Fantastische Comics für Klein und Groß

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Die besten All-Age-Comics: Fantastische Comics für Klein und Groß


Es ist gar nicht so leicht, gute Comics zu finden, die von Lesern jeden Alters verschlungen werden können. Doch es gibt sie, die wirklich besonderen und geradezu begeisternden All-Age-Comics in Sachen Fantasy und Science-Fiction – und hier sind sie!

Bunter als die Mumins: Hilda (Luke Pearson)

Die illustrierten Romane und die Comics mit den Mumins, die 1945 von der Schwedin Tove Jansson erfunden wurden, begeisterten schon mehrere Generationen mit ihren trolligen Tollheiten in der heilen skandinavischen Natur. Mischt man jetzt noch die Magie der japanischen Anime-Märchen von Hayao Miyazaki und dem berühmten Studio Ghibli hinzu, erhält man die aktuellen Hilda-Comics von Luke Pearson. Super niedlich, super phantasievoll und supergut gezeichnet. Die forsche Titelheldin des Briten ist aufgeschlossen, mutig und immer bereit, ein wildes Abenteuer zu erleben oder jemandem in Not zu helfen.

Dabei trifft sie auf Fuchshörnchen, Steintrolle, Wassergeister, sprechende Raben und vieles mehr. Zu Beginn der Serie lebt Hilda mit ihrer Mutter noch abgeschieden inmitten der phantastischen Bergwelt, doch auch nach dem Umzug in die Stadt nehmen die Wunder und Gefahren in ihrem Leben keineswegs ab. Bisher sind auf Deutsch bei Reprodukt Hilda und der Troll, Hilda und der Mitternachtsriese, Hilda und die Vogelparade, Hilda und der Schwarze Hund sowie Hilda und der Steinwald erschienen, und Pearson wird tatsächlich mit jedem Album noch besser.

Schön düster: Courtney Crumrin (Ted Naifeh)

Die junge Courtney Crumrin hat keine Angst vor nichts und niemandem, und dafür jede Menge Ellenbogen. Die braucht sie allerdings auch, als sie zu ihrem Onkel Aloysius zieht und damit seine düster-magische Welt der Schatten und Legenden betritt, in der einen die meisten Kreaturen fressen wollen. Der knorrige Hexenmeister hat für seine schwierige, schwer erziehbare Enkelin viel übrig, doch das schützt Courtney nicht vor allen Gefahren, die sie aktiv sucht und regelrecht herausfordert.

Im alten Anwesen ihres Onkels, im mysteriösen Wald, in der weiten phantastischen Welt, auf dem Elfenmarkt oder im hungrigen Königreich des Zwielichts. Die Courtney-Bände von Ted Naifeh, der in seinem kantigen Stil u. a. noch Holly Blacks Feenland und einige DC-Superhelden-Comics umsetzte, sind die ideale Kost für alle Fans von Neil Gaiman, die es etwas düsterer mögen. Auf Deutsch ist eine Neuausgabe beim Kleinverlag dani books geplant. Bis dahin kann man sich mit dem Original oder der englischsprachigen Gesamtausgabe von Andi Watsons Glister vergnügen, das in dieselbe, wenn auch etwas spleenigere Kerbe haut und wohl nie übersetzt werden dürfte.

Ein großer SF-Spaß: Hilo (Judd Winick)

Der Amerikaner Judd Winick erlangte als Teil von MTVs Reality-Show The Real World: San Francisco Bekanntheit. Als Comic-Autor verfasste er anschließend einige wichtige Geschichten mit Batman, Red Hood, Harley Quinn, Green Arrow, Black Canary und Catwoman. Darüber hinaus schrieb und zeichnete er die in Geek/Nerd-Kreisen hoch geschätzten Comics rund um Boy Genius Barry Ween. Sein neuestes Panel-Werk ist dagegen Hilo, das Winick abermals als Autor und Zeichner umsetzte.

Im ersten Band der All-Age-Science-Fiction-Serie, die in Übersee für diverse Preise nominiert wurde und hierzulande bei Popcom herauskommt, fällt Hilo buchstäblich auf die Erde. Zusammen mit den ganz normalen Kids D.J. und Gina will er das Rätsel seiner außerirdischen Herkunft lösen, die Welt vor fiesen Monstern retten und ein Zuhause finden. Dazu muss er allerdings in der Schule und im Alltag überleben. Winicks simple, aber mitreißende und lebendige Story und seine ausdrucksstarken, dynamischen Zeichnungen reißen nicht allein junge Leser mit.  

