommen. Das Konzept des „Spider-Verse“, in dem sich die Spinnen vieler Parallelwelten gegen einen Feind zusammenrotten, geht indes auf das gleichnamige Crossover von Autor Dan Slott zurück. Der „Doctor Who“-Fan prägte Spider-Mans Welt zwischen 2008 und 2018 und schrieb manch denkwürdige Storyline: In „Marvel NOW! Spider-Man Bd. 1“ mit markanten Zeichnungen von Ryan Stegman übernahm Dr. Octopus Peters Körper und wurde zum fiesen Spidey; in „Spider-Man: Die Osborn-Identität“ führte Mr. Parker als Chef eines Firmenimperiums im Krieg alles gegen seinen Erzfeind ins Feld; in „Spider-Man: Der Schwur“ ging es in eine dystopische Alternativwelt, in der Pete und MJ verheiratet sind und eine Tochter haben; und in den Heftnummern 30 & 31 der monatlichen Spidey-Serie, die Ende 2018 auf Deutsch herauskamen, inszenierte Slott mit Topzeichner Stuart Immonen ein episches Finale seines Runs, das selbst Quereinsteiger zu packen vermag und von einem wundervollen Epilog mit Artwork von Marcos Martin gekrönt wurde.

Spider-Man: Blue

Autor Jeph Loeb und Zeichner Tim Sale haben als Dream-Team den einen oder andern Comic-Schmaus serviert: „Batman: Das lange Halloween“, „Superman: For All Seasons“, „Daredevil: Yellow“ – und „Spider-Man: Blue“. In dieser Miniserie bereisten Loeb und Sale zwischen 2002 und 2003 noch einmal die unvergesslichen 60er, die spidey-technisch von Stan Lee und John Romita sr. definiert wurden. Peter geht zur Uni, fährt Moped, ist Teil der Clique um Harry Osborn, Flash Thompson und MJ Watson, bandelt mit der holden Gwen Stacy an und balgt sich als Spidey mit der Echse, dem Grünen Kobold und anderen. Sales Zeichnungen, extravagant und retro in einem, fangen die unbeschwerten, die actiongeladenen und die melancholischen (also die blauen) Momente wunderbar ein; und Loeb hält die Balance zwischen heimeliger Nostalgie und interessanten Perspektiven. Gut möglich, dass das Fans, die schon einige Spidey-Comics gelesen haben, ein paar Glücksgefühle mehr bereitet, doch diese Übersicht wäre ohne „Spider-Man: Blue“ einfach nicht komplett.

Spider-Man und Deadpool - Geteiltes Leid bei Amazon bestellen
Kravens letzte Jagd bei Amazon bestellen
Spider-Man Spider-Verse bei Amazon bestellen

Spider-Man (2019) Heft 1

Im Januar 2019 startet die monatliche „Spider-Man“-Heftserie mit einem neuem Kreativteam und einer Nummer 1 auf dem Cover durch. Autor Nick Spencer macht von Anfang an viel richtig und verbindet klassisches Feeling mit coolen, aufregenden Ideen. Er probiert neue Sachen aus, sorgt allerdings zugleich dafür, dass sich alte und neue Fans des wandkrabbelnden Helden sofort zu Hause fühlen, während Peter u. a. mit dem Schurken Boomerang eine WG bezieht und mehr als eine seiner Verflossenen wiedersieht. Ryan Ottley, der bisher hauptsächlich Robert „The Walking Dead“ Kirkmans Superhelden-Seifenoper „Invincible“ bebilderte, und Spidey-Veteran Humberto Ramos veredeln das mit tollen Zeichnungen. Die erste Ausgabe bietet einen fantastischen Einstiegspunkt in Spider-Mans aktuelle Abenteuer, die zunächst traditionell in Heftform erscheinen, bevor Sammelbände folgen. Übrigens auch dann dringend empfehlenswert, wenn man vor Jahren erbost ausgestiegen ist und Sehnsucht nach dem freundlichen Netzschwinger aus der Nachbarschaft verspürt ...

Weitere Tipps im Schnelldurchlauf

„Babylon 5“-Erfinder J. Michael Straczynski lancierte nach dem Jahrtausendwechsel einen der besten Runs in der langen Historie Spider-Mans, der nicht allein wegen der kosmischen Totem-Theorie oder dem Debüt von Morlun immer im Gedächtnis bleiben wird. Leider ist das Material, das anfangs der grandiose John Romita jr. auf der Höhe seines Schaffens visualisierte, derzeit nur in US-Sammelbänden lieferbar +++ Die Panel-Storys von Autor Paul Jenkins und „Fables“-Zeichner Mark Buckingham, eine britische Produktion, gibt es dagegen auf Deutsch. Die vier Bände von „Peter Parker: Spider-Man“ haben viel Herz und Witz, und dennoch ausreichend Action +++ „Spider-Man/Deadpool: Geteiltes Leid“ enthält alle frühen Zusammentreffen zwischen dem Netzspinner und Oberspinner Wade Wilson, der heute höher in der Gunst der Fans steht denn je +++ Mit „Peter Parker: Der Spektakuläre Spider-Man“ bewies Autor Chip Zdarsky vor Kurzem, dass er eine feste Autorengröße bei Marvel ist. Der erste, dicke Sammelband mit Zeichnungen von Adam Kubert offeriert auf 250 Seiten leichtherzige, einsteigerfreundliche Spidey-Action mit dem Geier, Wilson Fisk, Ant-Man und vielen mehr.

Share:   Facebook