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Viel Glitter, aber kein Kitsch: Fibi und ihr Einhorn (Dana Simpson)

Die Freundschaft zwischen dem neunjährigen, neunmalklugen Mädchen Fibi und dem magischen, selbstverliebten Einhorn Maiglöckchen Samtnüster (im Original: Marigold Heavenly Nostrils) ist etwas ganz besonderes. Die Comic-Strips der Amerikanerin Dana Simpson erschienen zunächst als Webcomic, heute werden sie in zahlreichen US-Zeitungen veröffentlicht, und die Sammelbände schaffen es bis auf die New-York-Times-Bestsellerliste.

Vor Kurzem startete bei Ullmann endlich eine deutsche Ausgabe der Bände, die nach brutalem Kitsch nur für Mädchen aussehen, aber o Junge, dieser Eindruck täuscht! Fibis und Maiglöckchens Gespräche haben göttliche Pointen, reichlich Gefühl und oft mächtig Tiefsinn. Smartphones und Nerd-Eltern machen den Strip außerdem zu einem der modernsten seiner Art. Das begeistert Leser jeden Alters und Geschlechts, darunter höchstselbst Einhorn-Experte Peter S. Beagle (Das letzte Einhorn) und Science-Fiction-Autor Cory Doctorow (Little Brother), die als Vorwort-Schreiber in Aktion treten. Häufig erinnert Fibi und ihr Einhorn an den Klassiker Calvin und Hobbes – der Ritterschlag für jeden Comic-Strip.

Zwischen Anime und Jules Verne: Das Schloss in den Sternen (Alex Alice)

In den 90ern tat sich der 1974 geborene Franzose Alex Alice mit Szenarist Xavier Dorison zusammen, um an der düsteren Serie Das dritte Testament zu arbeiten. Alice gestaltete sogar einen Tomb Raider-Comic für den französischen Verlag Glénat, doch musste das Album flugs wieder vom Markt genommen werden, da Eidos die Comic-Lizenz zwischenzeitlich anderweitig in den Staaten veräußert hatte. Später realisierte Alice als Autor und Zeichner mit der Siegfried-Trilogie eine bildgewaltige Fantasy-Neuinterpretation des Nibelungen-Mythos.

Seine neueste Comic-Serie heißt Das Schloss in den Sternen, worin Alice Retro-Science-Fiction mit der deutschen Romantik verbindet. Inspiriert haben ihn SF-Urvater Jules Verne und – wieder einmal – die Animes aus dem Studio Ghibli. Das Ergebnis dieser Verschmelzung erstrahlt als hinreißend erzählte und visualisierte Ätherpunk-Alternativweltgeschichte über eine Ätherraumschiff-Expedition ins All, die 1868 unter der Aufsicht von Ludwig dem II. stattfindet, dem König von Bayern und Cousin der holden Sissi (übrigens einer Nebenfigur). Auf Deutsch erscheinen die wunderschön aufgemachten und erzählten Alben, die Seite für Seite ein wahrer Hingucker sind, bei Splitter.

Der Klassiker: Bone (Jeff Smith)

Ohne Jeff Smith’ Fantasy-Meisterwerk Bone wäre diese Übersicht nicht vollständig, und vermutlich hätte sich der Comic-Markt ohne Bone auch anders entwickelt. Dieser einflussreiche Meilenstein des unabhängigen Creator-Owned-Comic gehört zu den meistgelobten und wichtigsten Panel-Werken der letzten fünfundzwanzig Jahre, und es gibt zweifellos genug zu lieben an dieser Serie: die Knuddeloptik der Bone-Cousins, das gemütliche fremde Tal, das sie auf den Kopf stellen, den großen roten Drachen und all die anderen Tiere und Monster, die Romanze zwischen Fone Bone und der süßen Thorn. Und die große Geschichte, die sich zwischen den Verrücktheiten und Abenteuern entwickelt.

Doch genau hier kommt die Einschränkung: Obwohl Bone immer als All-Age-Comic beworben und verkauft wird und unheimlich niedlich daherkommt, hat der Klassiker seine finsteren und erwachsenen Momente, und zwar immer dann, wenn Smith von lustig-launig in ernst-episch umschaltet. Bone ist eben in jeder Hinsicht der Herr der Ringe des Independent-Comic. Das gilt es zu beachten, ansonsten muss man die Eskapaden der Bone-Vettern natürlich gelesen haben, gerne in der von Steve Hamaker bestechend kolorierten Neufassung, die im Deutschen bei Tokyopop im Hardcover vorliegt – die Taschenbücher sind indes Schwarz-Weiß.

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